Im kleinen Gelting hat sich kürzlich die Bühne in eine ganz besondere Arena verwandelt. Das Ein-Frau-Theaterstück „Sektempfang und Feierabendbier“ von Gabi Gómez war nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern auch ein eindringlicher Blick in die Welt der Alkoholsucht. Die Vorstellung fand in der gemütlichen Kneipe „Hinterhalt“ statt, organisiert vom Gesundheitsamt Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Atmosphäre war locker, doch das Thema war es nicht. So wurde im Rahmen der Aktionswoche Alkohol nicht einfach nur unterhalten, sondern auch aufgeklärt.

Die Protagonistin Lisa, von Gómez lebendig verkörpert, durchlebt auf der Bühne ihre Reise vom Dauerfeiertrinken zur Sucht. Es ist eine Geschichte, die viele berührt, denn sie spiegelt die Realität wider, wie Freunde auf die Probleme eines geliebten Menschen reagieren – oft mit Kritik. Und die Zuschauer? Sie hatten sich überwiegend für alkoholfreie Getränke entschieden, was in diesem Kontext besonders bemerkenswert ist. Ein starkes Zeichen, dass man auch ohne Alkohol genießen kann!

Aufklärung und Prävention

Bernadette Sappl, eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes, nutzte die Gelegenheit, um auf die alarmierenden Zahlen aufmerksam zu machen: In Deutschland konsumiert jeder im Schnitt 12,2 Liter Alkohol pro Jahr – und in Bayern sind etwa 255.000 Menschen alkoholabhängig. Das macht nachdenklich. Während die Bierdeckel auf den Tischen mit der Aufschrift „Kein Alkohol hinterm Steuer“ lagen, wurde deutlich, dass das Thema nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Alltag viele betrifft.

Die rund 40-minütige Aufführung wollte keineswegs moralisieren, sondern das Publikum mit einem Spiegel konfrontieren. Gómez erklärte, dass Alkoholmissbrauch oft tiefere Wurzeln hat, und dass Leugnen und Selbstbetrug keine Seltenheit sind. Ein Gedanke, der zum Nachdenken anregt. Und wie Florian Baindl von der Caritas-Suchtberatung anmerkte, ist die Einsicht, dass man ein Problem hat, häufig ein langer Prozess. Da ist es schon fast ironisch, dass das Feiern und der Genuss von Alkohol in unserer Kultur so tief verwurzelt sind.

Das Projekt „HaLT“ (Hart am Limit) wurde ebenfalls beworben und zielt darauf ab, Kinder und Jugendliche über die Gefahren des Alkoholmissbrauchs aufzuklären. Eine wichtige Initiative, die in einer Zeit, in der Alkohol oft als Teil des Feierns angesehen wird, besonders notwendig ist. Es ist ermutigend zu sehen, dass solche Themen nicht nur im Verborgenen behandelt werden, sondern dass die Gesellschaft Schritt für Schritt ein Bewusstsein dafür entwickelt.

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Insgesamt war die Veranstaltung im „Hinterhalt“ ein eindringlicher Appell zur Auseinandersetzung mit einem Thema, das viele betrifft, aber oft im Stillen bleibt. Der herzliche Empfang und die nachdenklichen Gesichter der Zuschauer sind ein Zeichen dafür, dass die Botschaft angekommen ist – und vielleicht, nur vielleicht, der erste Schritt zu einer bewussteren Trinkkultur gemacht wurde.

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