In Aichach-Edenried, wo die Luft nach frischem Obst duftet und die Wiesen sanft im Wind wiegen, hat Dr. Konrad Naßl seinen ganz persönlichen Gartentraum verwirklicht. Seit 2015 ist er unermüdlich dabei, alte Obstsorten zu sammeln und zu pflegen. Auf seinen drei Wiesen erblühen mittlerweile rund 380 Obstbäume – eine wahrhaft beeindruckende Vielfalt! Apfel-, Birnen- und Zwetschgensorten stehen in voller Pracht, und besonders stolz ist er auf den Jakob-Fischer-Apfel. Diese Sorte, die 1903 von Jakob Fischer in Rottum entdeckt wurde, hat auf Naßls Gelände gleich 15 Vertreter gefunden. Wahnsinn, oder? Experten vermuten, dass die Ursorte „Goldrenette von Blenheim“ den Grundstein für diesen schmackhaften Apfel gelegt hat.

Doch mit einem schönen Garten kommt auch viel Verantwortung. Naßl betont, dass die Pflege eines Naturgartens kontinuierlich erforderlich ist. Zusammen mit seiner Partnerin und der Familie ist er täglich im Einsatz, um die Bäume gesund und vital zu halten. In der Nähe summen zehn Bienenvölker, die seine Partnerin hält, und tragen zur Bestäubung der Obstbäume bei – eine perfekte Symbiose! Sogar der Seniorchef, 87 Jahre alt, packt fleißig mit an. Für die schwereren Arbeiten kommt ein Bulldog Kramer KL200 aus dem Jahr 1959 zum Einsatz. Nostalgie pur! Die Hochstämme auf den Wiesen sind dabei ganz ohne Pflanzenschutzmittel auskommt, denn alte Sorten sind eben widerstandsfähiger. Ein bisschen wie in einem Märchen, in dem alles im Einklang ist.

Tag der offenen Gartentür

Am 28. Juni steht ein ganz besonderes Event an. Naßl beteiligt sich am Tag der offenen Gartentür in Schwaben, und das Motto „heimische Paradiese entdecken“ könnte nicht passender sein. Besucher sind herzlich eingeladen, die Sortenvielfalt zu erkunden und an Führungen zur Geschichte und Pflege der Bäume teilzunehmen. Und als ob das nicht schon genug wäre, gibt es auch Cidre aus eigenen Äpfeln zu probieren – einfach himmlisch! Der Eintritt zu den Gärten ist frei, sodass wirklich jeder die Möglichkeit hat, in die Welt der alten Obstsorten einzutauchen. Neben Naßl öffnen auch Sofia Brandmayr und Sonja Mayerle die Pforten ihrer Gärten und laden ein zu einem kleinen Ausflug in die Natur.

Die Bedeutung der Obstsortenvielfalt

Was viele vielleicht nicht wissen: Der Pomologen-Verein hat ein Erhalternetzwerk für die Obstsortenvielfalt ins Leben gerufen. Das Ziel? Die langfristige Erhaltung historischer Obstsorten in Deutschland. Dieses Netzwerk koordiniert bestehende Initiativen zur Sortenerhaltung. Hier wird die Vielfalt der Obstsorten gesichert, was auch Naßls Engagement umso wertvoller macht. Auf der Homepage des Netzwerks finden Interessierte Informationen zu Aufgaben, Zielen und sogar eine Sortenbörse mit Listen von sortenecht verfügbaren Obstsorten. Experten erstellen Sortenportraits, basierend auf eigener Anschauung und Erfahrung. Eine echte Schatztruhe für alle Obstliebhaber!

In einer Zeit, in der die industrielle Landwirtschaft oft die Oberhand hat, ist das Engagement von Menschen wie Dr. Konrad Naßl von unschätzbarem Wert. Es erinnert uns daran, wie wichtig der Erhalt der alten Sorten ist – nicht nur für unsere Gaumen, sondern auch für die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht. Und wenn wir künftig in den Garten schauen, vielleicht mit einem frischen Glas Cidre in der Hand, wissen wir, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.

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