In Ulm, wo der Neckar mit den sanften Hügeln des Schwabenlandes verschmilzt, fand kürzlich der erste Süddeutsche Biogas-Gipfel statt. Die Luft war durchzogen von der Aufregung der Landwirte, Politiker und Naturschutzverbände, die alle eines gemeinsam hatten: die Zukunft der Biogasbranche zu diskutieren. Ein Thema, das nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Energieversorgung von Bedeutung ist. Die Frage, wie Biogasanlagen betrieben werden sollten, spaltete die Gemüter.
Der NABU und der BUND haben sich klar positioniert: Biogasanlagen sollen ausschließlich mit Reststoffen wie Mist und Gülle betrieben werden. Eine Forderung, die von vielen Seiten unterstützt wird. Doch der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) sieht das anders und plädiert für den Anbau von Energiepflanzen, wie beispielsweise Mais. „Wir brauchen diese Pflanzen, um unsere Biogasanlagen wirtschaftlich betreiben zu können“, sagt Simon Frey, ein Landwirt aus Bräunlingen, der einen Milchviehbetrieb mit 140 Rindern führt. Für ihn sind Energiepflanzen eine sinnvolle Nutzung der Felder, die zudem regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen.
Kontroversen um den Maisanbau
Der Maisanbau, ein heißes Eisen, das nicht nur die Gemüter erhitzt, sondern auch die Äcker in Mitleidenschaft zieht. NABU und BUND kritisieren, dass die Flächen, die für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden, dringend für die Nahrungsmittelproduktion gebraucht werden. Sie warnen vor einem Verlust an Artenvielfalt. Auf der anderen Seite verteidigt der BLHV den Einsatz von Mais und verweist auf Fruchtfolgevorgaben sowie einen Maisdeckel. Ein ewiges Hin und Her, das wohl noch lange nicht entschieden sein wird.
Jörg Fehrenbacher, ein weiterer Landwirt aus Donaueschingen, geht einen anderen Weg. Er betreibt seine Biogasanlage ausschließlich mit Reststoffen und sieht darin einen klaren Vorteil. „Wir sind nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung und können so ganz ohne schlechtes Gewissen arbeiten“, erklärt er. Für ihn sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Und das ist ein Punkt, den die Politik nicht aus den Augen verlieren sollte, denn viele Biogasanlagen stehen vor dem Aus – der Grund? Wegfallende staatliche Förderungen. Ein echtes Dilemma, das viele Landwirte betrifft.
Die Rolle der Politik
Auf dem Gipfel waren auch Politiker wie Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Baden-Württembergs Minister Peter Hauk anwesend. Beide betonten die Schlüsselrolle von Biogas in der Energieversorgung. Ihre Worte fanden Gehör, als die „Ulmer Erklärung“ präsentiert wurde, die klare Forderungen an den Bund zusammenfasste: mehr Unterstützung für Planungssicherheit und finanzielle Rahmenbedingungen. Die Landwirte fordern höhere Fördersummen, einen Flexibilisierungszuschlag und eine stärkere Einbindung von Biogas in die nationale Energieplanung. Ein Schritt, der dringend notwendig ist, denn in Baden-Württemberg und Bayern gibt es über 3.700 Biogasanlagen, die fast 40% des deutschen Biogasaufkommens erzeugen.
Biogas als Zukunftsenergie
Biogas ist nicht nur ein lokales Phänomen, sondern eine wichtige Säule des zukünftigen Energiesystems. Es ist speicherbar, flexibel nutzbar und kann unabhängig von Sonnen- und Windverhältnissen Energie produzieren. Im Jahr 2021 wurden etwa 54% der erneuerbaren Energie in Deutschland aus Biomasse erzeugt, wobei Biogas eine große Rolle spielt: 12,2% des erneuerbaren Stroms und fast 10% der erneuerbaren Wärme stammen aus Biogasanlagen. Das sind beeindruckende Zahlen! Rund 9.600 Biogasanlagen in Deutschland versorgen mehr als 9 Millionen Haushalte mit Strom und decken etwa 5,4% des deutschen Stromverbrauchs. Die erzeugte Wärme reicht sogar für über 2,5 Millionen Haushalte.
Um den Herausforderungen der Energieversorgung zu begegnen, wird die Förderung von Reststoffen wie Gülle und Mist immer wichtiger. Denn aktuell wird nur etwa ein Drittel des Potenzials von Gülle und Mist für die Biogasproduktion genutzt. Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um den Maisanbau zur Biogaserzeugung zu begrenzen und alternative Energiepflanzen zu fördern, die ökologische Vorteile bieten. Und in Zeiten, in denen die Erzeugung von Energie aus Sonne und Wind schwankt, können flexibel arbeitende Biogasanlagen einen wertvollen Beitrag leisten.
Wenn man die Zukunft von Biogas betrachtet, wird schnell klar: Es ist nicht nur eine Übergangslösung, sondern ein echter Baustein der Energiewende. Biomethan, gewonnen aus Biogas, kann ins Erdgasnetz eingespeist werden und ist damit ein wichtiger Bestandteil der Energieversorgung. Die nächsten Schritte müssen nun überlegt und strategisch angepackt werden, um die Potenziale dieses wertvollen Rohstoffs voll auszuschöpfen.