Stuttgart 21: Ein Projekt zwischen Hoffnung und Frustration
Es ist ein trüber Freitag in Stuttgart, der 29. Juni 2026. Der Lenkungskreis für das Bahnprojekt Stuttgart 21 hat sich getroffen, um über die neuesten Entwicklungen zu sprechen. Anwesend sind hochrangige Vertreter, darunter die Bahnchefin Evelyn Palla sowie Vertreter des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart. Was als ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft des städtischen Verkehrs galt, wird nun von dicken Wolken des Zweifels überschattet. Der neue Zeitplan für den Bahnknoten und den Tiefbahnhof wird präsentiert, und er bringt mehr als nur ein paar Änderungen mit sich.
Die Eröffnung des Tiefbahnhofs, die ursprünglich für Dezember 2026 geplant war, muss nun auf Dezember 2031 verschoben werden. Ein richtig herber Rückschlag! Die Gründe sind vielfältig: kilometerweise falsch verlegte Kabel, Schwierigkeiten bei der Notstromversorgung und auch neue Normen für das zentrale Technikgebäude. Wenn das nicht schon genug wäre, gibt es auch noch die komplexen Herausforderungen bei der Digitalisierung. Stuttgart soll der erste Bahnknoten in Deutschland mit vollständig digitalisierter Leit- und Sicherungstechnik werden. Doch genau hier liegt das Problem. Die digitale Technik des japanischen Konzerns Hitachi hat viel mehr Schwierigkeiten bereitet, als man anfangs dachte. Die Teilöffnung des Tiefbahnhofs wurde kurzerhand abgesagt, und ein neuer Termin steht noch nicht fest.
Die Reaktionen sind deutlich
Die Rückmeldungen sind nicht gerade erfreulich. Verkehrsminister Winfried Hermann hat scharfe Kritik geübt und bezeichnete die Verschiebung als „fatale Nachricht für die Fahrgäste“. Auch Oberbürgermeister Frank Nopper hat sich zu Wort gemeldet und fordert von der Bahn mehr Transparenz bezüglich der Realisierbarkeit des Projekts. Es ist kaum zu fassen, dass die Kosten mittlerweile auf über 14,5 Milliarden Euro gestiegen sind. Ursprünglich war man von 2,5 Milliarden Euro ausgegangen! Und die Bahn muss diese Mehrkosten alleine tragen, da eine Entscheidung des Stuttgarter Verwaltungsgerichts im Jahr 2024 besagt, dass andere Projektpartner nicht zur Kasse gebeten werden können.
Die Pünktlichkeit im Fernverkehr liegt derzeit bei mageren 52 Prozent. Das ist alles andere als eine glanzvolle Bilanz. Die Bahnchefin Palla, die ihr Amt erst am 1. Oktober 2023 angetreten hat, hat klar gemacht, dass sich die Lage bei der Bahn nicht schnell verbessern wird. Ein Ausblick auf die Zukunft ist nicht gerade rosig. Man fragt sich, ob es jemals einen stabilen Bahnbetrieb geben wird.
Wichtige Meilensteine und der alte Bahnhof
<pTrotz aller Schwierigkeiten gibt es einige wichtige Meilensteine, die nicht aus den Augen verloren werden sollten. Die Eröffnung des renovierten alten Bahnhofsgebäudes (Bonatzbau), der Start für den Tiefbahnhof am Flughafen und die verlängerte Stammstrecke der S-Bahn sind nur einige davon. Der alte Kopfbahnhof wird bis Sommer 2032 in Betrieb bleiben, doch die Frage bleibt: Wie viele Fahrgäste werden noch auf diesen alten Bahnhofsgeistern warten? Und wie lange wird es dauern, bis die Passagiere endlich die Vorzüge des neuen Systems genießen können?
Ein Lichtblick ist die Sondersendung „SWR Extra: Stuttgart 21“, die am Freitagabend im SWR Fernsehen ausgestrahlt wird. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung auf ein bisschen mehr Klarheit in dieser verworrenen Angelegenheit. Es bleibt abzuwarten, ob die Bahn und ihre Partner die Herausforderungen meistern können, die vor ihnen liegen, oder ob wir weiterhin mit diesen verzweifelten Verspätungen leben müssen.
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