In Zimmern, einem kleinen, aber feinen Ort im Landkreis Rottweil, steht vor dem Rathaus ein ganz besonderes Exemplar. Eine leuchtend rote Bank mit der eindringlichen Aufschrift „Kein Platz für Gewalt“ ruht da und zieht die Blicke auf sich. Sie ist die neunte ihrer Art in der Region und ein starkes Zeichen gegen Gewalt – ein Aufruf an alle, sich zu positionieren und ins Gespräch zu kommen. Die Initiative „Kein Platz für Gewalt“, die vom Verein „Frauen helfen Frauen + AUSWEGE e.V.“ ins Leben gerufen wurde, möchte damit auf ein Thema aufmerksam machen, das oft im Verborgenen bleibt.

Die Geschäftsleiterin des Vereins, Dorothee Golm, hat einen klaren Blick auf die Realität: Gewalt hat viele Gesichter und ist nicht auf ein Geschlecht oder eine bestimmte Gruppe beschränkt. Diese Bank soll nicht nur ein Ort der Besinnung sein, sondern auch Menschen ermutigen, sich aktiv gegen Gewalt zu positionieren. Bürgermeisterin Carmen Merz unterstützt die Aktion und hebt die Wichtigkeit der Sichtbarkeit dieses Themas hervor. Finanziell wurde das Projekt durch die Gemeinde Zimmern ob Rottweil sowie durch lokale Zahnärzte unterstützt.

Ein wachsendes Netz der Solidarität

Das Projekt ist Teil eines größeren Netzwerks von roten Bänken, die in verschiedenen Orten des Landkreises aufgestellt wurden, darunter Rottweil, Neufra und Neukirch. Diese Bänke sind nicht nur stiller Zeuge, sondern auch ein aktives Mittel, um Gespräche über Gewalt zu fördern. In jedem dieser Orte gibt es auch einen QR-Code an den Bänken, der zu Informationen und Hilfsangeboten des Vereins führt. Ein cleverer Schachzug, um Menschen direkt mit Unterstützung in Kontakt zu bringen!

Die Nachfrage nach Beratungen und Hilfen steigt kontinuierlich. Im Jahr 2025 führte der Verein insgesamt 425 Beratungen durch, darunter 182 Erstberatungen. Des Weiteren wurden im Fachbereich AUSWEGE 110 Beratungen registriert, von denen 41 Erstberatungen waren. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache – der Bedarf an Unterstützungsangeboten wächst.

Die Idee hinter den roten Bänken

Die Idee der roten Bänke hat ihren Ursprung im Jahr 2014 in Turin, wo sie ins Leben gerufen wurde, um an Frauen zu gedenken, die durch Gewalt ums Leben kamen. Die erste Bank wurde am 26. November, anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, aufgestellt. Seitdem hat sich dieses Projekt wie ein Lauffeuer verbreitet, nicht nur in Italien, sondern auch in vielen deutschen Städten wie Aschaffenburg, Hannover und Berlin. Sogar in Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile rote Bänke, die ein Zeichen setzen.

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Die Prävention ist ein zentrales Element in der Arbeit gegen Gewalt. Sensibilisierung und Weiterbildung sind notwendig, um Anzeichen von Gewalt zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Öffentlichkeitsarbeit ist entscheidend – nicht nur für Betroffene, sondern auch für ihr soziales Umfeld. Es geht darum, dass Frauen sich glaubhaft unterstützt fühlen. Beratungsstellen und Frauennotrufe bieten verschiedene Seminare und Workshops an, um Frauen und Mädchen zu stärken. Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse sind dabei wichtig, um das Selbstbewusstsein zu fördern.

Die Verantwortung für Gewalt liegt immer bei den Tätern. Ein Umdenken ist nötig, um Stereotypen und Diskriminierung abzubauen. Das Thema Geschlechterrollen muss offen diskutiert werden, um gewalttätige Verhaltensweisen nachhaltig zu verändern. Die ökonomische Gleichstellung von Frauen spielt ebenfalls eine Rolle in der Gewaltprävention. Bildung und finanzielle Unabhängigkeit sind entscheidend, um aus gewalttätigen Beziehungen auszubrechen.

Die rote Bank in Zimmern ist mehr als nur ein Möbelstück. Sie ist ein Symbol für Hoffnung, Mut und den Willen, ein gewaltfreies Miteinander zu schaffen. Jeder, der daran vorbeigeht, wird vielleicht zum Nachdenken angeregt und erkennt: Gewalt hat keinen Platz in unserer Gesellschaft.

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