In der Automobilbranche tut sich gerade einiges – und das nicht nur in den großen Hallen der Hersteller, sondern auch auf der regionalen Ebene. So verkauft Mercedes-Benz seine Autohäuser in Berlin und Brandenburg. Ja, richtig gehört! Fünf Niederlassungen in der deutschen Hauptstadt und zwei in Brandenburg gehen an Global Auto Holdings (GAHL), ein Unternehmen mit Wurzeln im Vereinigten Königreich. Hier arbeiten über 1.100 Menschen, die nun vor einer ungewissen Zukunft stehen. Die Transaktion steht allerdings noch unter kartellrechtlichem Vorbehalt und soll, so die Planung, bis Ende 2023 über die Bühne gehen.
Spannend ist auch, dass GAHL bereits Erfahrung mit Mercedes-Benz-Betrieben hat – sowohl in Großbritannien als auch in den USA. Die Verkaufspläne sind allerdings kein neues Thema. Schon seit 2024 kursieren Gerüchte über diesen Schritt, der damals rund 8.000 Menschen in etwa 80 Betrieben in Deutschland betrifft. Nach Protesten der Beschäftigten gab es immerhin eine Einigung mit dem Gesamtbetriebsrat, um die Betriebsübergänge zu regeln. Im Sommer 2022 fand bereits der erste Verkauf in Neu-Ulm statt, gefolgt von weiteren Niederlassungen in Koblenz, Mainz, Dortmund und Lübeck. Und ganz frisch – Anfang 2023 wurden Verträge für den Verkauf in Aachen, Kassel, Würzburg, Wuppertal, Reutlingen und Hannover unterzeichnet.
Der Wandel der Automobilindustrie
Die Lage in der deutschen Automobilbranche ist angespannt. Die Zahl der Arbeitsplätze schwindet schneller als manch einer ahnen mag – mehr als in jedem anderen Wirtschaftszweig. Gewinneinbrüche und Sparmaßnahmen prägen das Bild. Nach einem anfänglichen Umsatzanstieg nach der Corona-Pandemie zeigt sich seit Anfang 2024 ein Rückgang. Seit 2019 ist die Zahl der Beschäftigten in dieser Schlüsselbranche stark gesunken. Jeder siebte Arbeitsplatz ist verschwunden, und im vergangenen Jahr verlor die Branche etwa 6,5% ihrer Stellen – das entspricht fast 50.000 Fertigungsjobs!
Es bleibt jedoch nicht bei der schwindenden Beschäftigung im Kfz-Sektor. Die Zulieferindustrie ist besonders betroffen, mit einer steigenden Zahl an Insolvenzen. Dabei könnte man meinen, die deutsche Autoindustrie sei auch weiterhin der große Player – immerhin generiert sie mehr Umsatz als der Maschinenbau. Die heimischen Käufer halten zwar ihren Marken die Treue, aber international haben die deutschen Hersteller an Marktanteilen verloren. Die langsame Entwicklung der Elektromobilität bringt zusätzlich Druck auf die Unternehmen. In Regionen wie Bayern und Niedersachsen haben über 20% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Job in der Kfz-Produktion. In Brandenburg hingegen hat die Beschäftigung in der Autoindustrie seit der Eröffnung des Tesla-Werks 2022 einen Aufschwung erfahren.
Ein Blick in die Zukunft
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Bereich E-Motoren und Batterietechnik verzeichnete zwischen Dezember 2024 und 2025 einen Anstieg der Beschäftigung um mehr als 28%. Ein Lichtblick, könnte man sagen. Währenddessen haben Unternehmen der Luft- und Raumfahrttechnik und im nicht zivilen Schiffsbau sogar Personal eingestellt. Die Rüstungsindustrie bleibt jedoch ein kleines Licht in der Dunkelheit mit weniger als 20.000 Beschäftigten – das kann die verlorenen Jobs in der Autoindustrie nicht einmal ansatzweise wettmachen. Experten sehen mögliche Alternativen für Autoteilehersteller, die in den Rüstungssektor wechseln wollen oder auf E-Motoren umsteigen möchten. Doch das alles braucht starke Konjunkturimpulse, um den Stellenabbau zu bremsen.
Insgesamt bleibt die Situation in der Automobilbranche angespannt. Die Auftragsbücher füllten sich zuletzt merklich, aber ob das für eine nachhaltige Erholung reicht? Das bleibt abzuwarten. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen Tradition und Zukunft, zwischen alten Werten und neuen Herausforderungen. Irgendwie bleibt man optimistisch, trotz aller Widrigkeiten.