In Reutlingen, genauer gesagt auf dem Friedhof Römerschanze, hat sich eine Situation entwickelt, die sowohl für die Trauernden als auch für die Friedhofsverwaltung große Umstellungen mit sich bringt. Ab Dienstag, dem 26. Mai, sind die Aussegnungshalle, der Aufbahrungs- und Abschiedstrakt sowie die Räume des Bestattungsdienstes und der Friedhofsverwaltung gesperrt. Der Grund? Eine gefährliche Hebung des Lias Epsilon im Untergrund, die nicht nur zu unschönen Rissen in Wänden und gesprungenen Fußbodenfliesen führt, sondern auch die Sicherheit der denkmalgeschützten Gebäude in Frage stellt. Es ist schon eine Herausforderung, wenn man bedenkt, dass die Schäden an den Gebäuden zugenommen haben und jetzt eine Sanierung unumgänglich ist.
Die Trauerfeiern und Aufbahrungen müssen nun auf andere Friedhöfe in der Umgebung verlegt werden, darunter „Unter den Linden“, Rommelsbach, Betzingen und Degerschlacht. Eine Lösung, die zwar notwendig ist, aber für viele Hinterbliebene sicherlich eine Umstellung darstellt. Immerhin bleibt die Möglichkeit, Erdbestattungen und Feuerbestattungen im Krematorium weiterhin anzubieten. Die Sperrung wird voraussichtlich drei bis fünf Jahre andauern – eine lange Zeit, die für viele Trauernde eine Herausforderung darstellt.
Die Ursachen der Hebungen
Es ist nicht das erste Mal, dass solche Probleme in dieser Region auftreten. Seit 30 bis 40 Jahren sind Bauschäden an Hallenbauten und Wohngebäuden bekannt, die vor allem im Vorland der Schwäbischen Alb auftreten. Diese ungleichmäßigen Baugrundhebungen sind an bestimmte Gesteine des Unterjuras und Mitteljuras gebunden. Besonders betroffen sind die Gesteine der Posidonienschiefer-Formation, die hier in der Gegend vorkommen. Die Schadensbilder, die dabei entstehen, gehören zu den eindrucksvollsten Herausforderungen, mit denen Baugrundsachverständige konfrontiert werden können. Die Ursachen der Schäden wurden in zwei Dissertationen untersucht, die vom Geologischen Landesamt betreut wurden. Ein Thema, das nicht nur für die Stadt Reutlingen von Bedeutung ist, sondern auch weit über die Region hinaus.
Die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Friedhof Römerschanze müssen saniert werden, da Gutachten auf technische und kostspielige Sanierungsmaßnahmen hinweisen. Diese Arbeiten müssen den Standards der Baudenkmalpflege entsprechen, die vom Bundesdenkmalamt vorgegeben werden. Jede Veränderung an einem denkmalgeschützten Objekt, die den Bestand oder die Erscheinung beeinflussen könnte, muss mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt werden. Das macht die Sache nicht einfacher, denn eine Bewilligung ist für solche Veränderungen unerlässlich.
Die Zukunft des Bestattungsdienstes
Die Mitarbeiter des Bestattungsdienstes stehen nicht nur vor der Herausforderung, ihre Dienstleistungen an einen anderen Ort zu verlagern, sondern müssen auch ein neues, barrierefreies Ladengeschäft in der Innenstadt finden. Das aktuelle Ausweichquartier ist nicht für alle zugänglich – ein Punkt, der in der heutigen Zeit immer wichtiger wird. Um den Hinterbliebenen in diesen schweren Zeiten entgegenzukommen, bieten die Mitarbeiter an, auch ins Trauerhaus zu kommen. Ein wichtiger Schritt, um den Menschen in ihrer Trauer beizustehen und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen.
Die Debatte um die Hebungen und die damit verbundenen Schäden geht weiter. Es bleibt zu hoffen, dass die notwendigen Maßnahmen zur Sanierung und Wiederherstellung schnell und effektiv umgesetzt werden können. So könnten die denkmalgeschützten Gebäude nicht nur erhalten bleiben, sondern vielleicht auch in neuem Glanz erstrahlen.