In der letzten Zeit hat das Thema Tierversuche wieder einmal für rege Diskussionen gesorgt. Ein Vortrags- und Diskussionsabend an der Universität Basel hat genau diesen Nerv getroffen. Hier ging es darum, wie wir Tierleid in der Forschung minimieren können und welche Fortschritte in der Entwicklung alternativer Methoden bereits gemacht wurden. Die Veranstaltung fand im Biozentrum statt und zog zahlreiche Interessierte an.

Professor Primo Leo Schär, Vizerektor für Forschung an der Uni Basel, eröffnete den Abend mit eindringlichen Worten zur gesellschaftlichen und ethischen Relevanz des Themas. Es ist ein Drahtseilakt, den die Forschung hier vollführt – zwischen der Notwendigkeit, medizinische Fortschritte zu erzielen, und dem Bestreben, das Leiden von Tieren zu verringern. Diesen Balanceakt illustriert auch die 3R-Regel: Ersetzen, Verringern, Verbessern. Diese Prinzipien sind seit 1959 in der Diskussion, jedoch bleibt die Umsetzung eine Herausforderung.

Forschung und Ethik im Dialog

Ein spannender Punkt des Abends war das Dabeisein von Nationalrätin Katja Christ. Sie ist Teil einer Subkommission, die eine parlamentarische Initiative zu den 3R-Prinzipien vorbereitet, und äußerte Bedenken, dass eine vollständige Abkehr von Tierversuchen den Forschungsstandort Schweiz gefährden könnte. Eine Überlegung, die nicht aus der Luft gegriffen ist, denn 62% der Tierversuche betreffen die Grundlagenforschung. Hier wird deutlich: Es braucht einen Dialog, um den richtigen Weg zu finden.

Anne Zintzsch, die Tierschutzbeauftragte, machte klar, dass Tierversuche nur dann durchgeführt werden, wenn es wirklich keine Alternativen gibt und der Nutzen dies rechtfertigt. Das ist eine klare Ansage, die auch Professor Herwig Grimm unterstützt. Er leitet ein Projekt zur Förderung des 3R-Prinzips mit 27 laufenden Forschungsprojekten. Hier wird aktiv an Lösungen gearbeitet, um die Zukunft der Forschung tierschonender zu gestalten.

Alternative Methoden auf dem Vormarsch

Professorin Petya Apostolova sprach über die Notwendigkeit von Tierversuchen zur Abbildung menschlicher Krankheitsprozesse. Es gibt einfach noch keine vollwertigen Alternativen, die die Komplexität menschlicher Erkrankungen adäquat abbilden können. Doch auch alternative Methoden nehmen immer mehr Raum ein. Professor Johannes Mosbacher stellte innovative Ansätze vor, wie den Nachbau kleiner Dünndärme und die Nutzung menschlicher Zellen. Lukas Roth von Novartis teilt diese Sichtweise, forscht an entzündlichen Hautkrankheiten, hat aber gleichzeitig Vorbehalte – die Einschränkungen der menschlichen Zellen sind nicht zu unterschätzen.

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Besonders spannend war die Diskussion über die Möglichkeiten von KI-Modellen. Ist es möglich, zukünftige Tierversuche durch Simulationen zu vermeiden? Ein Gedanke, der viele im Publikum zum Nachdenken anregte. Doch nicht alle waren überzeugt; Bedenken hinsichtlich des Vertrauens der Versuchspersonen in neue Methoden wurden laut. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Technologie entwickeln wird und ob wir tatsächlich eine tierversuchsfreie Zukunft erreichen können.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

In der Schweiz regeln strenge Gesetze, dass Tierversuche nur durchgeführt werden dürfen, wenn es keine geeigneten Alternativen gibt. Die 3R-Prinzipien sind dabei das Leitbild: Ersetzen, Reduzieren und Verbessern. Ein nationales Forschungsprogramm, «Advancing 3R – Tiere, Forschung und Gesellschaft», wurde ins Leben gerufen, um die Zahl der Tierversuche zu verringern und die Belastung der Tiere zu minimieren. Das Programm, das im Mai 2022 gestartet ist, läuft über fünf Jahre und zeigt, dass man in der Forschung ernsthaft an einer Wende interessiert ist.

Die internationale Zusammenarbeit spielt ebenfalls eine Rolle. Die BLV arbeitet beispielsweise mit der Universities Federation for Animal Welfare (UFAW) zusammen und organisiert internationale Symposien, um alternative Tötungsmethoden von Versuchstieren zu erforschen. Zudem wurde ein 3R-Kompetenzzentrum gegründet, das nachhaltige Maßnahmen umsetzen soll. Hier kooperieren Bund, Hochschulen und die pharmazeutische Industrie, um die Forschung in diese Richtung voranzutreiben.

Es bleibt also spannend. Der Weg zu einer tierschonenden Forschung ist sicherlich noch weit, doch der Diskussionsabend in Basel hat gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Der Austausch von Ideen und das Streben nach Alternativen sind unerlässlich, um nicht nur den Tierschutz, sondern auch die wissenschaftliche Integrität zu wahren. Ein ausgewogenes Miteinander von Forschung und Ethik ist der Schlüssel zu einer besseren Zukunft.

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