In Baden-Württemberg hat die Polizei Freiburg am Montag zwei technisch veränderte Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen, die offenbar der Poser- und Tuningszene zuzuordnen sind. Die Kontrolle brachte nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern auch eine Vielzahl an schwerwiegenden Mängeln ans Licht. Anzeigen gegen die Fahrer und Fahrzeughalter wurden verfasst, da die Autos keine gültige Betriebserlaubnis besaßen und die Kennzeichen sowie Zulassungsbescheinigungen sichergestellt wurden.

Besonders auffällig war ein Audi SQ5, der mit einem illegalen Soundgenerator ausgestattet war. Dieser Generator imitierte den Klang eines V8-Motors und sorgte dafür, dass das Fahrzeug ein Standgeräusch von 96 Dezibel verursachte – anstatt der zulässigen 75 Dezibel. Laut Polizei entspricht diese Geräuschbelastung der eines Presslufthammers. Ein weiteres Fahrzeug, ein BMW-Coupé, wies mehr als zwölf erhebliche Mängel auf, darunter stark beschädigte Hinterreifen, die 12 bis 13 Jahre alt waren und Risse aufwiesen. Auch die manipulierte Abgasanlage des BMW, die die Schalldämpfung außer Kraft setzte, fiel den Beamten auf. Diese Mängel deuten auf systematische Umbauten hin, die sowohl die Sicherheit als auch die geltenden Vorschriften ignorieren.

Die Schattenseite des Tunings

Die Problematik des Tunings und der damit verbundenen Lärmbelastung ist nicht neu. Autohersteller nutzen Klappen-Auspuffanlagen und Soundgeneratoren, um Motorengeräusche zu verstärken. So macht beispielsweise der Audi Q7 ein leises Dieselfahrzeug durch solche Technologien lauter. Während die Hersteller zwar gesetzliche Vorgaben einhalten, können Fahrzeug-Eigentümer nachträgliche Manipulationen vornehmen, um noch mehr aus ihren Fahrzeugen herauszuholen. Audi selbst erklärt, dass sie Missbrauch erschweren, jedoch nicht vollständig verhindern können. Die Antwort von BMW und Mercedes auf Anfragen zur Verhinderung solcher Manipulationen blieb aus.

Die Folgen dieser Lärmbelästigung sind nicht zu unterschätzen. Laut dem Umweltbundesamt fühlen sich 75% der Befragten durch den Straßenverkehr gestört. Prof. Dr. Thomas Münzel fordert daher gesetzliche Maßnahmen zur Verhinderung von Soundmanipulationen aus gesundheitlichen Gründen. Lärm kann Stressreaktionen auslösen und langfristige Gesundheitsrisiken, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, begünstigen. Besonders besorgniserregend ist die Nachrüstindustrie, die Einbausätze zur Fernsteuerung von Klappen-Auspuffanlagen und Soundgeneratoren anbietet. Der Handel mit diesen Einbausätzen ist zwar legal, doch ihr Einsatz auf deutschen Straßen ist verboten.

Ein Blick in die Zukunft

In Hamburg ist die Polizei regelmäßig auf der Suche nach solchen illegalen Einbausätzen. Beamte der Einsatzgruppe „Autoposer“ finden in Fahrzeugen immer wieder diese Manipulationsmittel. Lautstärkemessungen ergaben Werte zwischen 97 und über 130 Dezibel bei sichergestellten Fahrzeugen. Dies stellt nicht nur eine erhebliche Störung der öffentlichen Ruhe dar, sondern auch ein Risiko für die Gesundheit aller Verkehrsteilnehmer.

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Die Thematik ist komplex und erfordert dringenden Handlungsbedarf. Weitere Informationen werden in der NDR-Sendung „Die Tricks rund ums Auto“ am 28. April 2025 aufgearbeitet. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen die notwendigen Schritte unternehmen, um die Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.