Vom Tullabad zum Exotenhaus: Karlsruhes vergessene Geschichten entdecken
Karlsruhe ist immer für eine Überraschung gut, und das gilt besonders für die Geschichte des Tullabads, das einst als eines der modernsten Hallenbäder Deutschlands galt. Wer hätte gedacht, dass dieser Ort, der mehr als 700.000 Besucher pro Jahr anzog, heute ein Exotenhaus im Zoologischen Stadtgarten beherbergt? Gegründet wurde das Tullabad zu Ehren des Ingenieurs Johann Gottfried Tulla, und es war nicht nur ein Schwimmbad, sondern auch ein Schauplatz für nationale und internationale Wassersportwettkämpfe. Der Besucherrekord aus dem Jahr 1964 ist mit rund 773.000 Badegästen bis heute unübertroffen. Doch mit der Eröffnung neuer Freizeitbäder in den folgenden Jahrzehnten sank die Zahl der Badegäste, und 2008 wurde das Tullabad schließlich geschlossen.
Jetzt wird die Geschichte dieses bemerkenswerten Ortes mit einer neuen Sonderausstellung im Stadtmuseum lebendig: „Lost Places in Karlsruhe. Fotografien von Harald Wacker“. Diese Ausstellung, die vom 4. Juli 2026 bis zum 7. Februar 2027 zu sehen ist, thematisiert nicht nur das Tullabad, sondern auch andere vergessene oder umgenutzte Orte in Karlsruhe. Der Fotograf Harald Wacker hat es sich zur Aufgabe gemacht, die urbane Architektur im Wandel und die Ästhetik dieser Orte festzuhalten. Die ausgestellten Fotografien sind nicht nur beeindruckend, sie erzählen auch Geschichten – Geschichten von Orten, die es nicht mehr gibt.
Ein Blick in die Vergangenheit
Besucher der Ausstellung können sich auf eine faszinierende Zeitreise begeben. Im Stadtmuseum sind nicht nur die Fotografien des Tullabads vor dem Umbau zum Exotenhaus zu sehen, sondern auch ausgewählte Objekte aus der Sammlung des Museums, die mit diesen Orten verbunden sind. Darunter Kosmetikartikel aus der Seifenfabrik F. Wolff & Sohn oder Fleischerhaken aus dem Alten Schlachthof – all diese Dinge geben Einblicke in den Alltag vergangener Zeiten. Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr diese Objekte Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben.
Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist das Escape Game „Der letzte Badetag“, das die Geschichte des Tullabads auf spielerische Weise erlebbar macht. Mit einer Dauer von etwa 40 Minuten ist es sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen geeignet. Jugendliche dürfen nur in Begleitung Erwachsener teilnehmen, und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Das klingt nach Spaß! Wer hätte gedacht, dass man beim Spielen so viel über die Geschichte eines der bekanntesten Freibäder in Karlsruhe erfahren kann?
Karlsruhe im Wandel der Zeit
Die Geschichte von Karlsruhe selbst ist eine spannende Erzählung. Die Stadt wurde am 12. Januar 1711 gegründet und entwickelte sich schnell zu einer bedeutenden Hofstadt. Der Markgraf Karl Wilhelm von Baden legte 1715 den Grundstein für das Schloss, das den strahlenförmigen Grundriss der Stadt prägt. Über die Jahrhunderte hinweg erlebte Karlsruhe Höhen und Tiefen – vom Aufstieg zur Residenzstadt bis hin zu den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Trotz der Herausforderungen hat sich die Stadt immer wieder neu erfunden, zuletzt mit der Ansiedlung des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts in den 1950er Jahren.
Heute ist Karlsruhe nicht nur für seine Geschichte, sondern auch für seine lebendige Kultur und die zahlreichen Freizeitmöglichkeiten bekannt. Das Tullabad, das einst ein Ort der Erholung und des Sports war, hat nun eine neue Bestimmung gefunden und bereichert das Angebot des Zoologischen Stadtgartens. Die Ausstellung im Stadtmuseum ist ein weiterer Baustein, um die Geschichte und die Veränderungen in Karlsruhe zu illustrieren. Also, auf ins Stadtmuseum – vielleicht entdecken Sie ja das ein oder andere „lost place“ in Ihrer eigenen Stadt!
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