Vermisste Patienten im Maßregelvollzug: Ein besorgniserregender Trend in Emmendingen
Heute ist der 11.06.2026 und die Situation rund um das Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen sorgt für Aufregung. Ein 48-jähriger Mann namens Ninos D. wird seit Samstagabend als vermisst gemeldet. Er hatte sich während eines genehmigten Freigangs nicht wie geplant in die Klinik zurückgemeldet. Dies ist nicht das erste Mal, dass Patienten aus dieser Einrichtung verschwinden, was die Polizei und die Klinikleitung gleichermaßen besorgt. Ninos D. ist schlank, etwa 1,70 Meter groß, hat einen schwarzen Haarkranz und einen Vollbart – eine größere Brandnarbe am Hinterkopf macht ihn zudem leicht erkennbar. Die Fahndungsmaßnahmen an bekannten Aufenthaltsorten in Offenburg und Radolfzell blieben bisher leider erfolglos.
Der Mann war seit August 2025 in der Klinik untergebracht, nachdem er wegen Raub- und Eigentumsdelikten verurteilt worden war. Diese Art von Unterbringung erfolgt im Rahmen des Maßregelvollzugs, der vor allem für Straftäter gedacht ist, die aufgrund psychischer Erkrankungen als vermindert schuldfähig gelten. Chefarzt Franz Xaver Regel betont, dass der Freigang ein wichtiger Bestandteil der Resozialisierung ist. Die Patienten haben nach einer gewissen Zeit ein Recht darauf, aber die Rückkehr nach solchen Ausflügen scheint insgesamt eher rar zu sein.
Ein besorgniserregender Trend
Die Flucht von Ninos D. reiht sich in eine besorgniserregende Serie von Vorfällen ein. Bereits zwischen Ende April und Anfang Juni 2026 sind mehrere Patienten nach genehmigtem Freigang verschwunden. Laut Polizei besteht von diesen Flüchtigen eine „potenzielle Gefahr“. Ein 26-Jähriger, der ebenfalls am 1. Mai floh, ist wegen versuchtem Totschlag verurteilt worden und gilt als gefährlich. Ein anderer Flüchtiger wurde in Paris gefasst, während ein weiterer sich ins Ausland absetzte. Es sind nicht nur die aktuellen Vorfälle, die Sorgen bereiten; seit 2021 sind bereits fünf weitere Patienten nach einem Freigang verschwunden und nicht zurückgekehrt. Das lässt einen schon nachdenklich werden, oder?
Die Gründe für diese Fluchtbewegungen sind vielschichtig. Chefarzt Regel erklärte, dass das Klinikpersonal gemeinsam entscheidet, ob Patienten für den Freigang bereit sind. Das klingt zunächst nach einem durchdachten Prozess, aber die Realität sieht anders aus. Der Druck auf die Kliniken wächst. Über 13.000 Menschen sind in mehr als 70 Kliniken im Maßregelvollzug untergebracht, und die steigenden Patientenzahlen, gepaart mit komplexeren Krankheitsbildern, stellen das System vor immense Herausforderungen. Fast alle Bundesländer sprechen von Überbelegung, und in einigen Einrichtungen werden Patientenzimmer sogar als Gemeinschaftsräume genutzt, was die Situation zusätzlich verschärft.
Herausforderungen im Maßregelvollzug
Die Probleme sind nicht nur strukturell, sondern auch personell. Mangel an Pflegekräften und Therapeuten ist weit verbreitet. In Schleswig-Holstein waren fast 60% der ärztlichen Stellen unbesetzt, und das hat direkte Auswirkungen auf die therapeutischen Angebote. Die Gefahr von Rückfällen könnte steigen, da Patienten keinen Zugang mehr zu ihren Medikamenten haben. Die Klinikleitung hat zwar nach den Vorfällen die laufenden Lockerungen überprüft, aber eine Rücknahme wurde nicht vorgenommen. Elektronische Fußfesseln oder andere Maßnahmen, die die Sicherheit erhöhen könnten, wurden ebenfalls ausgeschlossen. Irgendwie stellt man sich die Frage, wie lange das gut gehen kann.
Die Situation um Ninos D. und die anderen vermissten Patienten wirft viele Fragen auf. Der Maßregelvollzug scheint an seine Grenzen zu stoßen, während die betroffenen Menschen, die oft unter schweren psychischen Erkrankungen leiden, nicht die notwendige Behandlung erhalten. Und das alles in einem System, das eigentlich helfen sollte. Es bleibt abzuwarten, wie die Behörden und die Klinik auf die aktuelle Lage reagieren und ob Maßnahmen ergriffen werden, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
