Flensburg, eine Stadt, die tief im maritimen Erbe verwurzelt ist, feiert in diesem Jahr ein bemerkenswertes Jubiläum: Die Fördeschifffahrt wird 160 Jahre alt. Der Auftakt dieser glorreichen Epoche fand am 1. Mai 1866 mit der Premiere des Dampfschiffs „Seemöve“ statt. Ein Ereignis, das jedoch von einem Missgeschick überschattet wurde: Die Anlegebrücke in Egernsund brach während des feierlichen Ereignisses zusammen. Trotz dieses unglücklichen Vorfalls wurde die „Vereinigte Flensburg-Ekensunder & Sonderburger Dampfschiff-Gesellschaft“ gegründet, die schnell zu einem der größten Schiffsnahverkehre an der Ostsee aufstieg.
Die Blütezeit der Fördeschifffahrt ereignete sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch die politische Landschaft änderte sich 1920, als eine Volksabstimmung zur Rückgabe Nordschleswigs an Dänemark führte, was die Reederei stark beeinträchtigte. In der Folge wurde die „Vereinigte“ 1935 liquidiert, und ein Großteil der Flotte wurde abgerissen. Dennoch gab es Hoffnung: Flensburger Kaufleute gründeten die Förde-Reederei und übernahmen Dampfer wie „Habicht“, „Albatros“ und „Alexandra“. Die Geschicke der Schifffahrt nahmen jedoch erneut eine Wendung mit dem Zweiten Weltkrieg, der weitere Rückschläge mit sich brachte.
Aufschwung und Tragödien
Die 1950er Jahre brachten eine neue Idee: der zollfreie Einkauf. Dies führte zu einem Aufschwung der Fördeschifffahrt und einer hohen Nachfrage nach Fahrten nach Kollund, Gravenstein und Sonderborg. Doch das Schicksal war nicht gnädig. Der tragische Untergang der „Habicht“ im Jahr 1957 war ein herber Verlust, gefolgt von Neubauten wie der „Glücksburg“ und weiteren Schiffen. Das 100-jährige Jubiläum der Fördeschifffahrt wurde 1966 feierlich begangen, doch die Herausforderungen blieben nicht aus.
Ein einschneidendes Ereignis kam im Jahr 1999 mit dem EU-Verbot der „Butterfahrten“, das nicht nur den Verlust eines wichtigen Geschäftsmodells bedeutete, sondern auch zahlreiche Arbeitsplatzverluste und eine Umverlagerung von Schiffen zur Folge hatte. Ehemalige Butterschiffe wie die „Apollo“, die 1970 in Papenburg gebaut wurde, und die „Stella Scarlett“, die mittlerweile verschrottet wurde, sind nur einige Beispiele dieser Entwicklung. Noch heute sind nur wenige Fördeschiffe im Betrieb, darunter die „Alexandra“ und „Feodora II“.
Ein Erbe in Gefahr
Kay von Eitzen, ein engagierter Verfechter des maritimen Erbes, äußert Bedauern über die geringe Würdigung des 160-jährigen Jubiläums der Fördeschifffahrt. In einer Zeit, in der das maritime Erbe oft in den Hintergrund gedrängt wird, ist es von größter Wichtigkeit, sich auf die Wurzeln dieser Tradition zu besinnen. Der Verlust der Butterfahrten hat nicht nur die Schifffahrt in der Region verändert, sondern auch das kulturelle Gedächtnis, das mit diesen Fahrten verbunden war.
Die Fördeschifffahrt hat eine bewegte Geschichte voller Höhen und Tiefen, tragischer Ereignisse und glanzvoller Momente. Sie ist ein Spiegelbild der wechselvollen Geschichte Flensburgs und der Region. Der Blick zurück ist nicht nur eine Hommage an die Vergangenheit, sondern auch ein Aufruf, die maritime Tradition für zukünftige Generationen zu bewahren.