Im Kreis Germersheim wird seit April 2021 ein ehrgeiziges Vorhaben umgesetzt: Die Jagd auf den invasiven Nordamerikanischen Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus) hat begonnen, um die heimische Artenvielfalt zu schützen. Dieser imposante Frosch kann bis zu 20 Zentimeter groß werden und hat eine Rückenfarbe, die von olivgrün über grau bis bräunlich variiert und mit unregelmäßigen dunklen Flecken geschmückt ist. Doch sein markantester Zug ist das laute Gebrüll, das bis zu zwei Kilometer weit zu hören ist und tatsächlich wie das Rufen eines Ochsen klingt.
Die Jagd auf den Ochsenfrosch wird mittlerweile in der sechsten Saison durchgeführt, mit dem langfristigen Ziel, die Art in der Pfalz auszurotten. Aktuell sind sechs bis acht Jägerteams aktiv, die von April bis September im Einsatz sind. Unterstützt werden sie dabei von Anglern, Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der Ortsgemeinden. Die Jagd erfolgt vor allem nachts, wenn der Ochsenfrosch besonders aktiv ist. Geschlechtsreife Tiere werden gezielt mit Schusswaffen erlegt, während Larven und Jungtiere mit Keschern und Reusen gefangen werden.
Erste Erfolge und Herausforderungen
Aktuell leben schätzungsweise rund 5.600 Ochsenfrösche im Kreis Germersheim, wobei der Großteil dieser Population aus Kaulquappen besteht. Im Jahr 2025 konnten bereits knapp 24.000 Tiere erfolgreich beseitigt werden. Trotz dieser Fortschritte ist die Gefährdung der heimischen Artenvielfalt durch den Ochsenfrosch weiterhin ein ernstes Problem, da natürliche Fressfeinde wie Krokodile oder Schlangen im Kreis Germersheim fehlen. Weibchen legen, beeindruckenderweise, bis zu 25.000 Eier pro Jahr ab und vermehren sich in etwa sechs Gewässern der Region.
Die ersten Erfolge der Jagd sind bereits sichtbar: Die Anzahl der Gewässer, in denen Ochsenfrösche vorkommen, nimmt ab. Dennoch wird betont, dass weitere Bekämpfungen notwendig sein werden, um das Ziel einer vollständigen Ausrottung zu erreichen – und das wird mindestens noch fünf Jahre in Anspruch nehmen.
Invasive Arten und ihre Folgen
Invasive Arten, wie der Nordamerikanische Ochsenfrosch, haben weitreichende Folgen für die heimischen Ökosysteme. Laut dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) sind 60% aller Ausrottungen auf invasive Arten zurückzuführen. Menschliche Aktivitäten und der Klimawandel begünstigen die Einschleppung solcher Arten, was gesundheitliche Probleme und ökonomische Schäden zur Folge haben kann. In Deutschland gibt es eine EU-Liste mit 47 invasiven gebietsfremden Tierarten, die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) erstellt wurde.
Der Ochsenfrosch gehört zu den Top Ten der invasiven Tiere in Deutschland, neben anderen wie dem Waschbär, dem Signalkrebs oder der Asiatischen Hornisse. Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Arten sind bereits in Kraft, darunter eine EU-Verordnung von 2015, die den Handel, Transport und die Freisetzung invasiver Arten reguliert.
Die Situation um den Nordamerikanischen Ochsenfrosch zeigt eindrücklich, wie wichtig es ist, invasive Arten zu bekämpfen, um die heimische Biodiversität zu schützen. Es bleibt zu hoffen, dass die laufenden Bemühungen in Germersheim auch in Zukunft Früchte tragen und die Artenvielfalt der Region bewahrt werden kann.