Die Ahrtalbahn ist auf dem Weg zurück, doch für den kleinen Ort Marienthal gibt es nach wie vor große Herausforderungen im öffentlichen Nahverkehr. Nach der verheerenden Flutkatastrophe ist der ÖPNV in Marienthal, einem Ortsteil der Gemeinde Dernau, stark eingeschränkt. Der morgendliche und mittägliche Schulbus ist die einzige verbleibende Verbindung, während an Wochenenden, Feiertagen und in den Schulferien der gesamte öffentliche Verkehr zum Stillstand kommt.
Besucher des charmanten Marienthal, bekannt für seine Gaststätten und Weinlokale, müssen ihre Weine und Getränke über einen Kilometer bis zum Bahnhof Dernau transportieren, wenn sie den ÖPNV in Anspruch nehmen wollen. Diese Abhängigkeit vom Auto führt zu einem Anstieg des PKW-Verkehrs, was wiederum problematisch für die Infrastruktur des kleinen Dorfes ist. Rolf Schmitt, der Vorsitzende des Vereins Hochwasserhilfe Marienthal, hatte auf eine Reaktivierung des Bahnhalts gehofft, der bereits bis in die 1960er Jahre existierte. Leider konnte SPNV Nord einen Haltepunkt in Marienthal nicht einplanen, da kein direkter Flutschaden vorlag. Allerdings hat SPNV Nord mittlerweile bestätigt, dass ein Haltepunkt wirtschaftlich betrieben werden könnte.
Tourismus und Verkehrsanbindung
Der Bürgermeister von Dernau, Dominik Gieler (CDU), unterstützt die Idee, einen Haltepunkt in Marienthal zu reaktivieren. Die Argumente sind klar: Die touristische Bedeutung des Ortes und die Entlastung des PKW-Verkehrs sprechen für sich. Dennoch gestaltet sich die Realisierung aufgrund der komplexen Planungs- und Genehmigungsverfahren als langwierig und könnte mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Aktuell kämpft Marienthal um einen Anschluss an das Busnetz des Kreises Ahrweiler. Die Zahl der Busverbindungen ist seit der Flutkatastrophe stark gesunken; aktuell halten weniger Busse als zuvor. Täglich nutzen 269 Fahrzeuge die enge Straße des Dorfes, eine Zahl, die von der Kreisverwaltung jedoch nicht anerkannt wird. Um auf die missliche Lage aufmerksam zu machen, hat Schmitt eine Unterschriftensammlung mit dem Titel „Pro Bus-Halt Marienthal“ gestartet, deren Ergebnisse am 13. Mai an Landrätin Cornelia Weigand übergeben werden sollen.
Die Ahrtalbahn im Wiederaufbau
Die Ahrtalbahn selbst wird Mitte Dezember 2023 wieder in Betrieb genommen. Alle zehn von der Flut zerstörten Stationen wurden entweder neu gebaut oder umfangreich saniert. Die Bahnlinie von Remagen bis Ahrbrück ist nun weitgehend barrierefrei, mit modernen Wetterschutzhäusern und dynamischen Schriftanzeigern. Diese Verbesserungen sind Teil eines neuen Konzepts zur Förderung der regionalen Identität, das in Zusammenarbeit mit SPNV Nord und Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. entstanden ist.
Die geplante Elektrifizierung der Ahrstrecke zwischen Walporzheim und Ahrbrück ist ebenfalls ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Trotz der Fortschritte bleibt die Anbindung des kleinen Ortes Marienthal eine Herausforderung, die durch unzureichende Erreichbarkeit der Bahn und touristische Bedeutung kompliziert wird. Die Entscheidung über einen Haltepunkt hängt von weiteren Prüfungen und Abstimmungen mit dem Ministerium ab, während die Kommunen voraussichtlich selbst Zuschüsse zu den Baukosten leisten müssen.
Die Situation in Marienthal ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Herausforderungen, mit denen viele ländliche Gebiete konfrontiert sind. Es bleibt abzuwarten, ob die Bemühungen um eine bessere Anbindung Früchte tragen und die Bewohner sowie die zahlreichen Touristen, die Marienthal besuchen, bald von einem funktionierenden ÖPNV profitieren können.