Am 24. April 2026 fand der zweite Vortrag im Jahresprogramm des Bergischen Geschichtsvereins Radevormwald statt, der sich mit einer dunklen und doch lehrreichen Episode der deutschen Geschichte befasste. Unter dem Titel „Wer Geschichte verstehen will, muss seine Familiengeschichte kennen“ beleuchtete Dipl. Soz. Wiss. Petra Hafele die Familiengeschichte der Erlemanns während des Nationalsozialismus. Der Vortrag zog zahlreiche Zuhörer an, darunter auch Nachfahren der Familie Erlemann, die sich in der Aula des Bürgerhauses im Mehrzweckraum versammelten.

Die Geschichte der Familie Erlemann ist tief verwurzelt in der Region und reicht bis zu Carl Erlemann, einem Schlossmacher, der 1860 geboren wurde und eine Schmiedewerkstatt in Radevormwald-Obernhof betrieb. Carl war ein Sozialist und ein aktives Mitglied der SPD, was in ländlichen Gegenden jener Zeit eine Seltenheit darstellte. Mit seiner Frau und neun Kindern lebte er für soziale Gerechtigkeit, politische Teilhabe und Solidarität, Werte, die auch seine Nachkommen prägten.

Das Martyrium der Erlemanns

Der Vortrag von Petra Hafele beleuchtete die grausame Verfolgung, die die Familie Erlemann während der NS-Zeit erlitten hat. Hugo Erlemann, der als KPD-Mitglied aktiv war, wurde sofort nach der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 verhaftet, gefoltert und ins Konzentrationslager Kemna gebracht. Gemeinsam mit seinen Brüdern Karl und Ewald erlebte er die Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur. Karl, der ebenfalls verhaftet wurde, berichtete Hugo von den grausamen Folterungen, die er durch die Wärter erleiden musste. Tragischerweise starb Karl am 9. Januar 1934 an den Folgen seiner Folter.

Hugo Erlemann, trotz aller Grausamkeiten, überlebte die KZ-Zeit und engagierte sich nach dem Krieg politisch, unter anderem im Rat der Stadt und im Ausschuss für Entnazifizierung. Seine politischen Aktivitäten wurden jedoch nach dem Verbot der KPD eingestellt. Er äußerte einmal: „Man kann nie eine Gesinnung aus einem Menschen rausschlagen, man schlägt sie nur hinein.“ Dies verdeutlicht die Resilienz und den ungebrochenen Willen der Erlemanns, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Ein eindrucksvoller Vortrag

Der Vortrag von Petra Hafele war nicht nur informativ, sondern auch emotional berührend. Eine Tonbandaufnahme aus der Zeit nach dem Krieg, die während des Vortrags abgespielt wurde, erweckte die Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse der Familie Erlemann zum Leben. Es war ein eindringliches Mahnmal, das die Zuhörer zum Nachdenken anregte und die Schrecken der NS-Diktatur sowie die persönlichen Schicksale in Radevormwald verdeutlichte.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Für alle, die sich für die Geschichte Radevormwalds interessieren, ist die neue Publikation des Jubiläumsbuchs „700 Jahre Radevormwald 1316-2016“ von großem Interesse. In der erweiterte zweite Auflage sind zahlreiche Informationen und Bilder enthalten, die die Lokalgeschichte lebendig werden lassen. Das Buch ist zu einem Preis von 20,00 € in der Bergischen Buchhandlung Radevormwald sowie direkt beim Bergischen Geschichtsverein erhältlich. Bestellungen können einfach per E-Mail an mail@bgv-radevormwald.de erfolgen.

Die intensive Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte der Erlemanns bietet nicht nur Einblicke in die individuelle Leidensgeschichte, sondern erinnert uns auch an die Wichtigkeit, die Geschichte nicht zu vergessen und die Lehren daraus zu ziehen. Geschichtsbewusstsein entsteht nicht nur durch das Studium der großen Ereignisse, sondern auch durch das Verständnis der kleinen Geschichten, die uns als Gesellschaft prägen.