Das Thema Autismus hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, und auch hier in Heinsberg ist dies nicht anders. Schätzungen zufolge betrifft Autismus einen von 100 Menschen, was die Notwendigkeit unterstreicht, diese Thematik in der Öffentlichkeit stärker zu beleuchten. Die Fallzahlen in der Autismustherapie beim Jugendamt des Kreises Heinsberg haben sich in den letzten drei Jahren nahezu verdoppelt. Lars Kappertz, der stellvertretende Amtsleiter, hebt hervor, dass die verbesserte Diagnostik von Autismus einen wichtigen Schritt für Betroffene darstellt.

Die Lebenshilfe Heinsberg spielt seit 60 Jahren eine zentrale Rolle in der gesellschaftlichen Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen. Besonders Menschen mit Autismus oder geistiger Behinderung stehen oft vor der Herausforderung, sich verbal auszudrücken. Das Konzept der Unterstützten Kommunikation (UK) wurde daher entwickelt, um diesen Menschen zu helfen, ihre Bedürfnisse und Gefühle adäquat zu kommunizieren. Hierbei kommen individuelle Kommunikationshilfen wie Bilder und Symbole zum Einsatz, die je nach Bedarf unterschiedlich verwendet werden.

Unterstützte Kommunikation – Ein Weg zur Teilhabe

Carmen Rodriguez, Logopädin bei der Lebenshilfe, macht auf die Herausforderungen aufmerksam, die durch die Vielzahl an unterschiedlichen Kommunikationssystemen und die oft mangelnde Kontinuität entstehen. Um dem entgegenzuwirken, hat die Lebenshilfe Heinsberg einen Fachdienst für Unterstützte Kommunikation ins Leben gerufen, der durch die Aktion Mensch gefördert wird. Dieser Dienst richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus oder geistiger Behinderung sowie deren Familien und Fachkräfte.

Der Ansatz dieses Fachdienstes umfasst nicht nur individuelle Diagnostik und Förderpläne, sondern auch die Bereitstellung geeigneter Kommunikationshilfsmittel. Unterstützende Maßnahmen beinhalten therapeutische und pädagogische Unterstützung sowie Alltagsberatung. Stefanie Heinen-Gransch ist maßgeblich am Aufbau des neuen Fachdienstes beteiligt. Ein Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung einheitlicher Standards für die Unterstützte Kommunikation.

Vielfalt der Kommunikationsformen

Menschen ohne oder mit geringer Lautsprache sind auf alternative Kommunikationskanäle angewiesen, die vielfältige Formen annehmen können. Wichtige körpereigene Kommunikationsformen wie Atmung, Muskeltonus, Mimik, Gestik und Gebärden spielen hierbei eine ebenso große Rolle wie körperfremde Kommunikationsmittel wie Bilder, Fotos, Piktogramme und Gegenstände. Elektronische Geräte wie Taster, Talker und Tablets ergänzen die Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation.

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Die Ziele dieser Kommunikationsform sind vielschichtig: Sie sollen die individuelle Kommunikation erweitern, Handlungen und Gegenstände anfordern, Fragen stellen und beantworten sowie Meinungen und Gefühle äußern. Ein frühzeitiger Beginn mit Unterstützter Kommunikation ist entscheidend, um frustrierende Erfahrungen zu vermeiden und das Selbstbewusstsein der Betroffenen zu stärken. Dabei ist es wichtig, alle Kommunikationspartner – Eltern, Angehörige, Schulfreunde, Lehrer und Therapeuten – in den Prozess einzubeziehen.

Ein zentraler Anlaufpunkt in Heinsberg

Ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Unterstützten Kommunikation ist die geplante Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung an der Parkstraße 26 in Oberbruch. Hier sollen umfassende Beratungen angeboten werden, um interessierte Angehörige und Fachkräfte zu unterstützen. Diese Anlaufstelle wird ein Ort sein, an dem die verschiedenen Kommunikationshilfen und -strategien erlernt und erprobt werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lebenshilfe Heinsberg mit ihrem Fachdienst für Unterstützte Kommunikation einen wichtigen Beitrag zur Inklusion und zur Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten von Menschen mit Autismus und geistiger Behinderung leistet. Es bleibt zu hoffen, dass die Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema sensibilisiert wird und die notwendige Unterstützung bereitgestellt wird, damit jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich auszudrücken und gehört zu werden.