In einem aufsehenerregenden Prozess, der am Landgericht Verden stattfindet, wird Daniela Klette von der Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes und acht Raubüberfällen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Jahren für die 47-Jährige, die zwischen 1999 und 2016 gemeinsam mit Komplizen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein Geldtransporter sowie Kassenbüros überfallen haben soll. Klette wird als Serientäterin eingestuft und ihr wird eine zentrale Rolle bei den Taten zugeschrieben.
Bei den Überfällen soll Klette nicht nur die Pläne geschmiedet haben, sondern auch aktiv mit Waffen gedroht und das Fluchtauto gesteuert haben. Besonders schwer wiegt der Vorwurf des versuchten Mordes, der sich auf einen Überfall in Stuhr am 6. Juni 2015 bezieht, bei dem Schüsse auf einen Geldtransporter abgegeben wurden. Glücklicherweise blieben die Geldboten unverletzt, während die Täter ohne Beute flüchteten. Dennoch hat die Staatsanwaltschaft für diesen Überfall eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren beantragt und widerspricht einem rechtlichen Hinweis des Gerichts, der den Vorfall als fehlgeschlagenen Mordversuch wertete.
Die Überfälle und ihre Folgen
Ein weiterer gescheiterter Überfall in Wolfsburg am 28. Dezember 2015 könnte Klette ebenfalls 12 Jahre Haft einbringen. Für sechs weitere Überfälle werden Einzelfreiheitsstrafen zwischen 8 und 11 Jahren beantragt. Insgesamt wird von einem Schaden von rund 2,7 Millionen Euro ausgegangen. Die 24 Opfer der Straftaten leiden noch heute unter den Folgen der Überfälle, die nicht im Zusammenhang mit der RAF stehen. Klette habe mit dem erbeuteten Geld ihr Leben im Untergrund finanziert.
Die Staatsanwältin Marquardt fordert, dass Klette bis zur rechtskräftigen Verurteilung in Untersuchungshaft bleibt. Ein weiteres Verfahren gegen sie, das sich auf ihre mutmaßliche Beteiligung an RAF-Anschlägen in den 90er-Jahren bezieht, steht noch aus. Der Prozess zieht sich mittlerweile über ein Jahr und findet in einer umfunktionierten Reithalle statt, was die ungewöhnliche Situation des Verfahrens unterstreicht. Die Schlussvorträge der Verteidigung sind für den 12. und 13. Mai angesetzt, wobei der Verteidiger die Anklage als „politische Justiz“ kritisiert.
Kriminalstatistik im Kontext
Im weiteren Kontext ist interessant, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 einen Rückgang der Gesamtkriminalität um 5,6 % im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Mit 5.508.559 registrierten Fällen zeigt sich ein allgemeiner Trend, insbesondere bei Raubdelikten, die in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Dennoch bleibt die Gewaltkriminalität ein ernstzunehmendes Thema, mit 212.335 Fällen, was einen Rückgang um 2,3 % bedeutet.
Die Aufklärungsquote liegt stabil bei 57,9 %, doch die Tendenz zu einem Anstieg bei Sexualdelikten und Wohnungseinbruchdiebstahl ist nicht zu übersehen. Während die Statistiken einen Rückgang bei den Delikten zeigen, verlagern sich Betrugsdelikte zunehmend ins Digitale und ins Ausland, was die Sicherheitslage komplexer macht. Die aktuelle Lage verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen die Strafverfolgungsbehörden stehen, während sie gleichzeitig die Sicherheit der Bürger gewährleisten müssen.