Die Luft ist frisch und der Tag hält neue Nachrichten für uns bereit. In einer bahnbrechenden Entscheidung hat der bayerische Ministerrat unter der Leitung von Innenminister Joachim Herrmann beschlossen, dass fünf RTH-Standorte in Bayern und der angrenzenden Grenzregion zu Österreich eine Randzeitenerweiterung erhalten. Diese Maßnahme ist das Ergebnis eines Gutachtens des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement und wird sicherstellen, dass die Versorgung in den Winter- und Sommermonaten verbessert wird.
Betroffen von dieser Erweiterung sind die Standorte Christoph 20 in Bayreuth, Christoph 18 in Ochsenfurt, Christoph 32 in Ingolstadt, Christoph 17 in Kempten sowie Christophorus Europa 3 in Suben/Oberösterreich. Die Betriebszeiten der RTH werden nun in den Wintermonaten bis 20:15 Uhr und in den Sommermonaten bis 21:45 Uhr ausgeweitet. Diese Entscheidung ist besonders wichtig, da die bisherigen Dienstzeiten in den Wintermonaten aufgrund der Tageslichtverhältnisse recht kurz waren, obwohl das Einsatzaufkommen nach Sonnenuntergang weiterhin hoch bleibt.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Die Umsetzung dieser Maßnahme erfolgt im Ein-Schicht-Betrieb, der als wirtschaftlichste Lösung angesehen wird. Es besteht ein Einsatzpotenzial bis 22 Uhr, wobei der Bedarf in den späteren Nachtstunden geringer eingeschätzt wird. In Nürnberg, Regensburg und München stehen bereits drei bayerische Intensivtransporthubschrauber (ITH) bereit, die eine 24-Stunden-Bereitschaft abdecken. Diese neuen Regelungen werden nun in den Zweckverbänden für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung implementiert. Nach der Umsetzung wird es eine Evaluation geben, um die Möglichkeit einer Randzeitenerweiterung an weiteren Standorten zu prüfen.
Diese Entscheidung könnte nicht passender kommen, wenn man die allgemeine Entwicklung im deutschen Rettungsdienst betrachtet. Im Jahr 2013 gab es bereits 6.405.222 Notarzteinsätze in Deutschland, was bis 2023 einer Zunahme von fast 22 Prozent entspricht. Laut dem Deutschen Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) sind jedoch nur 10 bis 15 Prozent dieser Einsätze tatsächlich gerechtfertigt. Dies zeigt deutlich, dass es keine verbindliche Definition für medizinisch notwendige Notrufe gibt und dass die Notfallambulanzen oft mit Patienten überlastet sind, die keine schweren Notfälle darstellen.
Ein wachsendes Problem
Im Jahr 2023 arbeiteten rund 89.000 Menschen im Rettungsdienst, was einem Anstieg von fast 68 Prozent im Vergleich zu 2013 entspricht. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen auf fast 6,1 Millionen, ein Plus von gut 17 Prozent. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit, die Ressourcen im Rettungsdienst effizienter zu nutzen und die Notfallversorgung zu optimieren.
In deutschen Kliniken wurden im Jahr 2023 rund 12,4 Millionen ambulante Notfälle behandelt, der höchste Wert seit Beginn der Erfassung im Jahr 2018. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Notaufnahmen oft als Auffangbecken für Versorgungsprobleme in der vertragsärztlichen Versorgung fungieren, insbesondere während der sprechstundenfreien Zeiten der Vertragsärzte am Abend und an Wochenenden.
Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Regelungen in Bayern nicht nur die Effizienz im Rettungsdienst erhöhen, sondern auch dazu beitragen, die Patientenversorgung in den betreffenden Regionen zu verbessern. Die Entwicklungen sind ein Schritt in die richtige Richtung und könnten dazu führen, dass die Menschen in den betroffenen Gebieten sicherer und schneller die notwendige medizinische Hilfe erhalten.