In einem charmanten Vorfall aus dem Landkreis Erding steht ein ganz besonderer Maibaum im Mittelpunkt, der eine Reise nach Rom antreten sollte. Der stolze Baum, der aus dem Oberdinger Ortsteil Schwaig stammt, wird von Kardinal Reinhard Marx aus seinem Privatvermögen gestiftet, um bayerische Traditionen in die ewige Stadt zu bringen. Mit einer Höhe von 15 Metern ist er kleiner als die üblichen bayerischen Maibäume, aber dennoch ein eindrucksvolles Symbol der Heimat. Die Schwaiger Maibaumfreunde sind begeistert von der Möglichkeit, ihren Baum in Rom aufzustellen, auch wenn die geplante Feier am 9. Mai nun ausfallen muss.
Die Vorfreude wurde jedoch von einem unerwarteten Diebstahl überschattet. Ein Burschenverein aus Inning am Ammersee, in einem humorvollen Missverständnis, stahl den unbewachten Übungsbaum, ohne zu wissen, dass der echte Maibaum noch im Wald verborgen war. Nach der Aufklärung des Missgeschicks gab es jedoch kein böses Blut zwischen den Vereinen. Die Schwaiger Maibaumfreunde zeigten sich beeindruckt von der Aktion der Inninger und luden sie sogar zu einem gemeinsamen Rollbratenessen ein. Der gestohlene Übungsbaum wird nun im Garten eines über 85-jährigen Ehrenmitglieds der Inninger Burschenschaft aufgestellt und wird so Teil einer neuen, heiteren Tradition.
Ein Baum mit Bedeutung
Der echte Maibaum, der nun in Rom aufgestellt werden soll, präsentiert sich in einem naturbelassenen Zustand und ist lediglich gehobelt. An seinen Cortenstahl-Schildern sind kirchliche Einrichtungen abgebildet, und an der Spitze prangt die Figur des Heiligen Korbinian, flankiert vom Freisinger Bären. Diese dekorativen Elemente verleihen dem Baum eine besondere Bedeutung und verdeutlichen den kulturellen Austausch zwischen Bayern und Rom.
Der Vorsitzende des Brauchtumsvereins Moosmotor Schwaig, Michael Miesbauer, betont, dass man den echten Baum stets im Auge behalten würde, um sicherzustellen, dass er rechtzeitig für die Reise nach Rom bereit ist. Inning und Schwaig mögen nun zwar auf humorvolle Weise verbunden sein, doch die Wurzeln der Maibaumtradition reichen tief in die bayerische Kultur zurück.
Tradition und Brauchtum
Das Aufstellen von Maibäumen ist ein fester Bestandteil der bayerischen Tradition, deren Ursprung im Dunkel der Geschichte liegt, möglicherweise verwurzelt in germanischen Fruchtbarkeitskulten. Dokumentiert ist diese Tradition seit dem 16. Jahrhundert in Franken und Schwaben. Die Maibäume variieren nicht nur in Höhe – Rekordhöhen von über 50 Metern sind keine Seltenheit – sondern auch in ihrer Gestaltung. Während viele Bäume in Weiß und Blau erstrahlen, ist der Schwaiger Baum mit seinen natürlichen Materialien und schlichten Schildern ein echter Hingucker.
Traditionell wird das Aufstellen von Männern vollzogen, doch auch Frauen nehmen zunehmend an diesem Ritual teil. Der Maibaum wird oft von Gruppen „geklaut“, was eine weitere amüsante Facette dieser Tradition darstellt. Verhandlungen zur Rückgabe werden häufig mit Bier und Brotzeit begleitet, und es ist nicht ungewöhnlich, dass der Baum, falls es zu Uneinigkeiten kommt, als „Schandbaum“ aufgestellt wird. In dieser festlichen Atmosphäre wird die Gemeinschaft gestärkt und die bayerische Kultur lebendig gehalten.
Mit einem Augenzwinkern und viel Herzblut wird der Maibaum aus Schwaig, ob nun in Rom oder im Garten eines Ehrenmitglieds, auch weiterhin ein Symbol für bayerische Tradition und Brauchtum sein. Und während die Vorfreude auf die Reise nach Rom bleibt, dürfen wir gespannt sein, welche Geschichten dieser Baum noch erzählen wird.