Heute ist der 29.04.2026. Ein bemerkenswerter Anblick bietet sich in den Gewässern vor der Ostseeküste Deutschlands: Ein Lastkahn mit einem gestrandeten Buckelwal wird auf dem Weg zur Nordsee gezogen. Dieses außergewöhnliche Unterfangen wird von der privaten Initiative geleitet, die den Wal über die letzten Wochen hinweg begleitet hat. Nach monatelangem Ringen um das Wohl des Tieres wird es nun ernst: Der Wal soll in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dort freigelassen werden.
Am Morgen vor 7.00 Uhr hat das Schleppfahrzeug «Fortuna B» die Schleppaufgabe übernommen. Zuvor war der Schlepper «Robin Hood» am Dienstagabend die Barge mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel übernommen. Der Lastkahn wurde zunächst in die Wismarbucht gebracht und anschließend auf die offene Ostsee geschleppt. Laut VesselFinder befand sich der Verband gegen 8.00 Uhr östlich vor Fehmarn und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von etwa drei Knoten pro Stunde.
Der lange Weg zur Rettung
Der Buckelwal hatte 29 Tage lang vor der Insel Poel festgehangen. Die Rettungsaktion wurde notwendig, nachdem der Wal in eine gebaggerte Rinne bugsiert und mit Gurten in den Lastkahn gezogen wurde. Dabei wurde er in einem speziellen Schwimmdock transportiert, das für kleinere Schiffe genutzt wird und ein Netz hat, um ein Herausschwimmen zu verhindern. Die Schlepper «Robin Hood» und «Fortuna B» sind nicht nur für den Transport verantwortlich; ein Polizeiboot wird den Schlepperverband bis nach Dänemark begleiten, um die Sicherheit der Rettungsaktion zu gewährleisten.
Die geplante Route führt durch die Lübecker Bucht, an Fehmarn vorbei, durch den Großen Belt und den Kattegat. Experten äußern jedoch Bedenken hinsichtlich des Transports. Walforscher Fabian Ritter zeigt sich skeptisch über den Zustand des Wals und die Erfolgsaussichten der Rettungsversuche. Zudem wird Kritik laut, dass der Wal durch Lärm und Stress während des Transports belastet werden könnte. Das Deutsche Meeresmuseum hat ebenfalls Bedenken angemeldet.
Ein Wal und seine Herausforderungen
Wissenschaftler vermuten, dass der Wal vor seiner Strandung bereits geschwächt war und flaches Wasser aufgesucht hat, um sich auszuruhen. Der Zustand des Wals wirft Fragen auf, ob er den Transport überstehen und in der Nordsee oder gar im Atlantik überleben kann. Diese Sorgen sind umso drängender, da die Chronologie seiner Strandungen zeigt, dass der Wal mehrfach in Schwierigkeiten geraten ist: Er wurde am 3. März erstmals im Hafen von Wismar gesichtet, schwamm sich am 27. März frei, strandete jedoch nur einen Tag später erneut in der Wismarer Bucht.
Die Diskussion um den Umgang mit dem Wal hat nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch politische und rechtsextreme Gruppen mobilisiert. Leider haben auch Betrüger die Aufmerksamkeit rund um den Wal ausgenutzt, um eigene Interessen zu verfolgen. Die Rettungsaktion wird von Umweltminister Till Backhaus (SPD) und vielen Helfern mit Erleichterung verfolgt, doch die Unsicherheiten bleiben. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Schicksal dieses majestätischen Tieres entwickeln wird, während es auf dem Weg in die Freiheit ist.