Im malerischen Bodenseekreis tut sich Spannendes: Die Waldrappe, einst als ausgestorben geglaubt, zeigen wieder Leben! Anne-Gabriela Schmalstieg vom Waldrappteam berichtet von zwei Nester in einer Felswand bei Überlingen, in denen brütende Waldrappe ihr Glück versuchen. Und das ist noch nicht alles: Ein drittes Nest könnte in Planung sein, da ein Weibchen bereits auf der Suche nach einem Partner ist. Aktuell tummeln sich neun Waldrappe in Überlingen, darunter drei Weibchen. Besonders bemerkenswert: Ein Weibchen wurde eigens aus Salzburg nach Überlingen gebracht, da dort ein Ungleichgewicht zwischen Weibchen und Männchen herrscht.

Die Aufzucht der Jungvögel steht ebenfalls auf der Agenda. Ein Brutpaar aus Überlingen hat bereits vier Eier in der Schweiz (Rümlang) gelegt. Es ist ein gutes Zeichen, dass die „Spanier“, die vor drei Jahren in Binningen groß wurden, nun in Andalusien leben. Von den ursprünglich 32 Vögeln sind allerdings nur noch fünf übrig geblieben. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Ein Weibchen aus Andalusien hat die Grenze nach Frankreich überschritten und könnte bald nach Überlingen zurückkehren. Die Überlinger Männchen sind bereits aktiv geworden und haben Nester gebaut, auch ohne Partnerin, in der Hoffnung, dass sich bald weitere Weibchen einfinden.

Herausforderungen durch den Klimawandel

Das Waldrappteam hat große Erwartungen für die kommende Brutzeit: Es wird mit drei bis vier Eiern pro Nest gerechnet. Im Mai wird die Aufzucht von bis zu 32 Jungvögeln in Riedlingen beginnen, wo sie von menschlichen Ziehmüttern großgezogen werden und das Fliegen lernen sollen. Langfristig ist das Ziel, eine stabile Population der Waldrappe in Überlingen zu etablieren. Doch die Herausforderungen sind groß, besonders der Klimawandel hat seine Spuren hinterlassen. Die Überlinger Brutkolonie kann nicht am Bodensee überwintern, da die milderen Herbsttemperaturen das Zugverhalten der Waldrappe beeinflussen.

Im vergangenen Jahr, 2022, gelang es dem Großteil der wildlebenden Waldrappe aus nördlichen Kolonien nicht, die Alpen zu überfliegen. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, da der Zeitpunkt der Herbstmigration zunehmend variabel wird. Wo die Vögel früher Anfang Oktober ihre Reise antraten, zögerten sie 2022 bis Ende Oktober. Der Grund? Die globalen Temperaturen steigen, was sich negativ auf die Thermiken auswirkt, die die Waldrappe benötigen, um die Alpen zu überqueren. Daher wird eine neue Zugroute in ein Wintergebiet ohne Alpenüberquerung für die Brutkolonien etabliert.

Ein neuer Weg nach Andalusien

Die Waldrappe sollen künftig nicht mehr in die Toskana, sondern nach Vejer de la Frontera in Andalusien überführt werden. Diese neue Flugroute ist mit rund 2300 Kilometern fast dreimal so lang wie die vorherige und führt von Baden-Württemberg durch Frankreich, über die Pyrenäen und nach Spanien bis zum Ziel nahe Gibraltar. Das Waldrappteam plant, Anfang Mai mit bis zu 35 Tieren in ein Camp am Flugplatz Binningen umzuziehen. Dort werden die jungen Vögel von Ultraleichtflugzeugen aus angeleitet, um die Migration zu unterstützen.

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In Andalusien gibt es seit 20 Jahren eine sesshafte Waldrapp-Population mit etwa 200 Vögeln, und das Ziel ist es, die beiden Populationen zusammenzuführen. Eine Machbarkeitsstudie zur Zusammenführung der Populationen ist bis Ende 2024 geplant, um sicherzustellen, dass die Waldrappe in Zukunft wieder erfolgreich in der Region leben können. Die Herausforderung der menschengeführten Migration über 2300 Kilometer steht jedoch noch bevor. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und die Bemühungen des Waldrappteams sind ein Schritt in die richtige Richtung.