Der Klimawandel, geopolitische Unsicherheiten und diese verflixte Marktsituation setzen der Landwirtschaft ordentlich zu. Ein Thema, das uns alle betrifft! Auf dem Biodiversitätsgipfel in Schiltern, Niederösterreich, haben Vertreter aus Landwirtschaft, Forschung, Handel und Gastronomie kürzlich über die zentrale Rolle der Sortenvielfalt für die Zukunft unserer Ernährung diskutiert. Es wird immer klarer: Der Erhalt von Arten- und Sortenvielfalt ist nicht nur eine Frage des guten Geschmacks, sondern auch entscheidend für stabile Erträge und eine sichere Lebensmittelversorgung. Genetische Vielfalt ist wie die Geheimzutat, die es unseren Kulturpflanzen ermöglicht, sich an die sich ständig ändernden Klimabedingungen und Marktanforderungen anzupassen.

Markus Kaser von SPAR Österreich hat treffend betont, dass Sortenvielfalt ein echter Wettbewerbsfaktor ist. Um hier nicht ins Hintertreffen zu geraten, setzt SPAR auf langfristige Partnerschaften, gentechnikfreie Produktion und höchste Qualitätsstandards. Aber die kleinen Züchtungsbetriebe, die oft das Herzstück der Sortenvielfalt bilden, stehen unter Druck. Eine Umfrage unter europäischen Vielfaltsbetrieben zeigt, dass 30% von ihnen sogar erwägen, ihr Sortiment zu reduzieren – und das aufgrund von bürokratischen Hürden wie der neuen EU-Saatgut-Verordnung.

Die Herausforderungen der neuen EU-Saatgut-Verordnung

Die EU-Kommission plant eine Reform des Saatgutmarktes, die den Kauf von Samen durch Landwirte regeln soll. Zehn EU-Richtlinien werden in einer neuen Verordnung zusammengefasst, um den Verwaltungsaufwand zu verringern und die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Dabei könnte die Bürokratie jedoch für viele Kleinunternehmer wie ein Verbot wirken. Susanne Gura vom Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt äußert diesbezüglich berechtigte Bedenken. Wer mag schon gerne von überbordender Bürokratie erdrückt werden?

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass in den USA im letzten Jahrhundert 86% der Apfelsorten und 95% der Kohlsorten verschwunden sind. Alte Sorten sind häufig resistenter gegen extreme Wetterbedingungen und Krankheiten. Daher wäre es fatal, wenn wir auch in Europa die Vielfalt verlieren würden. Magdalena Prieler von Arche Noah berichtet, dass von 5.500 bewahrten Sorten nur 62 zugelassen sind. Das gibt einem wirklich zu denken!

Biodiversität als Schlüssel zu Gesundheit und Ernährung

Das Thema Biodiversität zieht sich wie ein roter Faden durch die Gesellschaft. Daniela Haluza von der Medizinischen Universität Wien hat es treffend formuliert: Die Verbindung zwischen Biodiversität, Ernährung und Gesundheit ist von enormer Bedeutung. Und Paul Ivić vom Restaurant TIAN warnt vor dem Verlust von Geschmack und Qualität, wenn wir die Vielfalt der Sorten nicht schützen. Immerhin zeigen Umfragen, dass nur 50% der Bevölkerung die Relevanz von Biodiversität erkennen, während nur 33% den Begriff korrekt einordnen können. Hier gibt es Aufklärungsbedarf!

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Um dem entgegenzuwirken, fordert Kaser eine stärkere Verankerung von Ernährungs- und Umweltbildung in Schulen. Schließlich ist es wichtig, dass schon die Jüngsten verstehen, warum wir die Vielfalt auf unseren Tellern brauchen. SPAR hat sogar die Einrichtung eines landwirtschaftlichen Expertenrats angekündigt, um die Landwirtschaft, Forschung und den Handel besser zu vernetzen. Das Ziel? Lösungen für Klimaanpassung, Sortenerhalt und Ressourceneffizienz entwickeln.

Nachhaltige Landwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit

Ein weiterer Aspekt, den wir nicht außer Acht lassen dürfen, ist die Rolle der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Diese fördert die landwirtschaftliche Vielfalt und setzt sich für den Schutz, die nachhaltige Nutzung und die Wiederherstellung natürlicher Ressourcen ein. Agrarökologische Prinzipien und regionale Kreisläufe sind nicht nur schicke Schlagworte, sondern Leitlinien für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.

Die Unterstützung der ländlichen Bevölkerung in Partnerländern ist entscheidend, insbesondere wenn es um traditionelle Landwirtschafts- und Viehzuchtmethoden geht. Die Rechte von Bäuerinnen und Bauern auf Erhalt, Vermehrung und Verbreitung lokalen Saatguts müssen gestärkt werden. Denn gesicherte Landrechte sind eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion um die Sortenvielfalt und die neuen Regelungen entwickeln wird. Eines ist jedoch klar: Wenn wir nicht aufpassen, könnten wir in einigen Jahren auf eine schmerzhafte Kluft zwischen den großen Saatgutkonzernen und den kleinen Züchtern stoßen, die mit ihrer Leidenschaft und ihrem Wissen die Vielfalt unserer Nahrung sichern. Das wäre nicht nur schade, sondern schlichtweg untragbar.

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