Heute ist der 7.06.2026, und die Nachrichten aus Russland sind alles andere als erfreulich. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien nehmen zu und scheinen ein strategisches Ziel in der Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern zu verfolgen. Am 2. Juni wurde die Ölraffinerie Ilski, etwa 50 Kilometer von Krasnodar entfernt, angegriffen. Mit einer jährlichen Kapazität von 6,6 Millionen Tonnen Öl (Stand 2022) ist sie ein bedeutender Bestandteil der russischen Ölindustrie. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass dieser Ort im Visier der ukrainischen Streitkräfte steht; seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat die Raffinerie bereits mehrfach unter Beschuss gelitten.
Die Ukraine verfolgt eine klare Strategie, um die russische Wirtschaft zu schwächen. Durch gezielte Angriffe auf die Ölindustrie wird nicht nur die Treibstoffversorgung der russischen Truppen gestört, sondern auch die Einnahmen zur Kriegsfinanzierung erheblich reduziert. Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj hat jüngst betont, dass die ukrainischen Soldaten nun in der Lage sind, die russische Militärlogistik auch in besetzten Gebieten zu treffen. Bisher wurden insgesamt 15 russische Ölraffinerien angegriffen, und die Auswirkungen sind bereits deutlich spürbar. Die Benzinpreise in Russland sind seit Jahresbeginn um 50 Prozent gestiegen, was die Bevölkerung zunehmend verunsichert und Unmut gegen die Regierung schürt.
Angriffe auf Raffinerien
In den letzten zwei Wochen wurden mindestens drei große Raffinerien in Russland außer Betrieb gesetzt. Zu den jüngsten Angriffen zählt die Raffinerie in Saratow, die 470 Kilometer von der Ukraine entfernt liegt und normalerweise 140.000 Fass Öl pro Tag verarbeitet. Nach dem Angriff wurde die Aufnahme neuen Rohöls eingestellt. Zudem gab es einen Angriff auf eine Raffinerie in Wolgograd, die etwa fünf Prozent des in Russland zu Treibstoff verarbeiteten Rohöls liefert. Die Schließungen dieser drei Anlagen repräsentieren zusammen mehr als elf Prozent der russischen Raffineriekapazitäten – ein beachtlicher Schlag für die russische Ölindustrie.
Die ukrainische Offensive zielt darauf ab, nicht nur die militärischen Ressourcen Russlands zu schwächen, sondern auch die Wirtschaft im Allgemeinen. Der Rüstungsetat für 2026 liegt bereits bei 16,84 Billionen Rubel (ca. 204 Milliarden Euro) und ist überzogen. An den Finanzmärkten wird bereits über ein Haushaltsloch von 5,9 Billionen Rubel (ca. 70,5 Milliarden Euro) in den ersten vier Monaten berichtet. Das Verteidigungsministerium prognostiziert eine Finanzierungslücke von bis zu 3 Billionen Rubel (ca. 36 Milliarden Euro) für das gesamte Jahr 2026. Man könnte fast meinen, die russische Regierung hat die Kontrolle über die eigenen Finanzen verloren – und das nicht nur wegen des Krieges.
Die wirtschaftlichen Folgen
Die Situation ist so angespannt, dass Russlands Finanzminister bereits warnt, der Krieg werde „unbezahlbar“. Für die zweite Jahreshälfte 2026 wird eine Finanzierungslücke von 1,2 bis 1,5 Billionen Rubel (14 bis 18 Milliarden Euro) erwartet. Und während die Wirtschaft in den Keller geht, versucht Präsident Putin verzweifelt, die Oligarchen zur finanziellen Unterstützung für den Kriegshaushalt zu bewegen. Es scheint fast, als würde die russische Elite zusehen, wie das Land in der Krise versinkt.
Die Angriffe sind nicht auf die Ölraffinerien beschränkt. Auch während des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg kam es zu massiven Drohnenangriffen, was das Bild von russischer Stärke, das das Forum vermitteln sollte, stark beeinträchtigt hat. Gouverneur Alexander Beglow berichtete von Verletzten und einem Angriff auf ein Ölterminal, der schwarze Rauchwolken über der Stadt aufsteigen ließ. In der Stadt wurde den Bewohnern geraten, in ihren Wohnungen zu bleiben, während die Luftfahrt am Flughafen Pulkowo zeitweise zum Erliegen kam.
Selenskyj hat Putin in einem offenen Brief Friedensgespräche angeboten, doch der russische Präsident lehnte dies ab und räumte ein, dass die Angriffe einen „gewissen Schaden“ für die Wirtschaft verursachen. Dennoch bleibt die Frage: Wie lange kann Russland diesen wirtschaftlichen Druck aushalten? Die kommenden Monate könnten entscheidend sein, nicht nur für die militärischen, sondern auch für die wirtschaftlichen Aussichten beider Länder.