Die erste Euphorie über die Künstliche Intelligenz (KI) hat sich gelegt. Während Unternehmen weiterhin auf KI setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, hinterlassen die Kündigungswellen, die mit dieser Technologie einhergehen, einen bitteren Nachgeschmack. Der Druck auf Firmen, KI zu implementieren, ist spürbar, wie Thomas Grisold von der WU-Forschungsgruppe „Applied Artificial Intelligence“ beschreibt. Viele Unternehmen fürchten, Chancen zu verpassen und haben daher das Gefühl, dass sie zwingend handeln müssen. Das führt dazu, dass nicht nur niedrig qualifizierte Einstiegsjobs betroffen sind, sondern auch Positionen, die zuvor als sicher galten.

Ein besonders beunruhigender Aspekt ist die mögliche Erosion des Senioritätsprinzips. Wenn Rollen zunehmend an KI übertragen werden, stellt sich die Frage: Wo bleibt der Mensch? Grisold sieht den Arbeitsmarkt derzeit als eine Art Experimentierfeld, in dem Unternehmen verschiedene Ansätze testen. Es scheint, als könnten Firmen, die jetzt Einstiegspositionen abbauen, in der Zukunft wieder einstellen müssen – aber was passiert mit den verloren gegangenen Fähigkeiten und Erfahrungen? Die zentrale Herausforderung bleibt die Identifikation wertvoller menschlicher Fähigkeiten!

Arbeitswelt im Umbruch

Die Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 hat den Einsatz von KI in unserem Alltag und in der Arbeitswelt merklich beschleunigt. KI-Systeme können inzwischen komplexe Texte generieren und realitätsnahe Bilder erstellen – beeindruckend, oder? Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. In Fabriken erkennen sie fehlerhafte Produkte und erfassen Wartungsbedarf. Forscher vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) sind sich einig: Die kommenden 15 Jahre könnten durch KI geprägt sein, mit der Aussicht, dass in Deutschland zwar rund 800.000 Arbeitsplätze wegfallen, aber gleichzeitig auch neue geschaffen werden. Also, ein Auf und Ab.

Doch wie sieht die Realität aus? Der Rückgang wird vor allem in den Unternehmensdienstleistungen spürbar sein – Sekretariatsdienste und Callcenter sind stark betroffen. Dabei wird auch ein Rückgang von etwa 120.000 Beschäftigten in diesen Bereichen prognostiziert. Das klingt fast nach einer neuen Normalität. Gleichzeitig gibt es jedoch Hoffnung auf Zuwachs in anderen Sektoren, wie IT- und Informationsdienstleistungen, Erziehung oder sogar im Gastgewerbe. Ein starker Anstieg an KI-Start-ups in Deutschland verdeutlicht, wie dynamisch sich das Feld entwickelt.

Die Rolle des Menschen in der Zukunft

„Die Rolle des Menschen wird oft unterschätzt“, betont Grisold. Und das ist ein ganz zentraler Punkt! Während KI viele Aufgaben übernehmen kann, gibt es Fähigkeiten, die schlichtweg nicht automatisiert werden können. Kontextuelle Schlüsse zu ziehen, Erfahrungen zu nutzen und Zusammenhänge zu beurteilen – das sind die Bereiche, in denen Menschen immer noch unschlagbar sind. Besonders wichtig sind diese „Agency-Kompetenzen“ in Bereichen wie Führungsarbeit, Krisenmanagement oder Pflege. Die menschliche Komponente wird also auch in einer zunehmend automatisierten Welt unverzichtbar bleiben.

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Ein weiteres Thema, das auf einer Podiumsdiskussion an der WU Wien angesprochen wurde, ist die Nutzung von KI durch Jugendliche. Die Bedenken, dass KI zu uniformen Denkweisen führen könnte und damit die Einzigartigkeit der Menschen gefährdet, sind nicht von der Hand zu weisen. Die Frage ist, wie wir diesen Wandel gestalten. Der Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt ist nicht nur technologisch, sondern auch gesellschaftspolitisch relevant. Unnötig zu erwähnen, dass Gewerkschaften, Betriebsräte und Weiterbildung eine entscheidende Rolle spielen, um den Wandel zu gestalten.

Trotz aller Unsicherheiten – Experten wie Ole Teutloff und Fabian Braesemann warnen vor den Unwägbarkeiten und den Einflüssen, die über KI hinausgehen, wie Klimatransformation und demografischer Wandel. Der Arbeitsmarkt ist im Fluss, und Fortschritte im Bereich der KI sind bedeutende Treiber dieses Wandels. Die Notwendigkeit einer Regulierung, um die Chancen zu nutzen und die Risiken zu minimieren, wird immer lauter.

Wie wird sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren entwickeln? Das bleibt abzuwarten. Aber eines ist sicher: Der Mensch bleibt ein zentraler Bestandteil, auch wenn sich die Rahmenbedingungen ständig verändern.