Die Bedeutung ausländischer Auszubildender im schleswig-holsteinischen Handwerk wächst rasant. Immer mehr junge Menschen ohne deutschen Pass entscheiden sich für eine Ausbildung in den vielfältigen Gewerken des Handwerks. Laut der Handwerkskammer Schleswig-Holstein ist der Anteil dieser Auszubildenden insbesondere in städtischen Gebieten und dem Hamburger Speckgürtel auffallend hoch. In Kiel und im Kreis Stormarn ist fast jeder fünfte Azubi ein Ausländer. Das ist schon eine Hausnummer! In Pinneberg liegt der Anteil bei knapp 17%, und in Neumünster bei 16,5%. Das zeigt, wie wichtig Zuwanderung für die Ausbildungslandschaft geworden ist.

Im letzten Jahr haben landesweit 14.112 Menschen eine Ausbildung im Handwerk begonnen, und gut 13% davon hatten keinen deutschen Pass – ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zu nur 4,8% vor neun Jahren. Die meisten dieser internationalen Talente kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Die aktuelle Situation ist nicht nur ein Zeichen für eine sich wandelnde Gesellschaft, sondern auch ein notwendiger Schritt zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Die Handwerkskammer Lübeck betont, dass Ausländer unverzichtbar sind, um offene Stellen zu besetzen, besonders in Zeiten, in denen die Geburtenrate in Schleswig-Holstein rasant sinkt – zuletzt um 14% innerhalb von drei Jahren. Ein besorgniserregender Trend!

Fachkräftemangel und die Rolle der Zuwanderung

Die Problematik des Fachkräftemangels ist nicht neu, doch sie wird zunehmend dringlicher. Viele Lehrstellen in Schleswig-Holstein bleiben unbesetzt, und Jugendlichen fällt der Einstieg ins Berufsleben immer schwerer. Das ist nicht nur ein lokales, sondern ein gesamtdeutsches Phänomen. Die Bertelsmann Stiftung schätzt, dass die deutsche Wirtschaft jährlich 288.000 ausländische Arbeitskräfte benötigt. In verschiedenen Branchen, trotz einer schwächelnden Konjunktur, gibt es einfach nicht genug Personal. Das ist paradox, wenn man bedenkt, dass im Wahlkampf Migration oft als großes Problem dargestellt wird, während gleichzeitig die Wirtschaft um Fachkräfte wirbt und die einseitige Debatte kritisiert.

Die Sicherheitsdebatte, beeinflusst durch jüngste Anschläge, dominiert den öffentlichen Diskurs, während die wirtschaftlichen Realitäten in den Hintergrund gedrängt werden. Demografische Veränderungen verschärfen die Situation zusätzlich. Migrationsforscherin Susanne Schultz schätzt sogar, dass der Bedarf in Zukunft auf 400.000 Menschen pro Jahr ansteigen könnte – das ist eine beachtliche Zahl! Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung Reformen wie das Fachkräfteeinwanderungsgesetz von 2023 ins Leben gerufen, das unter anderem eine schnellere Arbeitserlaubnis für Berufserfahrene ermöglicht und eine Chancenkarte für Bewerber ohne Jobzusage einführt.

Eine Herausforderung für das Handwerk

Die Umsetzung dieser Gesetze läuft allerdings schleppend. In den Ausländerämtern hapert es noch, besonders in den Bereichen Digitalisierung und Personalqualifizierung. Jörg Dittrich, der Präsident der Handwerkskammer, warnt vor einer Personalnot im Handwerk, in dem derzeit 200.000 Stellen unbesetzt sind. Über 125.000 Betriebe suchen in den kommenden Jahren Nachfolger. Das gilt nicht nur für das Handwerk, sondern auch für Branchen wie Handel, Gastronomie, Ingenieurwesen und Pflege.

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Die Herausforderungen sind vielfältig. Es gibt qualifikatorische, berufliche und regionale „Mismatches“, die dazu führen, dass passende Fachkräfte für offene Stellen fehlen. Oft haben zugewanderte Fachkräfte Schwierigkeiten, sich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. Sprachbarrieren und unterschiedliche Arbeitskulturen stellen zusätzliche Hürden dar. Zudem bevorzugen viele Betriebe inländische Fachkräfte, was die Lage für Zugewanderte nicht einfacher macht.

Die Realität ist, dass ohne Migration viele Stellen unbesetzt bleiben, insbesondere im Gesundheitswesen, wo der Bedarf an Fachkräften ständig ansteigt. Deutschland muss attraktiv für diese Talente bleiben, um den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung gerecht zu werden. Schließlich müssen wir uns auch überlegen, wie wir diese jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung in unserem Land entschieden haben, bestmöglich unterstützen können, damit sie nicht nur ihre Träume verwirklichen, sondern auch unseren Arbeitsmarkt bereichern.