In einem klaren Schritt zur Bekämpfung von Schwarzfahrern hat der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) die Anzahl der Fahrschein-Prüfungen im Hamburger Umland drastisch erhöht. Die betroffenen Gemeinden erstrecken sich über Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die Kontrollen steigen um beeindruckende 55 Prozent in den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Steinburg, Stormarn und Lauenburg sowie in den Landkreisen Lüneburg, Harburg und Stade. Künftig wird die Zahl der Kontrollstunden von 10.200 auf knapp 16.000 Stunden anwachsen.
Um diese gesteigerte Kontrolle zu gewährleisten, hat der HVV zwölf zusätzliche Prüferinnen und Prüfer eingestellt, die sich speziell um die Abgangs-Kontrollen kümmern. Diese Art der Kontrolle erfolgt, wenn Fahrgäste Bahnhöfe oder Busse verlassen. Dies ist besonders wichtig, da lokale Verkehrsbetriebe wie die KVG nicht ausreichend Personal für diese Kontrollen bereitstellen konnten. Die Hoffnung ist, dass auch im Umland die Schwarzfahrerquote weiter sinkt, ähnlich wie in Hamburg, wo der Anteil auf 4,2 Prozent durch die Abgangs-Kontrollen gefallen ist. Das Projekt ist zunächst auf fünf Jahre angesetzt.
Erste Großkontrollen stehen bevor
Ein weiterer bedeutender Schritt wird bereits am 25. September 2025 mit den geplanten Großkontrollen in Hamburg erfolgen. Hunderte Kontrolleure werden an zentralen Bahnhöfen wie dem U Jungfernstieg, U Billstedt und S Landungsbrücken zur Kontrolle eingesetzt. Dies geschieht vor dem Hintergrund hoher Verluste durch Schwarzfahrten, die im ersten Halbjahr 2025 rund 16 Millionen Euro betrugen. Wer ohne gültigen Fahrschein erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 60 Euro rechnen.
Die Kontrollen werden nicht nur an Bahnhöfen, sondern auch in Fahrzeugen durchgeführt, beispielsweise auf S-Bahn-Strecken zwischen Dammtor und Holstenstraße und in Regionalzügen. Im Prüfmarathon des Vorjahres mussten rund 17.000 Fahrgäste ihre Tickets vorzeigen, wobei 96 Prozent ordnungsgemäß unterwegs waren. Diese regelmäßigen und oft unangekündigten Großkontrollen sind Teil einer umfassenderen Strategie zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.
Einbindung in die Mobilitätswende
Die Maßnahmen des HVV stehen im Kontext einer größeren Mobilitätswende. Laut den VDV-Daten steigen die Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) seit 2022 wieder an, nachdem sie durch die Corona-Pandemie gesunken waren. Täglich befördern die VDV-Unternehmen 27 Millionen Fahrgäste mit Bus und Bahn, was 18 Millionen Autofahrten ersetzt. Im Jahr 2024 wurden rund 9,84 Milliarden Fahrgäste im ÖPNV der VDV-Mitgliedsunternehmen gezählt.
Die Einnahmen aus Fahrgeldern der deutschen Nahverkehrsunternehmen beliefen sich 2024 auf 12,3 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 0,4 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit und den Wert eines gut funktionierenden ÖPNV, der nicht nur zur Reduzierung von CO2-Emissionen beiträgt, sondern auch als Rückgrat einer umweltfreundlichen Mobilität dient. Die Fahrt mit Bus und Bahn spart im Durchschnitt 100 Gramm Treibhausgase pro Kilometer im Vergleich zur Autofahrt und ermöglicht somit eine nachhaltigere Form der Fortbewegung.
Die aktuellen Maßnahmen des HVV und die bevorstehenden Kontrollen sind somit nicht nur ein Schritt gegen Schwarzfahren, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und zur Förderung einer umweltbewussten Mobilität in der Region.