Es ist ein trauriger Tag für die Maxvorstadt in München. Der traditionsreiche Laden Suckfüll in der Türkenstraße, ein Ankerpunkt für viele in der Nachbarschaft, wird nach 94 Jahren schließen. Das genaue Datum steht noch nicht fest, aber der Räumungsverkauf läuft bereits auf Hochtouren. Die Kunden sind emotional betroffen, und das ist nicht verwunderlich. Monika Suckfüll, die Frau des Inhabers, erzählt von den langjährigen Beziehungen, die hier gewachsen sind – Beziehungen, die das Geschäft zu einem Teil des Lebens vieler Menschen gemacht haben.

Wolfgang Suckfüll, der Inhaber, beschreibt seinen Laden als einen wichtigen Treffpunkt. Suckfüll wurde 1932 von Karl Suckfüll gegründet und von der Familie weitergeführt. Doch die Zeiten ändern sich. Umsatzrückgang, steigende Kosten und die Corona-Pandemie haben dem kleinen Geschäft stark zugesetzt. Die Konkurrenz durch den Online-Handel macht es nicht einfacher, und die Baustelle vor dem Laden, die nun schon seit über vier Jahren besteht, beeinträchtigt den Kundenverkehr erheblich. Fehlende Parkplätze in der Türkenstraße tun ihr Übriges. Viele der treuen Stammkunden, vor allem Handwerksbetriebe, haben sich inzwischen nach anderen Lösungen umgeschaut.

Ein historischer Ort und seine Bedeutung

Claudia Gries, die seit 32 Jahren als Verkäuferin im Laden arbeitet, äußert ihre Trauer über das bevorstehende Ende. „Es ist, als würde ein Teil von mir verschwinden“, sagt sie. Der Laden hat nicht nur für seine Kunden, sondern auch für die Geschichte eine Bedeutung: Georg Elser soll hier Schrauben für sein Attentat auf Hitler gekauft haben. Ein Stück Geschichte, das nun in den Erinnerungen der Menschen weiterleben wird.

Die Schließung von Suckfüll ist Teil eines größeren Trends. Der Handelsverband Deutschland (HDE) prognostiziert, dass bis 2025 in deutschen Innenstädten etwa 4.500 Läden verschwinden werden. Gründe sind vielfältig: fehlende Nachfolge, steigende Fixkosten und ein verändertes Kaufverhalten, das immer mehr in Richtung Online-Konsum tendiert. Alexander von Preen, Präsident des HDE, fordert dringend politische Unterstützung zur Erhaltung der Innenstädte. Das ist ein Aufruf, den man ernst nehmen sollte, denn die Situation ist alles andere als rosig.

Die Herausforderungen des Einzelhandels

Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Hohe Parkkosten, städtische Baumaßnahmen und der Druck durch internationale Online-Händler verkomplizieren das Geschäft für die kleinen Händler vor Ort. Christoph Demmler, Inhaber eines Kinderladens in Mainz, kritisiert die unfaire Wettbewerbsbedingungen, die den Kleinen das Leben schwer machen. Die Hoffnung auf Last-Minute-Käufe im Dezember bleibt, aber die Unsicherheiten sind groß.

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Ein Blick in die Zukunft bringt ebenfalls wenig Erfreuliches. Bernd Bütow, Hauptgeschäftsführer des Verbands Creditreform, warnt vor steigenden Insolvenzen und fordert strukturelle Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft. Für 2026 wird keine Besserung der Insolvenzlage erwartet, was die Sorgen um die Zukunft der Innenstädte nur verstärkt.

Handlungsempfehlungen für die Zukunft

Und was kann man tun? Die ExWoSt-Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gibt Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Innenstädte. Fünf Punkte sind entscheidend: Stärkung und (Weiter-)Entwicklung der Nutzungsmischung, innerstädtisches Flächenmanagement, Förderung von Innovationen, der öffentliche Raum als sozialer Raum und die Mobilität im städtischen Raum. Das klingt nach einer großen Herausforderung, aber auch nach einer Chance für nachhaltige und resiliente Strukturen. Der Transformationsprozess der Innenstädte könnte uns neue Wege aufzeigen, um das urbane Leben wieder lebendiger und einladender zu gestalten.

Für Wolfgang Suckfüll wäre eine Buchhandlung als Nachmieter ein schöner Schlussakkord für diesen historischen Ort. Ob sich dieser Wunsch erfüllen lässt, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Die Schließung von Suckfüll ist mehr als nur das Ende eines Geschäfts – es ist ein Stück Geschichte, das in die Erinnerungen der Menschen eingeht.

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