Ein ruhiger Abend in Leezen, der 18. Mai 2026, um 22:16 Uhr. Doch plötzlich durchbricht ein Alarm die Stille: „FEU BMA“ ertönt es aus den Lautsprechern der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn. Innerhalb kürzester Zeit sind etwa 65 Einsatzkräfte auf dem Weg zu einem Betriebsgelände für Milch- und Molkeprodukte. Rauchmelder haben Alarm geschlagen – ein Zeichen, das niemand ignorieren kann.
Bei der ersten Erkundung wird schnell klar: Hier ist etwas nicht in Ordnung. Zwei Rauchmelder haben ausgelöst, und in einem 50 Quadratmeter großen Raum ist eine leicht verfärbte Verrauchung festzustellen. Das ist der Moment, in dem die Einsatzleitung die Lage neu bewertet. Um 22:52 Uhr erfolgt die Erhöhung des Einsatzstichworts auf „TH X“ – technische Hilfeleistung mit Gefahrstoffen. Das bedeutet: Hier wird es ernst!
Der Einsatz
Die Nachalarmierung des ABC-Zugs des Kreises Segeberg wird umgehend eingeleitet. Ein Dekontaminationsplatz der Stufe 2 wird eingerichtet. Während die Einsatzkräfte unter schwerem Atemschutz und leichten Chemikalienschutzanzügen zur weiteren Erkundung aufbrechen, bleibt ein mulmiges Gefühl zurück. Der pH-Wert auf einem Feuerwehrhelm zeigt Werte von zwei bis drei an – alles andere als beruhigend. Mit pH-Indikatorpapier, Wärmebildkameras und Gasmessgeräten sind die Feuerwehrleute ausgerüstet, um herauszufinden, was genau hier im Gange ist.
In Bodennähe wird ein pH-Wert von eins festgestellt. Verdacht auf ausgetretenen Gefahrstoff. Ein Stoff, der im Betrieb routinemäßig verwendet wird. „Das ist ja nicht das erste Mal, dass wir mit Gefahrstoffen zu tun haben“, denkt man sich. Doch die Gefahren sind real. Der Kontakt mit Gefahrstoffen sollte minimal gehalten werden, und schon bei der ersten Erkundung müssen die Einsatzkräfte besonders vorsichtig sein. Ein fachkundiger Mitarbeiter des Betriebs wird hinzugezogen – das ist von großer Bedeutung, um die richtige Strategie zu finden.
Die Herausforderungen
Die Gefährdungen bei solchen Einsätzen sind nicht zu unterschätzen. Unkenntnis über die Gefahrstoffe, unzureichende Abstände zu Schadensobjekten oder gar das Einatmen von gesundheitsschädlichen Dämpfen können fatale Folgen haben. Die Einsatzleitung trägt eine immense Verantwortung, denn sie muss ständig die Gefährdungen neu beurteilen. Da helfen auch keine schönen Worte – hier zählt jede Sekunde!
Um 03:40 Uhr, nach Stunden intensiver Arbeit, beginnen die Rückbaumaßnahmen. Der betroffene Raum wird gegen unbefugtes Betreten gesichert. Die Einsatzstelle wird schließlich an die Firma übergeben, die eine Fachfirma zur Beseitigung des Stoffes beauftragt. Ein Glück, dass zu keiner Zeit eine Gefahr für Menschen, Tiere und Umwelt bestand. Aber die Frage bleibt, was genau passiert ist und wie hoch der Schaden ist. Details dazu gibt es bisher nicht.
Ein Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen
In der Regel haben Feuerwehren mit Gefahrstoffen in zwei Bereichen zu tun: Bei der Verwendung von Gefahrstoffen für den eigenen Betrieb und in Einsätzen. Die Neufassung der Gefahrstoffverordnung, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt am 04.12.2024, bringt neue Regelungen mit sich, die auch für die Feuerwehr von Bedeutung sind. Besondere Mitwirkungs- und Informationspflichten für Veranlasser von Tätigkeiten an technischen Anlagen stehen dabei im Fokus.
Gerade die Gemeinden als Träger des Brandschutzes sind aufgefordert, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen. Die Sicherheit der Einsatzkräfte muss an oberster Stelle stehen. Unternehmer sind verpflichtet, persönliche Schutzausrüstungen bereit zu stellen und Verfahren zur Minimierung der Gefahren zu entwickeln.
Der Einsatz in Leezen ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell und professionell die Einsatzkräfte auf eine kritische Situation reagieren können. Es ist beruhigend zu wissen, dass hinter den Kulissen so viele Menschen an einem Strang ziehen, um Sicherheit zu gewährleisten. Und auch wenn keine Gefahr für die Bevölkerung bestand, bleibt der Vorfall in Erinnerung – als Mahnung, dass wir immer wachsam sein müssen.