Polizei in Not: Alarmierende Ausbildungs- und Trainingsdefizite in Schleswig-Holstein
Heute ist der 6.07.2026 und in Schleswig-Holstein gibt es ernsthafte Probleme, die aufhorchen lassen. Knapp die Hälfte der Polizeibeamtinnen und -beamten hat im Jahr 2025 nicht die vorgeschriebenen 24 Stunden Einsatztraining absolviert. Was so einfach klingt, hat tiefgreifende Ursachen: Personalmangel und fehlende Trainingsstätten sind die Hauptgründe für dieses alarmierende Ergebnis. In Kiel und Flensburg ist die Situation besonders kritisch, denn dort hat niemand die Mindestvorgabe erreicht. In der Landeshauptstadt nahmen 229 von 945 Beamten nicht an einem Einsatztraining teil. Das wirft Fragen auf!
Die Landesregierung selbst macht hohe Einsatzbelastungen, Personalengpässe und Infrastrukturprobleme dafür verantwortlich. Geschlossene Schießstätten und fehlende Trainingsmöglichkeiten sind spezifische Probleme, die nicht einfach ignoriert werden können. Dabei sind die Anforderungen an die Polizei in den letzten Jahren gestiegen. Der Umgang mit Tasern und psychisch erkrankten Menschen erfordert zusätzliche Schulungen, die dringend notwendig sind. Innenministerin Magdalena Finke hat kürzlich berichtet, dass von 5.716 Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten immerhin 5.062 am Einsatztraining teilgenommen haben – unabhängig von der Stundenanzahl. Aber reicht das aus?
Ein strukturpolitisches Dilemma
Um die Situation zu verbessern, wurde ein Gesamtkonzept für Schieß- und Einsatztrainingsstätten erstellt, das mit 50 Millionen Euro Investitionen untermauert wird. Doch das ist nicht genug für viele, darunter auch der FDP-Fraktionschef Christopher Vogt, der die Lage als massives strukturelles Problem bezeichnet und ein schnelles Handeln der Landesregierung fordert. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußert große Beunruhigung über die Zahlen und fordert nicht nur Re-Investitionen in Einsatztrainingsstätten, sondern auch eine Erhöhung der Einsatztrainings von 24 auf mindestens 48 Stunden pro Jahr. Im vergangenen Halbjahr gab es zudem mindestens fünf Einsätze mit Schusswaffengebrauch in Schleswig-Holstein. Es ist ein Teufelskreis!
Das Ganze fügt sich in ein größeres Bild. Der Polizeiberuf gilt schließlich als tragende Säule des Rechtsstaats, und die Polizeibehörden in Deutschland kämpfen mit Nachwuchsproblemen. Zwischen 2020 und 2025 ist die Zahl der Bewerbungen für die Polizeiausbildung in fast allen Bundesländern gesunken, auch in Schleswig-Holstein, wo der Rückgang bei 32,4% liegt. Die Gewerkschaft der Polizei warnt vor einer dramatischen Lage, denn viele Bewerber fallen durch die Aufnahmeprüfungen. Unbesetzte Ausbildungsplätze könnten die Arbeitsfähigkeit der Polizei erheblich beeinträchtigen.
Die Herausforderung der Qualifikation
Die Bewerberzahlen für die Polizeiausbildung sanken von 73.554 im Jahr 2020 auf 63.191 im Jahr 2023 – ein Rückgang von etwa 14%. Besonders Niedersachsen hat mit einem Rückgang von 41% zu kämpfen. In Schleswig-Holstein scheitern über 50% der Prüflinge an den Deutschkenntnissen, was besorgniserregend ist. In Bayern beispielsweise verdoppelte sich der Anteil der Bewerber, die am Sprachtest scheitern, von 9% auf 18%. Das sind alarmierende Zahlen, die nicht ignoriert werden dürfen.
Einige Bundesländer senken mittlerweile die Einstellungskriterien, um mehr Bewerber zu gewinnen. Körpergröße, BMI und Fitness – alles wird auf den Prüfstand gestellt. In Bayern wurden beispielsweise 19% der Interessenten wegen mangelnder Fitness abgelehnt. Die Abbrecherquoten in der Ausbildung sind ebenfalls besorgniserregend, in Berlin fast 30%. Es gibt also viele Baustellen, die dringend angegangen werden müssen.
Die Herausforderungen sind klar: Die Polizei braucht dringend mehr Unterstützung, sowohl in der Ausbildung als auch in der praktischen Umsetzung. Bildungsexperten bemängeln zudem allgemeine Defizite bei Schulabsolventen, die auch die Polizeibewerber betreffen. In der PISA-Studie von 2022 wurden die niedrigsten Werte in Mathematik und Lesen unter den 15-Jährigen in Deutschland festgestellt. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen endlich handeln, bevor es zu spät ist.
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