Rund 240 Menschen wurden im Jahr 2025 in Schleswig-Holstein Opfer rechter Gewalttaten, wie der Verein Zebra berichtet. Besonders alarmierend ist, dass unter den Betroffenen ein erheblicher Anteil, etwa 20 Prozent, Kinder und Jugendliche waren. Im Durchschnitt kam es 2025 zu dreimal pro Woche zu Angriffen, die rassistische, antisemitische oder andere rechtsextreme Motive hatten. Insgesamt erfasste Zebra 156 rechte Gewalttaten, was im Vergleich zu 2024, als 164 Fälle dokumentiert wurden, einen leichten Rückgang darstellt. Dennoch bleibt die Zahl der Angriffe besorgniserregend hoch.

Die Mehrheit dieser Angriffe war rassistisch motiviert, mehr als zwei Drittel der Vorfälle trugen diese Handschrift. Doch die Angriffe richten sich nicht nur gegen Menschen mit Migrationshintergrund; auch politische Gegner und Einrichtungen wie Jugendzentren oder Parteibüros blieben nicht verschont. Ein besorgniserregender Trend ist der Anstieg der Angriffe auf queere Menschen, die von acht auf zehn Fälle stiegen. Kiel war mit 27 registrierten Fällen der Hotspot, gefolgt von Lübeck mit 22 Fällen. In den Kreisen Herzogtum-Lauenburg und Plön verdoppelte sich die Zahl der Angriffe, was auf ein alarmierendes Muster hindeutet.

Die Dunkelziffer und der gesellschaftliche Kontext

Die Dunkelziffer der Angriffe könnte laut Experten deutlich höher sein, da viele Betroffene aus Angst vor Repressalien zögern, Anzeige zu erstatten. Vor diesem Hintergrund fordern die SPD und die Grünen verstärkte Maßnahmen gegen rechte Gewalt, während die CDU vor den möglichen Konsequenzen für die Demokratie warnt. Der Verein Zebra, der seit 2017 ein landesweites Monitoring rechter Angriffe durchführt, bietet zudem psychosoziale Beratung und Informationen über rechtliche Möglichkeiten für Betroffene an.

Die Entwicklung der rechten Gewalt ist nicht nur auf Schleswig-Holstein beschränkt. Im Jahr 2024 wurden in 12 von 16 Bundesländern insgesamt 3.453 rechts, rassistisch und antisemitisch motivierte Angriffe registriert, ein Anstieg um 24% im Vergleich zum Vorjahr. In absoluten Zahlen waren 4.861 Menschen von politisch motivierten Angriffen betroffen. Rassismus bleibt das häufigste Tatmotiv, während auch die Angriffe auf politische Gegner um 72% angestiegen sind.

Gesellschaftliche Auswirkungen und Handlungsbedarf

Die Zunahme von Gewalttaten gegen LGBTIQ* Menschen stieg um 40% auf 343 Fälle, was die Notwendigkeit für ein sicheres und respektvolles Miteinander unterstreicht. Die Beratungsstellen registrieren, dass ein Drittel mehr rechte Gewalttaten als von den Strafverfolgungsbehörden dokumentiert werden, was auf ein massives Missverhältnis in der Wahrnehmung und der Realität hinweist. Die Gesellschaft ist aufgerufen, diese Missstände aktiv zu bekämpfen und ein Zeichen gegen Diskriminierung und Gewalt zu setzen. In Neumünster wird beispielsweise die Jenny’s Bar als ein Ort beschrieben, an dem Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung willkommen sind – ein Lichtblick in einer zunehmend herausfordernden Zeit.

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