Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Schleswig-Holstein hat einen besorgniserregenden Höchststand erreicht. Mit 903 Fällen im Jahr 2025 überschreitet die Zahl die Werte der letzten Jahre und ist die höchste seit 2017. Besonders betroffen ist die Stadt Flensburg, die mit 46 Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr (19 Insolvenzen im Jahr 2024) einen dramatischen Anstieg verzeichnet. Auch die Kreise Pinneberg und Stormarn haben jeweils 100 Insolvenzen im vergangenen Jahr zu beklagen.
Die betroffenen Sektoren sind vielfältig, wobei das Baugewerbe mit 163 Insolvenzen an der Spitze steht. Gefolgt von Groß- und Einzelhandel mit 109 Insolvenzen und der Gastronomie, die 83 Insolvenzen meldet. Insgesamt sind mindestens rund 6.400 Arbeitnehmer von diesen Insolvenzen betroffen. Die Gründe sind vielschichtig und umfassen gestiegene Energie- und Arbeitskosten, die Rückzahlung von Coronahilfen sowie die weltpolitische Lage mit Kriegen, höheren Zöllen und der Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Im Vergleich zu 2015 mit 1.027 Insolvenzen und 2004 mit 1.516 Insolvenzen ist ein deutlicher Trend zu erkennen.
Schleswig-Holsteins wirtschaftliche Lage
Ab 2010 hat sich die Gesamtzahl der Betriebe in Schleswig-Holstein erhöht, was auf ein gewisses wirtschaftliches Wachstum hindeutet. Die IHK Schleswig-Holstein sieht das Bundesland im Vergleich zu anderen Bundesländern jedoch besser aufgestellt, bedingt durch den großen Branchenmix und die Vielzahl kleiner bis mittelgroßer Betriebe. Dennoch steht Schleswig-Holstein laut dem „Schuldenbarometer 2025“ bei Insolvenzen über dem Bundesdurchschnitt.
Wie der Insolvenzbericht des Amtsgerichts Flensburg zeigt, ist die R&L Software GmbH ein Beispiel für Unternehmen, die sich auf Insolvenzverwaltung spezialisiert haben. Sie bieten die Software ProInso an, die bei der Handhabung von Insolvenzverfahren unterstützen kann. Auf Plattformen wie insopedia.de sind Insolvenzinformationen und Gesetzestexte verfügbar, während das Bundesamt für Justiz die Website für Insolvenzbekanntmachungen bereitstellt. Diese Veröffentlichungen sind essenziell für Gläubiger und Beteiligte, um über die Insolvenzverfahren informiert zu bleiben.
Branchen im Fokus
Die betroffenen Branchen sind breit gefächert. Im Baugewerbe sind nicht nur Bauunternehmen betroffen, sondern auch Betriebe, die im Bereich Elektroinstallation oder Gas-, Wasser- und Heizungsinstallation tätig sind. Auch die Gastronomie, die Hotels und ähnliche Unterkünfte umfasst, ist stark betroffen. Im Handel leiden Unternehmen, die mit Kraftfahrzeugen oder Lebensmitteln handeln, unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen.
Zusätzlich zur Gastronomie und dem Baugewerbe sind auch andere Sektoren wie das verarbeitende Gewerbe, die Energieversorgung, die IT und Kommunikation sowie die Gesundheits- und Sozialbranche betroffen. Diese Vielfalt zeigt, dass die Herausforderungen, vor denen die Unternehmen in Schleswig-Holstein stehen, nicht auf einen einzelnen Bereich beschränkt sind. Die Entwicklung der Insolvenzfälle ist daher ein klarer Indikator für die wirtschaftliche Gesundheit des Landes und erfordert ein genaues Augenmerk auf die jeweiligen Branchen und ihre spezifischen Bedürfnisse.
Insgesamt ist die Situation alarmierend und erfordert ein strategisches Handeln, um die wirtschaftliche Stabilität in Schleswig-Holstein zu sichern. Die Kombination aus externen wirtschaftlichen Faktoren und internen Herausforderungen macht es notwendig, dass Unternehmen und politische Entscheidungsträger gemeinsam nach Lösungen suchen.