Am Montagabend, dem 12. Mai 2026, war der VIP-Raum des Stadions Lohmühle in Lübeck ein geschäftiger Ort. Hier fand eine Informationsveranstaltung des VfB Lübeck statt, bei der rund 85 Mitglieder zusammenkamen. Es ging um die geplante Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft – ein Schritt, der für viele mit gemischten Gefühlen verbunden ist. Die Atmosphäre war gespannt, aber auch aufgeladen mit einer Art Hoffnung, dass dieser Schritt notwendig ist, um den Verein vor einem finanziellen Kollaps zu retten. Schließlich hat der VfB Lübeck in den letzten 18 Monaten bereits zweimal einer Insolvenz entkommen.

Die Präsentation wurde von den Aufsichtsräten Detlef Meyer-Stender und Dennis Tensfeldt sowie dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Dieter Gudel geleitet. Dieser stellte klar, dass die Ausgliederung nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang sein könnte. Die Regionalliga-Mannschaft soll in ein Wirtschaftsunternehmen überführt werden, und zwar voraussichtlich als GmbH & Co. KGaA. “Wir behalten die Kontrolle”, betonte Dr. Gudel, was den Mitgliedern sichtlich Erleichterung verschaffte. Der Stichtag für die Ausgliederung ist der 1. Juli, und eine wichtige Entscheidung dazu wird auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Mitte Juni getroffen.

Ein Ausblick auf die nächsten Schritte

Die Gründung der VfB Lübeck Fußballspielbetrieb GmbH am 19. Januar war erst der Anfang. Der Verein bleibt alleiniger Gesellschafter der GmbH, was eine Übernahme durch Investoren ausschließt. Das Stadion bleibt im Eigentum des Vereins, und die GmbH übernimmt die Betriebskosten und kann das Stadion vermieten. Außerdem wird der Fanshop von der GmbH übernommen. Rund 100 Mitarbeiter sind beim Club beschäftigt, und deren Arbeitsverhältnisse werden aufgeteilt oder sie arbeiten für beide Seiten – eine Herausforderung, die noch zu meistern ist.

Ein besonders wichtiger Punkt ist die Satzungsänderung zur Ausgliederung, die eine einfache Mehrheit der Mitglieder erfordert. Ein wenig Druck liegt also auf den Schultern der Vorstandsmitglieder, denn die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, könnten die Zukunft des Vereins maßgeblich beeinflussen. Dr. Gudel äußerte sich positiv über die hohe Teilnehmerzahl und die angeregten Diskussionen. “Das zeigt, wie sehr die Mitglieder an der Zukunft des Vereins interessiert sind”, stellte er fest. Sebastian Rath wurde als Finanzexperte in den Vorstand berufen, eine Entscheidung, die sicherlich auch für frischen Wind sorgen wird.

Die emotionale Dimension der Ausgliederung

Aber was bedeutet das alles für die Fans? Fußball ist nicht nur ein Spiel; er ist tief in den Emotionen der Anhänger verwurzelt. Viele Fans befürchten, dass ihr Einfluss in einem ausgegliederten Verein abnehmen könnte, während der Einfluss von Investoren zunimmt. Die 50+1-Regel könnte hier eine gewisse Sicherheit bieten, indem sie sicherstellt, dass die Mehrheit der Stimmrechte beim Verein bleibt. Dennoch bleibt die Regel umstritten, und einige Clubs möchten sie aufheben, was auf Widerstand von Fangruppen stößt. Die Emotionen sind also nicht nur Teil des Spiels, sondern auch Teil des wirtschaftlichen Entscheidungsprozesses.

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Vor der Ausgliederung müssen zahlreiche Fragen geklärt werden: Welche Bereiche werden ausgegliedert? Wie werden die Mitarbeitenden integriert? Was ist mit rechtlichen und steuerlichen Fragen? Die Vorstandsmitglieder sind gefordert, hier transparent zu kommunizieren, um die Bedenken der Mitglieder auszuräumen. Der Ausgliederungsprozess könnte nicht nur die wirtschaftliche Stabilität des Vereins sichern, sondern auch die Gemeinnützigkeit bewahren – ein Punkt, der für viele Fans von großer Bedeutung ist.

Die nächste Informationsveranstaltung ist bereits für Ende Februar 2026 geplant. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Dinge entwickeln werden, und ob der VfB Lübeck seine Identität bewahren kann, während er sich in eine neue, wirtschaftlich tragfähige Zukunft aufmacht.