In Lübeck ist das Holstentor nicht nur ein Wahrzeichen, sondern auch ein beliebter Rückzugsort für Tauben. Diese gefiederten Mitbewohner haben es sich in den vielen Ecken und Nischen des historischen Bauwerks gemütlich gemacht. Doch das hat seine Tücken: Der Kot der Tauben beschädigt die Fassade des Weltkulturerbes und sorgt für einen anhaltenden Konflikt zwischen Naturschutz und Denkmalschutz. Ein echtes Dilemma, das nun mit einer interessanten Methode angegangen wird.
Die Stadt hat sich für ätherische Pfefferminz-Öle entschieden, um die Tauben zu vertreiben. An der Fassade des Holstentors stehen jetzt Schalen mit diesen Ölen, die als kurzfristige Lösung gedacht sind. Doch das ist nicht alles: Zusätzlich wird ein umweltfreundliches Vogelabwehrgel namens „Bird Free“ eingesetzt. Dieses Gel reflektiert UV-Licht, was für die Tauben wie eine brennende Kerze wirkt und sie dazu bringt, das Weite zu suchen. Lara Resthöft von der „Taubenhilfe“ sieht in dieser Strategie eine humane Alternative zu anderen Methoden wie Spikes oder elektrischen Abwehrsystemen. „Ehrlich gesagt, es ist einfach besser für die Tiere“, sagt sie.
Ein ganzheitlicher Ansatz
Die Stadt testet das Gel zunächst in einem bestimmten Bereich des Holstentors, und die Kosten für die Aktion belaufen sich auf 6.500 Euro. Langfristig wird jedoch auch eine andere Strategie gefordert: betreute Taubenschläge. Das wäre eine Möglichkeit, die Geburtenzahl der Tauben zu kontrollieren und somit das Problem auf eine nachhaltige Weise zu lösen. Die Grünfläche vor dem Holstentor wird zudem von Touristen als Picknickplatz genutzt, was den Tauben reichlich Nahrung bietet. Ein Teufelskreis!
Immer mehr Menschen setzen sich für eine tierfreundliche Lösung ein. Der Tierschutz Schleswig-Holstein plädiert dafür, die Taubenpopulation durch kontrollierte Schläge zu managen. In anderen Regionen, wie zum Beispiel am Schloss Eutin, gibt es solche Probleme nicht. Ein stetiger Wind sorgt dort dafür, dass die Vögel nicht nisten können. Kurios, oder? An Orten wie Schloss Plön und Schloss Glückstadt bleibt der Taubenkot ebenfalls aus. Irgendwie scheint das ganze Taubenproblem also auch eine Frage der Geografie zu sein.
Was tun im Notfall?
Falls man jedoch einmal auf eine verletzte Taube trifft, ist schnelle Hilfe gefragt. Sichern Sie das Tier in einem Karton mit Luftlöchern oder in einer Transportbox. Alternativen sind auch Jute-Beutel oder einfach die bloßen Hände – aber bitte keine Panik! Wasser oder Futter sollten erst angeboten werden, wenn man sicher ist, dass es wirklich hilfreich ist. Flößen Sie dem Vogel nichts ein, das kann lebensgefährlich sein. Transportieren Sie das Tier zu einer Pflegestelle in Lübeck oder Umgebung, wie Bad Oldesloe oder Neumünster. Dort kümmern sich Fachleute um die gefiederten Patienten.
Gibt es also eine perfekte Lösung für das Taubenproblem in Lübeck? Vielleicht nicht. Aber die Stadt ergreift zumindest Maßnahmen, die sowohl die Tiere schützen als auch das historische Erbe bewahren. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Situation am Holstentor weiterentwickelt. Und vielleicht gibt es ja bald eine harmonische Koexistenz von Mensch und Taube – ganz ohne großes Drama.