Heute ist der 26.05.2026 und die Stadt Lübeck ist im Aufbruch. Unter der St. Marien-Kathedrale, dem stolzen Wahrzeichen der Altstadt, wird gegraben. Archäologen sind vor Ort und graben sich durch die Schichten der Geschichte. Der Chef-Archäologe Dirk Rieger beschreibt die Entdeckung als „absoluten Glücksfall“. Wer hätte gedacht, dass die Sanierungsarbeiten an der Kathedrale, die seit über 100 Jahren eine Fußbodenheizung braucht, so spannende Geheimnisse ans Licht bringen würden?

Im Altarraum wurden die Überreste einer romanischen Basilika aus dem frühen 13. Jahrhundert entdeckt. Diese Kirche, die nur etwa 20 bis 30 Jahre an diesem Ort stand, könnte noch tiefere Wurzeln haben. Es wird spekuliert, dass die Reste der Lübecker Gründungskirche darunter verborgen sein könnten. St. Marien, die auf dem höchsten Punkt der Altstadtinsel steht, ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein wichtiges Stück Lübecker Geschichte. Die älteste Kirche der Hansestadt wurde bereits Ende des 12. Jahrhunderts schriftlich erwähnt, doch archäologisch war sie bisher ein Phantom.

Auf den Spuren der Geschichte

Die archäologischen Arbeiten sind nicht nur ein Zufall, sie sind Teil einer größeren Sanierung, die insgesamt etwa 28 Millionen Euro kosten wird und voraussichtlich drei Jahre dauert. Die Hälfte der Kosten übernimmt der Bund, während die andere Hälfte durch lokale Institutionen und Bürger aufgebracht wird. Allerdings fehlen noch über zwei Millionen Euro – ein kleiner finanzieller Wermutstropfen in dieser aufregenden Zeit.

Besucher haben aktuell die Möglichkeit, die freigelegten Fundamente der romanischen Basilika sowie die Grüfte zu besichtigen, in denen einst reiche Hanse-Kaufleute ihre letzte Ruhe fanden. Die Ausgrabungen haben auch Freskenmalereien, Inschriften aus dem 17. Jahrhundert und sogar die Grabplatte eines früheren Bürgermeisters zutage gefördert. All diese Funde werden sorgfältig dokumentiert und für zukünftige Forschungen gesichert. Es ist schon jetzt klar: Lübecks Boden birgt Schätze, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

Ein Schatz der Vergangenheit

Das Besondere an dieser Entdeckung ist die Verbindung zur Backsteingotik. St. Marien wird als „Mutterkirche der Backsteingotik“ in der Region bezeichnet und zieht nicht nur Gläubige, sondern auch Geschichtsinteressierte an. Die Türme der Kathedrale, die mit 125 Metern in den Himmel ragen, sind ein fester Bestandteil des Lübecker Stadtbildes. Sie erzählen von einer Zeit, als Lübeck auf dem Höhepunkt seiner Blüte stand.

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Die Denkmalpflege in Lübeck hat eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Bürgermeister Karl Ludwig Roeck war ein Pionier in der Frage des Denkmalschutzes und setzte sich frühzeitig für den Erhalt des kulturellen Erbes ein. Auch heute noch ist Lübeck ein Zentrum der Stadtarchäologie und die Altstadt, die zum UNESCO-Welterbe gehört, ist ein besonders geschützter Bereich.

Mit weiteren Grabungen, die für Ende 2026 und Anfang 2027 geplant sind, könnte es der Stadt gelingen, die älteste Kirche Lübecks zu entdecken. Vielleicht wird auch das Geheimnis um die Marktkirche, die um 1160 erwähnt wurde, gelüftet. Wer weiß? Die Geschichte hat noch viele Überraschungen parat, und Lübeck ist bereit, sie zu enthüllen.