Heute, am 23. Mai 2026, sind die Straßen von Lübeck lebendig und erfüllt von Musik. Das Ensemble Pygmalion, unter der inspirierenden Leitung von Dirigent Raphaël Pichon, hat sich auf eine außergewöhnliche Pilgerreise begeben, die nicht nur die Füße, sondern auch die Herzen der Teilnehmer bewegt. Diese Wanderschaft ist mehr als nur ein Weg von Wolfenbüttel nach Lübeck; sie ist eine Hommage an Johann Sebastian Bach und sein Erbe. Ja, es geht um die Musik, aber auch um das Menschliche, das im Zusammenspiel von Bewegung und Melodie entsteht.
Die Reise, die vor zehn Tagen begann, führt über insgesamt 150 Kilometer – und heute stehen etwa 15 Kilometer von Bienenbüttel nach Lüneburg auf dem Programm. Pichon betont, wie wichtig es ist, sich auf den Weg zu machen, um Bach näherzukommen. „Die Bewegung ist Teil der Erfahrung“, sagt er. Es ist nicht einfach nur ein Marsch; es ist eine ständige Suche nach dem, was Bach uns sagen möchte. Und das spiegelt sich auch in der Auswahl der Aufführungsorte wider. Hier wird Barockmusik nicht in großen Hallen, sondern an kleinen, intimen Orten wie dem Kloster Lüne gespielt, wo die Zuhörer direkt in die Klangwelt eintauchen können.
Die Wege Bachs
Die Konzerte, die Pygmalion in den nächsten Tagen präsentieren wird, sind Teil der Konzertreihe „Die Wege Bachs“. Vom 23. bis 25. Mai finden diese Aufführungen in Lüneburg statt, und am 30. Mai steht ein Konzert im Lübecker Dom an. Dabei wird das Ensemble Pygmalion zusammen mit dem norddeutschen Kammerorchester ensemble reflektor auftreten, um eine Brücke zwischen Bach und Richard Strauss zu schlagen. Ein echtes Highlight wird das Konzert in der St. Michaeliskirche am Pfingstmontag sein, bei dem Werke von bekannten Komponisten wie Gabrieli, Monteverdi und Schütz erklingen werden.
Die Idee, Bach nachzuspüren, hat eine historische Dimension. Im Jahr 1705 reiste der junge Bach, damals gerade 20 Jahre alt, mehr als 400 Kilometer von Arnstadt nach Lübeck, um den großen Dietrich Buxtehude zu treffen. Diese Reise war für ihn eine künstlerische Erweckung, und Pichon und seine Musiker versuchen, diesen Geist der Entdeckung und des Lernens nachzuvollziehen. „Es ist eine ständige Suche nach technischer und interpretatorischer Verbesserung“, beschreibt die Sängerin Alice Foccroulle den Prozess.
Ein musikalisches Erlebnis für alle
Das große Finale der Pilgerreise findet in Form von zwei Konzerten in Lübeck statt: am 29. und 30. Mai in der St.-Jakobi-Kirche und im Lübecker Dom. Geplant sind Aufführungen von Buxtehudes „Membra Jesu Nostri“ und Bachs beeindruckender h-Moll-Messe. Das ist nicht nur ein Fest für die Ohren, sondern auch für die Seele – und das Ticketangebot ist sehr kinderfreundlich, was die Zugänglichkeit für junge Zuhörer fördert.
Rund 80 Künstlerinnen und Künstler sind an diesem beeindruckenden Projekt beteiligt, das nicht nur Musizierende, sondern auch die Zuhörer in eine besondere Gemeinschaft eintauchen lässt. Man kann sich leicht vorstellen, wie die Klänge der Barockmusik durch die Straßen hallen, während die Musiker die letzten Etappen ihrer Reise zurücklegen. Die Vorfreude auf die Konzerte ist förmlich greifbar, und die Kombination aus Bewegung und Musik schafft ein ganz besonderes Erlebnis.
Für alle, die dabei sein möchten: Die Karten sind an bekannten Verkaufsstellen und an der Abendkasse erhältlich. Egal, ob man ein eingefleischter Bach-Fan oder einfach nur neugierig ist – diese Reise verspricht eindrucksvolle Momente und eine ganz neue Sicht auf die Musik, die uns Jahrhunderte später noch immer berührt.