In Kiel weht ein anderer Wind. Die Stimmung ist angespannt, und das nicht ohne Grund. Der THW Kiel, einst als „FC Bayern des deutschen Handballs“ gefeiert, hat in dieser Saison einen herben Rückschlag erlitten. Nach einer langen und glorreichen Zeit, in der der Klub insgesamt 23 Titel in der Bundesliga errang, wird die Saison 2025/26 nun als misslungen betrachtet. Erstmals seit 33 Jahren wird der THW nicht in europäischen Wettbewerben vertreten sein – eine bittere Pille für die Fans und Spieler.
Am Sonntag steht das nächste wichtige Spiel gegen den TBV Lemgo Lippe an, bei dem es darum geht, Platz 5 zu verteidigen. Die Füchse Berlin, die sich mit der Vizemeisterschaft geschmückt haben, haben die Tür zur European League für Kiel endgültig zugeschlagen. Lediglich ein Verzicht des Bergischen HC auf sein Startrecht könnte Kiel noch ein wenig Hoffnung geben – doch das gilt als ziemlich unwahrscheinlich. Die EHF hat sogar die Möglichkeit eines Wildcard-Upgrades für Kiel als äußerst gering eingeschätzt. Wenn man bedenkt, dass Kiels letzte Meisterschaft in der Saison 2022/23 liegt, ist das nicht gerade ein beruhigendes Gefühl.
Ein Rückblick auf die letzten Spiele
Die Situation eskalierte, als Kiel am 10. Mai 2026 ein Heimspiel gegen die Füchse Berlin verlor – das Ergebnis: 28:35. Die Zuschauer in der Merkur-Ostseehalle, die sich mit 10.000 Fans versammelten, sahen eine Mannschaft, die trotz aller Bemühungen nicht ins Spiel fand. Harald Reinkind war der beste Werfer des THW mit 7 Toren, doch auch das half nicht, die Berliner in Schach zu halten. Mathias Gidsel von den Füchsen übertraf ihn mit 8 Toren und Torwart Dejan Milosavljev glänzte mit 15 Paraden.
Trainer Filip Jicha war sichtlich betroffen, als er nach dem Spiel sagte, dass das Resultat nicht den Spielverlauf widerspiegelt. Dennoch musste er die Stärke der Füchse anerkennen. Die Kieler Mannschaft war ersatzgeschwächt, sodass Emil Madsen und Elias Ellefsen á Skipagötu fehlten – ein herber Verlust, wenn man bedenkt, wie entscheidend solche Spieler in engen Duellen sein können. Nikola Bilyk und Eric Johansson waren zwar wieder im Einsatz, doch das reichte nicht, um die Überlegenheit der Berliner zu brechen.
Die Geschichte des THW Kiel
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der THW Kiel eine lange und ruhmreiche Geschichte hat. Gegründet im Jahr 1904, kann der Verein auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. Bereits 1948 und 1950 wurde die deutsche Meisterschaft im Feldhandball gewonnen. Nach der Gründung der Handball-Bundesliga 1966 war THW Kiel von Anfang an dabei und hat sich seitdem als fester Bestandteil der Liga etabliert. Mit 49 nationalen Titeln ist der Verein der erfolgreichste im Hallenhandball.
Die Heimspiele des THW Kiel finden in der Merkur-Ostseehalle statt, die Platz für 10.250 Zuschauer bietet. Die leidenschaftlichen Fans sorgen stets für eine einzigartige Atmosphäre. Doch in dieser Saison war die Stimmung oft angespannt. Der Klub, der in den letzten Jahren mehrfach Meisterschaften und Pokale gewann, muss sich nun einer neuen Realität stellen. Vielleicht wird das Klub-Motto „Wir sind Kiel“ bald überdacht werden müssen, um die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, besser zu reflektieren.
Die Zukunft des THW Kiel bleibt ungewiss, aber die Hoffnung auf bessere Zeiten ist ungebrochen. Die Geschichte des Vereins, die von Höhen und Tiefen geprägt ist, zeigt, dass auch Rückschläge zum Sport dazugehören. Und so wird man gespannt auf das nächste Kapitel warten, das dieser traditionsreiche Klub schreiben wird.