Die Welt dreht sich, und die Preise für Lebensmittel schießen in die Höhe – ein Phänomen, das nicht nur die Supermarktregale betrifft, sondern auch die Gärten in Schleswig-Holstein. Immer mehr Menschen greifen zur Schaufel und setzen auf den Selbstanbau. Die Gründe sind vielfältig: hohe Energiekosten, eine unsichere weltpolitische Lage, Fachkräftemangel und Missernten durch den Klimawandel. Diese Faktoren treiben die Verbraucher dazu, die eigenen vier Wände zu verlassen und sich auf die Suche nach einem kleinen grünen Paradies zu machen. Und das findet momentan vielerorts in den Kleingärten Schleswig-Holsteins statt.

Besonders im Hamburger Umland ist die Nachfrage nach diesen Schrebergärten nach wie vor enorm, selbst wenn der Corona-Hype verblasst ist. Laut Thomas Kleinworth, dem Geschäftsführer des Landesverbands der Kleingartenvereine, bietet der eigene Anbau nicht nur eine Möglichkeit, Geld zu sparen, sondern auch eine Chance, sich mit der Natur zu verbinden. Immer mehr Familien und Zugewanderte aus etwa 80 Nationen entdecken die Vorzüge der Gärten und bringen eine bunte Vielfalt in den Anbau, insbesondere im Gemüsebereich. Die Themen Wasserspeicherung und klimaangepasste Pflanzen werden dabei immer wichtiger – schließlich müssen wir uns den Herausforderungen durch Wetterextreme wie Starkregen und Trockenphasen stellen.

Ein Boom in den Gärten

Aktuell sind rund 30.000 Kleingärtner in Schleswig-Holstein aktiv, und die Wartelisten in einigen Regionen sind lang. Ein Trend, der sich auch in ganz Deutschland zeigt: Der Eigenanbau von Obst und Gemüse wird bis 2026 auf einen Höhepunkt zusteuern. Inzwischen gärtnern 38% der deutschen Haushalte regelmäßig zur Selbstversorgung – ein Anstieg von 24% im Vergleich zu 2019. Die Preise für frische Bio-Produkte, beispielsweise für Tomaten, sind im Februar 2026 zwischen 4,90 und 6,80 Euro pro Kilo angesiedelt. Im Vergleich zum Jahr 2021, als diese noch bei 2,80 bis 3,90 Euro lagen, ist das eine heftige Steigerung!

Die Verbraucherzentrale empfiehlt daher verstärkt den Selbstanbau als Sparmaßnahme. Wer einen 200 m² großen Garten hat, kann über 35% seines Jahresbedarfs an Frischgemüse selbst produzieren und damit ordentlich Geld sparen – zwischen 380 und 540 Euro pro Saison durch den Anbau von Tomaten allein! Und mit einem Gewächshaus wird die Gemüsesaison sogar von fünf auf bis zu acht Monate verlängert. Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein, oder? Für eine kleine Familie ist ein Gewächshaus mit etwa 6 bis 8 m² die richtige Größe, um alles Nötige anzubauen und vielleicht sogar den Nachbarn zu beglücken.

Die Herausforderungen des Anbaus

Doch so einfach ist es nicht immer. Regelmäßige Pflege erfordert Zeit und Engagement, und die strengen Regeln für die Nutzung der Kleingärten machen es nicht einfacher. Hohe Ablösesummen für bestehende Gartenhäuser können anfallen, und die Geduld der Neugärtner wird oft auf die Probe gestellt. Lange Wartezeiten für neue Parzellen sind keine Seltenheit. In Städten wie Lübeck, Flensburg und Schleswig stehen Kleingärten unter Flächendruck durch zunehmenden Wohnungsbau. Der Städteverband Schleswig-Holstein hebt jedoch hervor, wie wichtig Kleingärten für interkulturellen Austausch, soziale Integration und Biodiversität sind – eine wichtige Funktion, die in unserer schnelllebigen Zeit nicht zu unterschätzen ist.

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In diesem Zusammenhang ist es auch interessant zu erwähnen, dass Urban Gardening immer mehr an Bedeutung gewinnt. Auf Balkonen und kleinen Flächen blühen Kräuter, Salate und Tomaten in Kübeln und Hochbeeten. Diese Form des Anbaus fördert Familienaktivitäten und das Bewusstsein für die Umwelt. Die Gemeinschaftsgärten, die in vielen Stadtteilen entstehen, bieten eine Plattform für gemeinsamen Anbau und stärken den sozialen Austausch. Wer hätte gedacht, dass man im eigenen Viertel so viel frisches Gemüse ernten kann?

Selbstversorgung ist also nicht nur ein Trend, sondern ein Weg, der viele Vorteile mit sich bringt. Es geht nicht nur darum, Geld zu sparen oder die Gesundheit zu fördern, sondern auch um das Gefühl, etwas Eigenes zu schaffen, zu wachsen und zu gedeihen. Der Selbstversorger-Boom in Schleswig-Holstein und darüber hinaus zeigt, dass die Rückkehr zum eigenen Garten eine wirtschaftlich kluge Entscheidung ist – und vielleicht auch eine kleine Flucht aus dem hektischen Alltag.

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