Heute ist der 12.05.2026 und die Luft in Rohrbach ist angespannt. Hier findet am Mittag eine wichtige Betriebsversammlung bei Festo statt, die so manch einem in der Region auf den Magen schlägt. Geschäftsführer Thomas Böck wird persönlich anwesend sein, um über die Zukunftsstrategie des Unternehmens zu informieren. Doch die Stimmung ist alles andere als rosig. Vor wenigen Tagen kündigte Festo an, dass deutschlandweit 1.300 Stellen im Rahmen eines umfassenden Transformationsplans abgebaut werden sollen. Die Verunsicherung unter den Mitarbeitenden, besonders im Saarland, ist spürbar.
Selbstverständlich herrscht große Unklarheit darüber, welche Auswirkungen die Maßnahmen konkret auf die drei Standorte in St. Ingbert haben werden. Die Belegschaft ist alarmiert – der Konzernbetriebsrat berichtet von einer tiefen Sorge, die durch die unsichere Lage noch verstärkt wird. In den SR info Nachrichten wird dieses Thema ebenfalls aufgegriffen, und die Berichterstattung verspricht, die Gemüter weiter zu bewegen. Es bleibt abzuwarten, wie die Versammlung heute verlaufen wird und ob es erste Ansätze zur Klärung gibt.
Geopolitische Herausforderungen
Um die Hintergründe zu verstehen, muss man sich mit den Herausforderungen auseinandersetzen, denen sich Festo gegenübersieht. Geopolitische Konflikte, wirtschaftspolitische Spannungen und der steigende Wettbewerbsdruck, insbesondere aus Asien, setzen dem Unternehmen zu. Festo, bekannt für seine Steuerungs- und Automatisierungstechnologien, ist in wichtigen Branchen wie der Nahrungsmittelindustrie, Automobilindustrie und Medizintechnik tätig. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, ein globales Transformationsprogramm zu starten, um jährlich 200 Millionen Euro einzusparen. Diese Maßnahmen sind Teil einer Strategie, die darauf abzielt, die Effizienz zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Aktuell beschäftigt Festo in Deutschland 8.200 Mitarbeitende an den Standorten Esslingen-Berkheim, Scharnhausen und Rohrbach. Nach dem angekündigten Stellenabbau wird die Belegschaft in Deutschland um 16 Prozent reduziert werden. Es gibt jedoch keine Pläne zur Schließung der drei Standorte, was zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer darstellt. Die genaue Verteilung der Stellenstreichungen bleibt bislang unklar, und die Belegschaft fragt sich, wo die ersten Einschnitte zu spüren sein werden.
Die Reaktionen der Arbeitnehmervertretung
Die IG Metall hat sich bereits deutlich zu Wort gemeldet und bezeichnet die Maßnahmen als überraschend und besorgniserregend. Diese Bedenken sind nicht unbegründet, denn die Unsicherheit über die eigenen Arbeitsplätze schwebt wie ein Damoklesschwert über den Mitarbeitenden. Die Kommunikation zwischen Unternehmensführung und Konzernbetriebsrat läuft seit mehreren Monaten, doch das Gefühl der Ohnmacht bleibt. Thomas Böck, der seit Anfang 2024 an der Spitze von Festo steht, betont zwar die Bedeutung des Standorts Deutschland, doch die Realität sieht anders aus.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass der Umsatz von Festo 2022 um 3,7 Prozent auf etwa 3,33 Milliarden Euro gesunken ist – der dritte Rückgang in Folge. Das Unternehmen hat sich geschworen, das Umsatzniveau von 2022 schnellstmöglich wieder zu erreichen und nachhaltig zu wachsen. Bis Ende 2025 plant Festo, weltweit rund 20.600 Menschen zu beschäftigen. Diese ambitionierten Ziele stehen jedoch in starkem Kontrast zu den aktuellen Herausforderungen und der damit verbundenen Personalreduktion.
Es bleibt spannend, wie die Belegschaft auf die heutigen Informationen reagieren wird und welche weiteren Schritte das Unternehmen unternehmen wird, um die Wogen zu glätten. Die Zukunft von Festo in Rohrbach und darüber hinaus liegt in der Schwebe, während die Mitarbeitenden auf Antworten warten.