Die Zukunft der alten Saatgutsorten: Tradition trifft auf Innovation in Neunkirchen
Heute ist der 1.07.2026 und während sich die Welt draußen in schweißtreibende Sommerhitze hüllt, bleibt die Diskussion um die Zukunft der alten Saatgutsorten in Österreich frisch und lebendig. Im Bezirk Neunkirchen, wo Tradition und Innovation aufeinanderprallen, wird derzeit viel über die bevorstehende EU-Reform der Saatgutgesetze gesprochen. Die Pläne zur Vereinheitlichung dieser jahrzehntealten Gesetzgebung könnten frischen Wind in die heimische Vielfalt bringen, die von kleinen Züchtern und engagierten Initiativen gehegt und gepflegt wird.
Doch nicht alles, was neu ist, bringt auch Gutes mit sich. Kritiker äußern Bedenken, besonders in Bezug auf die neue Gentechnikverordnung. Diese soll es ermöglichen, Patente auf bestimmte Eigenschaften von Saatgut zu beantragen. Ein Schritt, der viele in der heimischen Bio-Landwirtschaft vor Herausforderungen stellt. Im Sortenerhaltungsgarten der Landwirtschaftlichen Fachschule Warth wird dieser Umstand besonders spürbar. Hier, zwischen alten Obstbäumen, die Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen, arbeiten Schüler und Lehrer Hand in Hand mit der Stadtbibliothek Neunkirchen, um samenfeste Sorten zu vermehren.
Die Helden der alten Sorten
Ein wahrer Pionier in dieser bewegten Landschaft ist Karl Bruckmüller aus Neunkirchen. Seit über 50 Jahren bringt er die Paradeissorte Kremser Perle zum Blühen. Mit einer Hingabe, die fast schon nostalgisch anmutet, zieht er auch die Paprika-Sorte Neusiedler Ideal auf. Alte Obstsorten haben zwar optische Nachteile – sie werden nicht so schnell braun wie die modernen Varianten – doch ihre Reinheit und der volle Geschmack sind unvergleichlich. Hans Rasner, ein Bio-Landwirt aus Natschbach, führt das Wort weiter und klagt über die Schwierigkeiten, alte Getreidesorten wie den Waldstreuroggen zu finden. „Die sind einfach gesünder und witterungsbeständiger“, sagt er mit einem Funkeln in den Augen.
Emmers Einkorn, ein Urgetreide, das in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat, wird von vielen als die Antwort auf die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft angesehen. Die Nahrungsmittelproduktion steht vor vielen Fragen, und alte Sorten bieten oft die Lösungen, die wir brauchen.
EU-Pläne und ihre Auswirkungen
Auf EU-Ebene wird die Reform der Saatgutmarktrichtlinien diskutiert, und es gibt Bestrebungen, die geltenden Richtlinien in einer verbindlichen Verordnung für alle Mitgliedstaaten zusammenzufassen. Die Bundesregierung hat auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis90/Die Grünen reagiert und die Auswirkungen der geplanten Reform auf alte Sorten und regionales Wildpflanzensaatgut thematisiert. Es wird eine Ausnahmeregelung für die Erhaltungsarbeit vorgeschlagen. Das heißt, das Inverkehrbringen von Vermehrungsmaterial wäre möglich, sofern es mit einem Etikett gekennzeichnet und in den Registern der Organisationen zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen gelistet ist. Eine Idee, die zwar auf den ersten Blick vielversprechend klingt, aber in der Praxis noch viele Fragen aufwirft.
Die Bundesregierung befürwortet diesen Vorschlag, doch die Verhandlungen zeigen, dass es dafür keine Mehrheiten gibt. Man setzt sich in den EU-Ratsverhandlungen dafür ein, den Austausch von Pflanzenvermehrungsmaterial zwischen Landwirten zu erhalten. Ein Ansatz, der zeigt, dass man sich der Vielfalt der Landwirtschaft bewusst ist, aber auch die Herausforderungen sieht, die mit neuen Regelungen einhergehen.
So bleibt die Diskussion lebendig, und während sich die Felder in Neunkirchen grün färben, wird die Zukunft der alten Sorten weiterhin in leidenschaftlichen Gesprächen und Projekten gestaltet. Die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft wird hier tagtäglich erlebbar – eine Einladung, die Vielfalt der Natur zu schätzen und zu bewahren. Wer weiß, vielleicht wird der nächste Sommer die Zeit sein, in der alte Sorten wieder im Rampenlicht stehen – als die wahren Stars der Landwirtschaft.
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