In Speyer, einer Stadt, die von Geschichte und Charme geprägt ist, wurde am Mittwochabend, dem 20. Mai 2026, ein 54-jähriger Pedelec-Fahrer von der Polizei kontrolliert. Es war gegen 19.40 Uhr, als die Beamten im Bereich des Domgartens auf den Mann trafen. Der Atemalkoholgeruch war sofort wahrnehmbar – eine unangenehme Mischung aus hopfigem Bier und einer gewissen Unbekümmertheit. Ein Atemalkoholtest offenbarte dann einen Wert von 1,62 Promille. Das ist schon eine Hausnummer!
Der Fahrer selbst war nicht gerade zurückhaltend mit seinen Erklärungen. Im Laufe des Tages hatte er sich mit zwölf Bieren und zwei Jacky-Cola in einen Zustand versetzt, der für jeden anderen einen klaren Alarm hätte auslösen müssen. Die Polizei reagierte umgehend, sicherte das Pedelec und entnahm dem Mann eine Blutprobe. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet – da kann man sich schon denken, dass die nächsten Tage nicht gerade angenehm werden.
Die rechtlichen Hintergründe
Doch was genau bedeutet das für Pedelec-Fahrer in Deutschland? Die aktuelle Promillegrenze für Rad- und Pedelecfahrende liegt bei 1,6 Promille. Ab diesem Wert drohen ernsthafte Strafen, die von Geld- oder sogar Freiheitsstrafen bis hin zum Führerscheinentzug reichen können. Und das, obwohl Fahrräder und Pedelecs rechtlich nicht als Kraftfahrzeuge gelten! Das sorgt immer wieder für Diskussionen.
Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hat kürzlich gefordert, die Alkoholgrenzwerte für E-Bikes und E-Scooter differenzierter zu betrachten. Die bestehenden Regelungen scheinen nicht mit der Gefährlichkeit der verschiedenen Fortbewegungsmittel übereinzustimmen. Während für Fahrräder und Pedelecs mit Tretunterstützung bis 25 km/h eine Grenze von 1,6 Promille gilt, müssen S-Pedelecs und E-Scooter bereits ab 0,5 Promille mit Ordnungswidrigkeiten rechnen.
Ein Anstieg der Unfälle
Die Zahlen sprechen für sich: In den letzten Jahren ist die Zahl alkoholbedingter Unfälle unter Radfahrenden in Deutschland gestiegen. Über 5100 solcher Unfälle wurden 2024 registriert – ein Drittel aller alkoholbedingten Verkehrsunfälle! Besonders betroffen sind Pedelec-Nutzer. Dabei ist Alkohol ein echter Spielverderber: Er beeinträchtigt die Reaktionszeit, das Gleichgewicht und das Urteilsvermögen. Studien zeigen, dass bereits bei Werten von 0,8 bis 1,1 Promille die Fahrfähigkeit stark reduziert ist.
Die Prognosen der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen sind alarmierend. Ein Anstieg der Unfälle mit Personenschaden und Verkehrstoten wird bis 2025 um rund 2 % prognostiziert. ADFC und andere Verkehrssicherheitsorganisationen weisen darauf hin, dass viele Unfälle besonders an Kreuzungen oder außerhalb von Ortschaften geschehen – oft aufgrund mangelhafter Infrastruktur. Die Diskussion um strengere Regelungen, wie etwa einen 1,1-Promille-Grenzwert, wird immer lauter.
Und was denken die Menschen darüber? Eine Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrats zeigt, dass 90 % der Befragten Geldbußen bei alkoholisiertem Radfahren unterstützen, während etwa 30 % ein absolutes Alkoholverbot fordern. Ein Schritt in die richtige Richtung? Vielleicht. Aber die Herausforderungen, die sich aus der steigenden Zahl von Unfällen ergeben, sind noch lange nicht überwunden.