Heute ist der 29. Mai 2026, und im Rheintal in Baden-Württemberg tut sich einiges – vor allem in Bezug auf die Schilf-Glasflügelzikade. Diese kleinen, fliegenden Insekten sind anscheinend auf dem Vormarsch. Der amtliche Pflanzenschutzdienst hat bereits Notfallgenehmigungen für Insektizide freigegeben, um den Landwirten in den betroffenen Regionen unter die Arme zu greifen. Besonders die Rheinebene, Kraichgau, Strohgäu, Heckengäu, Stromberg, Unterland, der Raum Backnang/Waiblingen und die Filderebene sind betroffen. Aber auch in Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz sind ähnliche Warnmeldungen eingegangen. Hier sind Insektizide ebenfalls erlaubt, um die Ernte zu schützen.
Die Schilf-Glasflügelzikade, oder wie sie wissenschaftlich genannt wird, Pentastiridius leporinus, stellt eine ernsthafte Bedrohung für Zuckerrüben und Kartoffeln dar. Sie überträgt das Proteobakterium „Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus“ und das Phytoplasma „Candidatus Phytoplasma Solani“, die alles andere als harmlos sind. Während das erste für das Syndrom der niedrigen Zuckergehalte (SBR) verantwortlich ist, führt das zweite zur gefürchteten Stolbur-Krankheit. Das Ergebnis? Hohe Qualitäts- und Ertragsverluste. Die Landwirte sollten also ein waches Auge auf ihre Felder haben und selbst entscheiden, wann eine Behandlung nötig ist.
Ein Blick auf die Biologie der Zikade
Die Biologie und Mobilität der Zikade machen die Bekämpfung zu einer echten Herausforderung. Die Zikade fliegt in mehreren Wellen über die gesamte Vegetationsperiode, und die Übertragung der Erreger erfolgt rasend schnell. Man kann sich vorstellen, dass die Nymphen im Boden überwintern und sich dann an den Wurzeln von Winterkulturen zu schaffen machen. Das sorgt dafür, dass die Zikade nicht nur lokal, sondern auch regional immer mehr Verbreitung findet. Um die Situation besser zu verstehen, erfolgt deutschlandweit ein Monitoring, das von Mai bis August den Zikadenzuflug auf Zuckerrüben-, Kartoffel- und Gemüseanbauflächen erfasst. Wöchentlich werden zwei PAL-Fallen an den Boniturstandorten aufgestellt. So sollen regionale Flughöhepunkte bestimmt werden, wobei die Daten öffentlich zugänglich sind – für die, die sich anmelden.
Die Schilf-Glasflügelzikade ist nicht nur ein Problem für die Zuckerrüben, sondern auch für Kartoffeln, die seit 2021 als Wirtspflanze fungieren. Auch andere Gemüsekulturen wie Rote Bete, Karotten und Zwiebeln sind vom Befall bedroht. Das sorgt nicht nur für Ärger unter den Landwirten, sondern auch für einen stetigen Druck, Lösungen zu finden. Leider gibt es momentan keine regulär zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung der Zikade. Immerhin: Notfallzulassungen für einige Mittel sind für 120 Tage möglich. Der Einsatz von Flächenwahl und Schutznetzen könnte helfen, die Pflanzen zu schützen.
Der Weg nach vorne
Die Forschung zur Schilf-Glasflügelzikade ist in vollem Gange, unterstützt durch das BMLEH und das Julius Kühn-Institut. Ein integrativer Ansatz mit Fruchtfolge, pflanzenbaulichen Maßnahmen und dem gezielten Einsatz von Insektiziden wird empfohlen. Der Verzicht auf Wintergetreide nach Zuckerrüben und Kartoffeln könnte die Befallsrate mindern. Der Schlüssel liegt in der Entwicklung resistenter und toleranter Sorten, wobei derzeit leider noch keine verfügbar sind. Die Landwirte stehen vor einer anspruchsvollen Aufgabe, und es bleibt abzuwarten, welche effektiven Bekämpfungsstrategien in den kommenden Jahren entwickelt werden können. Die Lage bleibt angespannt, und die Zikade ist sicherlich ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird.
Insgesamt zeigt sich, dass die Landwirtschaft in Deutschland vor vielen Herausforderungen steht. Die Schilf-Glasflügelzikade ist nur eine von vielen Bedrohungen, die es zu bewältigen gilt. Aber mit der richtigen Beobachtung und den geeigneten Maßnahmen können die Landwirte hoffentlich auch diese Hürde meistern.