Die Energiewende in Thüringen nimmt endlich Formen an – und zwar mit einem Gesetz, das für frischen Wind in den Gemeinden sorgen könnte. Ab Juli 2024 müssen Betreiber neuer oder repowerter Windkraftanlagen den Kommunen 0,2 Cent pro erzeugte Kilowattstunde bezahlen. Das klingt ja schon mal nach einer fairen Sache, oder? Schließlich sollen die Anwohner, die direkt von den Windanlagen betroffen sind, auch etwas von der grünen Energie haben. Doch die Realität sieht oft anders aus.
Im Saale-Orla-Kreis, wo mehr als 70% des Stroms aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird – was über dem Landesdurchschnitt liegt – ist die lokale Beteiligung an diesen Projekten erstaunlich gering. Irgendwie paradox, oder? Auch wenn dort 0,4% der Fläche als Windvorranggebiete ausgewiesen sind, sind in den letzten zwei Jahren keine neuen Windkraftanlagen hinzukommen. Die wenigsten Gemeinden profitieren von der Energiewende, da die meisten Anlagen auf privatem Grund stehen und somit den Eigentümern zugutekommen. Das führt zu einer gewissen Frustration unter den Bürgern.
Die Rolle der Gemeinden
Ein weiteres Problem ist, dass viele Thüringer, insbesondere im ländlichen Raum, nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um sich an Energiegenossenschaften zu beteiligen. Das ist ein bisschen wie ein Teufelskreis: Ohne Beteiligung keine Akzeptanz, ohne Akzeptanz keine neuen Projekte. Bürgermeister Tino König (CDU) hat das erkannt und setzt sich für eine dezentrale Energiewende ein, um Wertschöpfung in die ländlichen Regionen zurückzubringen. Regine Kanis von der SPD hebt hervor, wie wichtig es ist, die Bevölkerung in die Energiewende einzubeziehen. Es geht schließlich nicht nur um die Technik, sondern auch um die Menschen, die damit leben müssen.
Eine Delegation aus dem Saale-Orla-Kreis hat sich im April im Rhein-Hunsrück-Kreis umgesehen, um von Best-Practice-Beispielen zu lernen. Dort stehen 285 Windanlagen und decken den Strombedarf von über 400.000 Haushalten. Viele dieser Windräder stehen auf kommunalen Flächen, was den Gemeinden direkte Vorteile bringt. Es ist kein Wunder, dass die Akzeptanz für erneuerbare Energien dort deutlich höher ist. Die Menschen profitieren konkret – sei es durch niedrigere Strompreise oder durch finanzielle Direktzahlungen.
Akzeptanz durch Teilhabe
Im Rhein-Hunsrück-Kreis gibt es Anwohner, die von ihrer Nähe zu Windkraftanlagen profitieren. Hier spricht man von Beträgen zwischen 15.000 Euro pro Windrad für die Anwohner. Und wenn man bedenkt, dass die Kommunen auch einen Teil der Einnahmen aus der Akzeptanzabgabe für soziale und kulturelle Projekte verwenden können, wird die Sache gleich viel interessanter. Das ist eine Form der Teilhabe, die Vertrauen schafft und die Akzeptanz der Bevölkerung erhöht. Ein echtes Win-Win, wenn man so will.
In Thüringen hingegen wird die Situation komplizierter. Die Mehrheit der Windanlagen steht auf privatem Grund und die Gewerbesteuer wird nur am Sitz der Betreiberfirma gezahlt. Das lässt die Gemeinden etwas im Regen stehen. Es braucht dringend verlässliche Strukturen und Planungssicherheit, um das Vertrauen der Bürger zu gewinnen. Aber wie? Klar, Kooperationen zwischen den Kommunen sind essenziell, um wirtschaftliche Projekte erfolgreich umzusetzen.
Die Entwicklung in Niedersachsen zeigt, wie es gehen kann. Dort wurde das Niedersächsische Windgesetz verabschiedet, das den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt und den Kommunen direkte Vorteile verschafft. Wenn Thüringen hier anknüpfen kann und das Windbeteiligungsgesetz konsequent umgesetzt wird, könnte das der Schlüssel zur wahren Akzeptanz der Energiewende sein. Doch bis dahin bleibt es spannend – und die Herausforderungen sind noch lange nicht aus der Welt geschafft.