Am Pfingstsonntag, dem 24. Mai 2026, erstrahlte der Dom zu Speyer unter einem strahlend blauen Himmel und lud Gläubige aus nah und fern ein, gemeinsam das Fest des Heiligen Geistes zu feiern. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann hatte die Ehre, das Pontifikalamt zu leiten, und die Atmosphäre war von einer warmen, einladenden Energie geprägt. Zahlreiche Besucher strömten in die ehrwürdigen Mauern des Doms, um an diesem bedeutenden Tag teilzuhaben.
Pfingsten, das als das Geburtstag der Kirche gilt, wird traditionell rund 50 Tage nach Ostern gefeiert. Es ist ein Fest, das alle Christen weltweit verbindet. Wiesemann begann seine Predigt mit den eindringlichen Worten: „Es ist ein Riss in allem“ – eine Anspielung auf einen Liedtext des jüdischen Pop-Poeten Leonard Cohen. Diese Worte, die auf Cohens Song „Anthem (Hymne)“ zurückgehen, thematisieren, dass Licht durch die Risse in etwas gelangen kann. Ein schöner Gedanke, der Raum für Hoffnung und Heilung lässt.
Politische Botschaften und persönliche Reflexionen
In seiner Predigt wagte Wiesemann einen kritischen Blick auf die gegenwärtige gesellschaftliche Lage. Er sprach von „Rissen im Weltengebäude“ und kritisierte die Mächtigen, die sich als Heilsbringer inszenieren, während in der Realität viele Menschen unter Krieg und Spaltung leiden. „Die Friedenstaube wird gefangen und verkauft – für zweifelhafte Deals“, so Wiesemann sinngemäß in Anlehnung an die Worte Cohens. Diese eindringlichen Gedanken fanden bei den Kirchenbesuchern großen Anklang, die ihm spontan Glückwünsche für seine mutigen Worte aussprachen.
Doch nicht alles war düster. Wiesemann sah die Risse auch als Chance für Dialog und Verbindung. Er verwies auf die japanische Kunst des „Kintsugi“, bei der Bruchstellen von Keramik kunstvoll hervorgehoben werden. Diese Metapher, die das Potenzial der Risse zur Entstehung und Heilung thematisiert, fand einen besonderen Platz in seiner Botschaft. „Risse sind Resonanzräume der Menschlichkeit“, erklärte der Bischof und forderte die Anwesenden auf, diese Perspektive zuzulassen.
Musikalische Einlagen und festliche Stimmung
Das Pontifikalamt wurde musikalisch von dem KathedralJugendChor und dem Domchor unter der Leitung von Markus Melchiori gestaltet. Die Klänge von Louis Vierne, Orlando di Lasso und gregorianischer Musik erfüllten den Dom und trugen zur festlichen Stimmung bei. Ein besonderes Highlight war die Orgelmusik des Domorganisten Markus Eichenlaub, der mit seinem Spiel die Emotionen der Anwesenden weiter anheizte.
Am Nachmittag fand zusätzlich eine Pontifikalvesper mit Bischof Wiesemann statt, die von der Schola Cantorum Saliensis gestaltet wurde. Diese Feier war ein weiterer Ausdruck der Verbundenheit und der Hoffnung, die das Pfingstfest verkörpert. Am darauffolgenden Pfingstmontag, dem 25. Mai, wird zudem Weihbischof em. Otto Georgens das Pontifikalamt zelebrieren – ein weiteres Ereignis, das die Menschen in der Region zusammenbringen wird.
In dieser Zeit der Unsicherheit, in der die Risse in unserer Gesellschaft so sichtbar sind, bietet das Pfingstfest einen Raum für Reflexion, Hoffnung und die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Mögen die Lichtstrahlen, die durch diese Risse gelangen, uns alle daran erinnern, was es bedeutet, Mensch zu sein.