Wenn man durch die Straßen von Mainz schlendert, könnte man meinen, die Pfadfinderbewegung sei ein Relikt aus einer anderen Zeit. Doch weit gefehlt! Die Pfadfinder in Rheinland-Pfalz und Saarland sind äußerst aktiv und erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Mit rund 1.700 Mitgliedern in 23 Ortsgruppen (Stämmen) ist die Bewegung im Aufschwung – 400 mehr als noch 2014. Und das, obwohl das Halstuch, das für viele ein Zeichen der Gemeinschaft ist, beim Stamm Tilia nicht einmal Pflicht ist! Wer hätte das gedacht?
Die Altersstufen sind klar definiert. Von den Wölflingen, die im Alter von 7 bis 11 Jahren mit Spielen, Basteln und kurzen Zeltlagern in das Pfadfinderleben eintauchen, über die Pfadfinder im Alter von 11 bis 15 Jahren, die sich mit dem Aufbauen von Zelten, dem Knotenbinden und Wanderungen beschäftigen, bis hin zu den Rangern und Rovern ab 16 Jahren, die sich in Gruppenleitung und Organisation engagieren. Ein ganzes Spektrum an Aktivitäten – Lagerfeuer, Kochen, Singen mit der Gitarre – fördert nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern auch das persönliche Wachstum der Kinder und Jugendlichen.
Die Wurzeln der Pfadfinderbewegung
Gegründet wurde der Bund der Pfadfinder*innen (BdP) im Jahr 1976 und hat sich seitdem als interkonfessioneller Pfadfinderbund etabliert. Inzwischen zählt der BdP etwa 30.000 Mitglieder und ist auf die Inklusion von jungen Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen bedacht. Diese Offenheit ist in der Satzung verankert und zeigt, wie wichtig ein respektvolles Miteinander ist. Der Sitz des BdP ist in Immenhausen, wo auch das „Zentrum Pfadfinden“ angesiedelt ist. Dort können Gruppen übernachten und die Natur hautnah erleben.
Die Pfadfinderbewegung hat sich nicht nur in Deutschland, sondern weltweit einen Namen gemacht. Der Deutsche Pfadfinderbund (DPB), als konfessionell ungebundener Verband, verfolgt ähnliche Ziele: junge Menschen zu weltoffenen, selbständig denkenden Individuen zu erziehen. Auch die Aktivitäten des DPB sind vielfältig und bieten Abenteuerreisen und internationale Begegnungen. Es ist eine spannende Zeit für die Pfadfinder, die sich gegen einseitige Einflüsse stemmen und die Selbstentwicklung der Jugendlichen fördern wollen.
Aktivitäten und Unterstützung
Es ist bemerkenswert, dass das Land Rheinland-Pfalz die Jugendverbände finanziell unterstützt. Fast 550.000 Euro an Fördermitteln werden 2024 bereitgestellt. Diese Unterstützung ist wichtig, um die ehrenamtliche Arbeit der Pfadfinder zu würdigen und zu fördern. Sie basiert auf Mitgliedsbeiträgen, Spenden und öffentlichen Zuschüssen, und zeigt, dass die Gesellschaft die Erziehungsarbeit der Pfadfinder wertschätzt. Die regelmäßigen Gruppenstunden, sei es in Form von Meutenstunden oder Sippenstunden, bieten den Jugendlichen eine Plattform, um sich in einem geschützten Raum zu entfalten.
Die Pfadfinderbewegung ist viel mehr als nur ein Hobby. Sie ist ein Ort der Gemeinschaft, des Lernens und des Wachsens. Mit einem klaren Fokus auf Teamarbeit, Naturverbundenheit und Verantwortungsbewusstsein bereiten die Pfadfinder ihre Mitglieder auf die Herausforderungen des Lebens vor. In Zeiten, in denen das digitale Leben überhandnimmt, ist es erfrischend zu sehen, wie junge Menschen am Lagerfeuer sitzen, ihre Handys beiseitelegen und sich auf das Wesentliche konzentrieren – auf die Gemeinschaft und das Miteinander. So bleibt die Pfadfinderbewegung nicht nur lebendig, sondern blüht auf in den Herzen der Kinder und Jugendlichen von heute.