In der zauberhaften Welt der Musik träumen viele junge Menschen davon, auf der großen Bühne zu stehen, die Zuschauer mit ihren Klängen zu fesseln und die Musik zum Beruf zu machen. Die renommierten Musikhochschulen in Deutschland, die internationalen Ruf genießen, bieten ihnen eine Plattform, um diesen Traum zu verwirklichen. Doch hinter den Kulissen dieser glanzvollen Karrieren verbirgt sich oft eine weniger strahlende Realität. Druck, Abhängigkeiten und Machtgefälle prägen das Umfeld, in dem diese talentierten Musikerinnen ihre Ausbildung absolvieren.
Die Geschichten, die REPORT MAINZ ans Licht bringt, sind erschütternd. Es zeigt sich, dass viele junge Musikerinnen am Anfang ihrer Karriere in einer eher schwachen Position innerhalb des Machtgefüges agieren. In diesen Zeiten, in denen sie sich von Lehrenden, die oft als künstlerische Genies wahrgenommen werden, abhängig machen, wird die Gefahr von Machtmissbrauch besonders akut. Die Täter scheinen unantastbar, während die Karrieren der Betroffenen durch das Melden von Missbrauch stark gefährdet sind. Einige von ihnen berichten von sexueller, verbaler oder diskriminierender Gewalt – und dennoch werden die Täter für ihr musikalisches Können gefeiert.
Ein Blick hinter die Kulissen
Ein besonders eindrückliches Beispiel liefert die Geschichte von Julia (Name geändert), die während einer Probeunterrichtsstunde von einer Dozentin unter Druck gesetzt wurde, ihr Kleid auszuziehen. Mit der Drohung des Unterrichtsabbruchs wurde sie in eine unerträgliche Situation gedrängt. Solche Vorfälle sind nicht die Ausnahme, sondern scheinen nach einer Studie der Münchner Musikhochschule von 2018 nahezu normal zu sein. Fast 90% der Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten berichteten in den letzten drei Jahren von Machtmissbrauch. Diese alarmierenden Zahlen rufen nach Veränderungen!
Die studentische Initiative gegen Machtmissbrauch hat über 600 Erlebnisberichte gesammelt – ein eindringlicher Weckruf. Es ist erschreckend, dass das Problem auch 15 Jahre nach der #MeToo-Bewegung weiterhin akut ist. Kleine Klassen und Einzelunterricht schaffen Abhängigkeitsverhältnisse, die missbraucht werden können. Der Diplompsychologin Jutta Stahl zufolge wird Macht problematisch, wenn sie missbraucht wird. Viele Lehrende an Musikhochschulen sind zudem unzureichend pädagogisch ausgebildet, was die Situation nicht gerade verbessert.
Reaktionen und Lösungsansätze
Die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen hat 2024 ein Positionspapier verabschiedet, das Handlungsempfehlungen formuliert. Doch die Umsetzung liegt in der Verantwortung der 24 staatlichen Musikhochschulen, und externe Überprüfungen stehen nicht auf der Tagesordnung. Dennoch gibt es erste positive Ansätze: Die Hochschule für Musik Saar hat einen Vertrauensrat eingerichtet und die Evaluation des Unterrichts zur Pflicht gemacht. An einem Aktionstag am 27. November 2025 wird an allen 24 staatlichen Musikhochschulen für Sensibilisierung gegen Machtmissbrauch und Diskriminierung geworben – mit individuellen Programmen, Workshops und Vorträgen. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch lange nicht genug.
Eine empirische Studie, die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt bewilligt wurde, wird helfen, das Ausmaß des Problems an Musikhochschulen zu erfassen. Die Koordination dieser Studie obliegt der IPP München und wird von einer Begleitgruppe unterstützt, die aus Mitgliedern verschiedener Statusgruppen der Hochschule besteht. Diese Gruppe, bestehend aus Professoren, Verwaltungsmitarbeitern und Studierenden, soll die künstlerische Ausbildung und ihre spezifischen Herausforderungen in den Fokus rücken.
Die Zeit ist reif für Veränderungen. Der Druck auf junge Talente darf nicht länger die Kunst und die Leidenschaft für die Musik ersticken. Es bedarf eines gemeinsamen Aufschreis, um den Missbrauch von Macht zu entblößen und einem neuen, respektvollen Umgang miteinander den Weg zu ebnen.