In Bad Wurzach, einem kleinen Ort voller Geschichte und Charme, zieht ein ganz besonderes Museum die Aufmerksamkeit auf sich. Hier, im Fachwerkhaus am Viehmarkt, das einst als Gefängnis diente und Ende des 17. Jahrhunderts erbaut wurde, lädt Karl Ehrmann die Besucher zu einer faszinierenden Zeitreise ein. Seine mehr als zweistündige Führung ist nicht einfach nur eine Präsentation. Es ist eine leidenschaftliche Erzählung, die die Geschichten hinter den Exponaten lebendig werden lässt.

Ehrmann, ein leidenschaftlicher Sammler, hat im Laufe der Jahre eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen. Ursprünglich in einer Halle auf dem Firmengelände von Ehrmann-Reisen untergebracht, fand er schließlich ein neues Zuhause für seine Schätze: das Museum! Der Anstoß kam durch eine zufällige Begegnung mit Gerhard und Margit Reischmann sowie Winfried Reischmann, die herzlich eingeladen wurden, die Sammlung zu entdecken. Ein echtes Glück, denn was sie dort erwartet, ist einfach atemberaubend!

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Exponate sind auf zwei Geschosse verteilt. Im Obergeschoss findet man alles rund um Landwirtschaft und die Berufe von einst: Sattler, Wagner und Schmied – allesamt Meister ihres Faches. Im Erdgeschoss jedoch wird es richtig spannend: Hier stehen Oldtimer und Kutschen, darunter einige wahre Raritäten. Ein Highlight ist die Originalkutsche des Viehhändlers Xaver Kiefer, eigens für seine Gehbehinderung konzipiert. Ehrmann erzählt nicht nur von den Objekten, sondern auch von den Menschen, die sie einst nutzten – das macht die Führung so lebendig.

Ein weiterer Schatz ist die Kutsche namens „Victoria“. Ehrmann konnte sie erwerben, nachdem sie ursprünglich für einen anderen Käufer reserviert war – ein wahres Schnäppchen! Und auch der Gesellschaftswagen „Präg“, der als Vorläufer des Omnibusses gilt, hat seinen Weg ins Museum gefunden, nachdem er mit viel Mühe transportiert wurde. Der älteste Oldtimer im Museum, ein Opel „Laubfrosch“ von 1926, hat die Zeit bestens überstanden und erzählt von einer Ära, in der das Auto für den „kleinen Mann“ erschwinglich wurde.

Oldtimer und Kutschen

Doch nicht nur Kutschen gibt es zu bestaunen. Ehrmann besitzt auch eine Sammlung von Oldtimern, die regelmäßig bewegt werden müssen, um ihren Wert zu erhalten. Zu den bemerkenswertesten Fahrzeugen gehört ein Opel aus dem Jahr 1935 sowie ein BMW 319 aus 1936, der einst militärisch genutzt wurde. Das Museum ist also nicht nur ein Ort für Kutschenliebhaber, sondern auch für Autoliebhaber, die die Geschichte der Mobilität hautnah erleben möchten.

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Witzig ist Ehrmanns Bemerkung, dass man „Kutsche, Frau und Geldbeutel“ nicht verleihen sollte – es spiegelt seinen Humor und seine Liebe zu den Exponaten wider. Ein Doktorwagen, der früher von Ärzten genutzt wurde, fand auf einem unerwarteten Weg seinen Platz in der Sammlung, nachdem er in Polen entdeckt wurde. Wer hätte gedacht, dass die Geschichte eines Wagens solch unerwartete Wendungen nehmen kann?

Kutschenmuseen und ihre Vielfalt

In Deutschland gibt es zahlreiche Kutschenmuseen, die sich der Bewahrung dieser historischen Fahrzeuge widmen. Ob in Baden-Württemberg, Bayern, oder Brandenburg – überall finden sich Schätze, die das Erbe der Kutschenkultur bewahren. Die Vielfalt reicht von Technischen Museen bis hin zu musealen Remisen, wo ehemalige Garagen für Kutschen in neue Ausstellungsräume verwandelt wurden.

Einige der bekanntesten Kutschenmuseen, wie das Marstallmuseum, zeigen nicht nur Kutschen, sondern auch Schlitten und andere historische Fahrzeuge. In Österreich gibt es ebenfalls beeindruckende Sammlungen, darunter das Kutschenmuseum Versailles und die Wagenburg in Wien – Orte, die die Pracht vergangener Zeiten lebendig halten.

Die Welt der Kutschen und Oldtimer ist also weit mehr als nur ein Hobby für Karl Ehrmann. Sie ist ein Zeugnis der Geschichte, das uns daran erinnert, wie weit wir gekommen sind. Und in Bad Wurzach, in diesem kleinen, aber feinen Museum, wird Geschichte zum Leben erweckt – ein Ort, den man einfach besuchen muss, um die Geschichten selbst zu hören und die Exponate zu bestaunen.

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