Am 16. Mai 2026, in der malerischen Stadt Landau in der Pfalz, fand ein bemerkenswerter Vortrag des ehemaligen Soldaten Hagen Vockerodt statt. Nach 1638 Tagen im Einsatz für die Bundeswehr – unter anderem in Bosnien, Kosovo und Afghanistan – hat er seine Erlebnisse in dem Buch „1638 Tage im Krieg – Die Kehrseite der Einsatzmedaille“ festgehalten. Vockerodt, der 1996 seine militärische Laufbahn im Sanitätsdienst begann und als Fallschirmspringer ausgebildet wurde, schilderte seine Erfahrungen in einem bewegenden Vortrag mit dem Titel: „Als Soldat im Einsatz für Freiheit und Demokratie“.
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bildungswerk Ochsenhausen, der Katholischen Erwachsenenbildung, der Buchhandlung Lesebar und der Seelsorgeeinheit St. Benedikt. Es war eine Gelegenheit, die Spannungen zwischen soldatischer Pflicht und moralischem Dilemma zu diskutieren. Vockerodt ermutigte die Zuhörer, offen zu bleiben und sich mit verschiedenen Meinungen auseinanderzusetzen. Ein Aspekt seines Vortrags, der besonders berührte, war die Auseinandersetzung mit traumatischen Erlebnissen, wie dem Verlust von Kameraden und dem Zuschauen bei einer Steinigung. Diese Erlebnisse prägten ihn tief und führten zu posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), die er nach seiner Dienstzeit erlebte.
Der Kampf um die eigene Psyche
Die Auswirkungen von PTBS können verheerend sein. Flashbacks, Albträume und innere Alarmbereitschaft – all das gehört für viele Soldaten zur schmerzhaften Realität. Vockerodt sprach offen über seine eigene Erfahrung mit dieser Erkrankung und die Unterstützung, die er durch Militärpfarrer erhielt. Nach vier Jahren Therapie verließ er schließlich die Bundeswehr, doch der Weg zur Heilung war lang und steinig. Er dokumentierte 28 bestätigte Abschüsse, was den psychischen Druck noch erhöhte. Aber er ist nicht allein; viele Soldaten kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen, und die Behandlung erfordert besondere Sensibilität.
Vockerodts Teilnahme an den Invictus Games in Den Haag 2022 war ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg der Genesung. Diese internationalen Sportspiele, die 2014 von Prinz Harry ins Leben gerufen wurden, bieten verletzten Soldatinnen und Soldaten eine Plattform, um ihre Stärke und Resilienz zu zeigen. Es geht nicht primär um Medaillen, sondern um den Zusammenhalt, die Unterstützung und die Wertschätzung für den Dienst der Teilnehmenden. Die Invictus Games erreichen sogar Menschen, die sich normalerweise nicht für Streitkräfte und Sicherheitspolitik interessieren. Ein faszinierendes Konzept, das die Rehabilitation der Athleten fördert und gleichzeitig ein Gefühl der Gemeinschaft schafft.
Ein Blick hinter die Kulissen
Die Herausforderungen, mit denen Soldaten nach ihrer Rückkehr konfrontiert sind, sind oft enorm. Die Behandlung von einsatzbedingten Traumafolgestörungen erfordert spezielle Therapieansätze. In der BG Klinik Bad Reichenhall beispielsweise wird das Drei-Phasen-Modell angewendet, das eine individuelle Anpassung der Therapie an die biographischen Vorerfahrungen der Patienten ermöglicht. Diese Therapieansätze sind entscheidend für die soziale und berufliche Reintegration der Soldaten.
Am Ende des Vortrags stellte eine junge Frau die Frage, die viele im Raum beschäftigte: Wie geht man mit diesen Erlebnissen um? Vockerodt antwortete mit einem Lächeln und einer Portion Humor, bevor er ein Selfie mit ihr machte – ein Moment der Menschlichkeit inmitten der ernsten Themen. In solch bewegenden Augenblicken wird klar, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit nicht nur ein individueller Prozess ist, sondern auch eine gemeinschaftliche Reise, die Verständnis und Mitgefühl erfordert.