Im Wasser verloren: Der Kampf gegen den Fachkräftemangel in deutschen Bädern
Es gibt Berufe, die scheinen wie geschaffen für wahre Wasserliebhaber. Patricia Schantor ist so eine Persönlichkeit. Vor anderthalb Jahren hat sie ihre Ausbildung zur Fachkraft für Bäderbetriebe im Salinenbad Bad Kreuznach abgeschlossen und kann sich kaum einen schöneren Arbeitsplatz vorstellen. Täglich am Wasser, im Freien – das klingt nach purer Lebensfreude! Doch hinter der Idylle verbirgt sich eine Herausforderung, die nicht nur sie betrifft, sondern den gesamten Bäderbetrieb in Deutschland.
Die Aufgaben sind so vielfältig wie die Farben eines Regenbogens. Kundenbetreuung, Schwimmkurse, Aquafitness, die Technik im Blick behalten, chemische Analysen durchführen, Notfallhilfen leisten und natürlich die Reinigung – das alles gehört zu Patricias Alltag. Besonders begeistert sie die Schwimmkurse, in denen Kinder das ersehnte Seepferdchen-Abzeichen erwerben. Das Lächeln auf den Gesichtern der Kleinen, wenn sie das Abzeichen stolz entgegennehmen, ist für sie unbezahlbar. Doch der Job hat auch seine Schattenseiten: Schichtarbeit, Wochenend- und Feiertagsdienste schrecken viele potenzielle Bewerber ab.
Fachkräftemangel im Bäderbereich
Patricias Salinenbad kann sich allerdings glücklich schätzen. Dank des Ganzjahresbetriebs und der Übernahme von Auszubildenden gibt es hier keine Personalprobleme. Anders sieht es jedoch in vielen anderen Bädern der Bad Kreuznacher Badegesellschaft aus. Dort mussten aufgrund von Personalmangel die Betriebszeiten eingeschränkt werden. Aktuelle Zahlen zeigen, dass in Deutschland über 900 Bademeister fehlen. Das hat zur Folge, dass viele Schwimm- und Freibäder später öffnen, früher schließen oder sogar ganz geschlossen bleiben müssen. Ein trauriger Zustand, wenn man bedenkt, dass zwischen 6.000 und 7.800 öffentlich zugängliche Schwimmbäder in Deutschland existieren – und die Zahl seit Jahren abnimmt.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Kritiker warnen, dass immer mehr Kinder nicht schwimmen können, was durch den Personalmangel noch verschärft wird. Die Pandemie hat dazu geführt, dass viele Bademeister andere Berufe ergriffen haben und nicht zurückgekehrt sind. Zudem geht der demografische Wandel nicht spurlos vorbei: Es gehen mehr Fachkräfte in den Ruhestand, als neue nachrücken können. Selina Daut, Meisterin für Bäderbetriebe, beobachtet einen Trend, dass weniger Menschen im Handwerk arbeiten wollen – viele streben stattdessen eine akademische Laufbahn an.
Die Rolle der Künstlichen Intelligenz
Daut betont zudem, dass Künstliche Intelligenz zwar eine Unterstützung bieten kann, jedoch die menschliche Aufsicht im Schwimmbad niemals ersetzen kann. Die Aufgaben eines Bademeisters sind komplex und erfordern ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Der Beruf umfasst nicht nur die Überwachung des Badebetriebs und die technischen Anlagen, sondern auch Personalführung, Ausbildungsmanagement, die Optimierung von Betriebsabläufen und die Organisation des Services sowie das Beschwerdemanagement. Und das alles muss in einem Umfeld geschehen, in dem das Wohlergehen der Schwimmer immer an erster Stelle steht.
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bietet die BSA-Akademie berufsbegleitende Lehrgänge mit flexiblen Lernphasen an, die interessierten Personen den Zugang zum Beruf erleichtern sollen. Zudem gibt es die Möglichkeit der Förderung durch das Aufstiegs-BAföG. Doch ist das genug, um die Lücken zu füllen? Die Herausforderungen sind gewaltig, und die Zeit drängt.
Für mehr Informationen zum Fachkräftebedarf in Deutschland und weiteren Themen rund um Arbeitsmarkt und Qualifizierung, schaut doch mal hier vorbei: Fachkräftebedarf.
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