Guido Orthen: Vom Bürgermeister zum Landtagsabgeordneten – Aufbruch im Ahrtal
Guido Orthen hat kürzlich seine Reise in die Politik auf eine neue Ebene gehoben. Der ehemalige Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, der 16 Jahre lang die Geschicke seiner Stadt lenkte, ist nun Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags. Dieser Wechsel bringt frischen Wind und auch die Erinnerungen an eine schicksalhafte Nacht zurück, als das Hochwasser die Straßen verwandelte. „Die Hilflosigkeit war überwältigend“, beschreibt Orthen die Situation, als das Wasser meterhoch stand und die Menschen in Panik versetzte.
Sein Engagement für die Stadt und die Menschen dort war immer spürbar. Während seiner Amtszeit setzte er sich intensiv für die Stadtentwicklung ein und initiierte Projekte wie „Zukunft Bad Neuenahr“ sowie die Planungen für die Landesgartenschau. Nun, wo er seinen Hut als Bürgermeister nimmt, ist es Pascal Rowald, der am 1. Juli offiziell sein Nachfolger wird. Bis dahin führt Peter Diewald, der Erste Beigeordnete, die Amtsgeschäfte weiter.
Ein Blick auf den Wiederaufbau
Der Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe steht ganz oben auf der Agenda. Hermann-Josef Pelgrim, Geschäftsführer der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (AuEG), hat klare Visionen: „Wir wollen, dass zukünftige Flutereignisse weniger Schäden verursachen.“ Das Gesamtvolumen für den Wiederaufbau beträgt rund 650 Millionen Euro, und die Planungen sind nahezu abgeschlossen, einige Projekte haben bereits begonnen. Immerhin sollen in den nächsten fünf Jahren etwa 100 Millionen Euro jährlich umgesetzt werden. Das klingt nach einem ambitionierten Plan, aber Orthen ist optimistisch: „Etwa ein Drittel der Wiederaufbau-Wegstrecke haben wir schon hinter uns.“
Die Herausforderungen im Tiefbau, insbesondere bei Straßen und Brücken, stehen jedoch noch bevor. „Wir sprechen hier von weiteren 8 bis 10 Jahren“, erklärt Orthen, der sich auch in seiner neuen Rolle für die Interessen des Ahrtals einsetzen möchte. Sein Ansatz zur Vermeidung zukünftiger Katastrophen ist klar: „Menschen, die nicht mit dem Risiko leben können, sollten aus gefährdeten Tälern wegziehen.“ Ein starker Satz, der zum Nachdenken anregt.
Nachhaltigkeit im Fokus
In einem größeren Kontext ist der Wiederaufbau nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine Chance für nachhaltige Veränderungen. Der Praxisleitfaden „Nach der Flutkatastrophe: Chance für Veränderung“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, zeigt, wie der Wiederaufbau als Chance für resiliente Strukturen genutzt werden kann. „Building Back Better“ ist das Leitmotiv, und es wird empfohlen, präventiv in klimaresiliente Siedlungsentwicklung zu investieren. Das klingt nach einer klugen Idee, oder?
Der Leitfaden fokussiert sich auf drei zentrale Handlungsfelder: Wiederaufbau, Risikobewertung und -verringerung sowie die Resilienz von Gesellschaften. Über die nächsten Jahre soll ein intensives Begleitprogramm die betroffenen Regionen unterstützen. Hierbei wird das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) eine zentrale Rolle spielen, um die Gemeinden in ihrer Planung zu unterstützen und zu begleiten.
Ein Mitarbeiterfest Ende April fand statt, um Guido Orthen gebührend zu verabschieden. „Der Abschied fällt mir schwer“, gestand er und hob die Unterstützung der Bürger und Wegbegleiter hervor. So geht ein Kapitel zu Ende, aber die neue Herausforderung in Mainz könnte der Startschuss für noch mehr positive Veränderungen im Ahrtal sein. Was bleibt, ist der unermüdliche Einsatz für eine Region, die sich von den Fluten nicht unterkriegen lässt.
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