Die Bildungslage in Österreich, insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund, ist ein Thema, das immer wieder in der politischen Diskussion auftaucht. Thomas Walach, ein ehemaliger Politiker und jetzt engagierter Lehrer, hat kürzlich in einem Artikel auf die alarmierende Situation hingewiesen. Viele Kinder, so berichtet er, haben Schwierigkeiten, einen Job zu finden. Ein Grund dafür ist, dass in ihren Familien Sozialhilfe als Normalzustand gilt. Dies führt dazu, dass sie oft gar nicht erst den Anreiz haben, eine Ausbildung oder einen Job zu suchen. Stattdessen verbringen einige von ihnen die Nächte am Praterstern, um zu dealen, und müssen sich am nächsten Tag erst einmal ausschlafen. Wo bleibt da die Perspektive?

Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass es Kinder gibt, die sowohl in Deutsch als auch in der Sprache ihrer Eltern Verständnisschwierigkeiten haben. Walach thematisiert auch, dass viele Schüler von 400 an seiner Schule nur fünf ohne Migrationshintergrund sind. Dieses ethnisch segregierte Schulsystem in den Großstädten Österreichs führt nicht nur zu Ungleichheiten, sondern auch zu einem Kreislauf von Chancenlosigkeit. Es gibt eine wachsende Kluft zwischen den schulischen Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund und ihren Mitschülern ohne Zuwanderungsgeschichte. PISA-Daten belegen, dass Deutschland hier Nachholbedarf hat – und zwar gewaltig.

Sprachförderung und elterliche Verantwortung

Walach schlägt vor, dass Sprachkenntnisse bereits zum Ende des dritten Lebensjahres überprüft werden sollten. Das könnte ein erster Schritt sein, um Kinder frühzeitig zu fördern und ihnen die Chancen zu geben, die sie verdienen. Doch das allein reicht nicht. Er fordert auch stärkere Verantwortung der Eltern, vielleicht sogar mit einem gewissen Druck durch den Sozialstaat. Denn die Bildungsbeteiligung hängt stark von den familiären Ressourcen ab. Kinder mit Migrationshintergrund sind oft seltener in Kitas vertreten, was ihnen den Zugang zu frühkindlicher Bildung erschwert.

Interessanterweise zeigt eine Studie von Becker und Gresch (2016), dass in Familien mit Migrationshintergrund die Bildungsaspirationen oft hoch sind. Aber die Realität sieht anders aus. Diese Kinder besuchen häufig Hauptschulen und sind an Gymnasien unterrepräsentiert. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, die wir nicht ignorieren dürfen. Es ist nicht nur eine Frage der Bildung, sondern auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

Religiöse Vorschriften und Schulalltag

Walachs Meinung über die Rolle religiöser Vorschriften im Schulalltag ist ebenfalls bemerkenswert. Er spricht sich dafür aus, insbesondere islamische Vorschriften aus dem schulischen Leben zu verbannen. Die Frage ist, ob das der richtige Weg ist, um eine inklusive Bildung für alle zu gewährleisten. Denn letztlich sollten Schulen Orte des Lernens und der Akzeptanz sein, nicht der Ausgrenzung. Die ethnische Diskriminierung im deutschen Bildungssystem, wie Diehl und Fick (2016) zeigen, ist ein weiteres Indiz, dass wir an einem Wendepunkt stehen.

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Die Herausforderung, die jetzt vor uns liegt, ist riesig. Mit der zunehmenden Anzahl von Schutzsuchenden, die seit 2022 am Bildungssystem teilnehmen, müssen sich die Schulen auf zusätzliche Herausforderungen einstellen. Ob sie diese meistern können, ist fraglich. Wir müssen auch die pandemiebedingten Bildungsnachteile ausgleichen, die viele Kinder zusätzlich benachteiligt haben. Die Zahlen sprechen für sich: Im Bundesdurchschnitt haben 42,3 % der schulpflichtigen Kinder eine Zuwanderungsgeschichte. Wo soll das enden?

Die Realität ist, dass die Unterschiede in den schulischen Leistungen in den letzten Jahren zwar etwas kleiner geworden sind, aber jetzt wieder eine wachsende Kluft zu beobachten ist. Ein Teufelskreis, aus dem wir dringend ausbrechen müssen. Es ist an der Zeit, dass wir zusammenarbeiten und Lösungen finden, anstatt die Probleme weiter zu ignorieren. Denn das Scheitern von Tausenden Kindern, das kann und darf nicht die Antwort der Gesellschaft auf diese Herausforderungen sein.